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wird er nur von seiner Frau beweint, die Uebrigen lachen und verhöhnen die Trauernde, die ihnen kein Gastmahl geben kann.

Das Grab wird mit Rohrstäben eingezäunt, um die Hunde und Schlangen vom Leichņam abzuhalten. Einen Monat lang wird während der Nacht ein Feuer unterhalten, damit der Geist des Todten sich die Hände wärmen könne. Frau und Mutter des Verstorbenen singen jeden Morgen und jeden Abend einen Todtengesang am Grabe („O mein Gatte, o mein Sohn, Du bist gestorben!“).

Nach vier oder fünf Monaten wird die Einzäunung des Grabes fortgenommen und weit vom Dorfe weggeworfen, wobei noch einmal ein Gastmahl stattfindet.

Die Seelen der Bösen gehen in den Wald und werden Marsábas, die der Guten gehen auch in den Wald; was sie da thun, ist nicht bekannt.

Dass das Vertrauen in ihre Beschwörer bei den häufigen Todesfällen nicht erschüttert wird, kommt daher, dass sie auch an Hexerei glauben: über eine behexte Person hat der Beschwörer keine Gewalt. Daher sind denn auch die Fälle selten, wo Einer natürlichen Todes stirbt, die Meisten sterben behext. Sie haben auch ein abergläubisches Mittel, um den Hexenmeister zu entdecken, wenden es aber nur äusserst selten an, weil die Entdeckung des Thäters die Verwandten zur Blutrache zwingt und sie gern Krieg vermeiden.

Auch Lebende werden begraben. Wenn ein Kranker ein paar Tage lang nicht isst, die Augen zumacht, nicht antwortet, wenn er gefragt wird, und sich nicht rührt, so gilt er für todt und wird begraben. Mit Sicherheit kamen wenigstens zwei solcher Fälle vor.

Es waren Männer im besten Alter. Der eine sträubte sich, während die Erde auf ihn geworfen und festgetreten wurde, der andere blieb regungslos. Frau und Kinder standen dabei und jammerten gebührlich. Herr Reina war dabei nicht gegenwärtig, ist aber von der Richtigkeit der Angabe völlig überzeugt. Zur weiteren Bestätigung führt derselbe auch noch einen Fall an, wo er die grösseste Mühe hatte, eine Mutter zu verbindern, ihr krankes Kind zu begraben, das noch mehrere Tage am Leben blieb. Die Mutter war halsstarrig, sie packte das kleine sechsjährige Mädchen bei der Hand, hob sie hoch und rief: Sie stinkt ja schon!“

Häusliches Leben. Die Weiber haben die häuslichen Arbeiten und die leichte Arbeit im Felde zu besorgen. Den Männern fällt die schwere Arbeit anheim; sie fällen die Bäume, zäunen den Garten ein; denn alljährlich wird der Wohnort gewechselt.

Vom April bis December finden die Fischereien statt. Ein Fischzug dauert gewöhnlich zwei Tage und zwei Nächte. Die Fische werden am Feuer gedörrt und den das Innere bewohnenden Stämmen gebracht, die dafür Taro geben, der an der Küste nicht gebaut wird.

Die Boote werden aus einem Baumstamme gemacht, der ausgehöhlt wird. Ein von zwei langen Querhölzern getragener, im Wasser flottirender Balancier (outrigger) verhindert das Umschlagen.

Das Netzemachen ist ausschliessliche Arbeit der Männer, namentlich der Greise, die nicht mehr im Felde arbeiten können. Das Garn wird aus faserigen Pflanzen im Innern der Insel gewonnen.

Die Jünglinge machen nichts als Unfug; sie laufen den ganzen Tag umher. Oft sieht man den Vater mühsam schwere Lasten schleppen, während seine schon herangewachsenen Söhne, die ihm helfen könnten, sich mit wohlriechenden Kräutern bedecken und spielen.

Alle diese Beschäftigungen nehmen indessen nur einen geringen Theil ihrer Zeit in Anspruch. Der grössere Theil wird in Müssiggang verbracht. Dann hocken sie gern um ein grosses Feuer und rauchen und plaudern.

Nahrungsmittel. Vom Januar bis August werden Ignamen und Taro gegessen; vom September bis November lebt man vom Taro, der im Gebirge gekauft wird, und von Mandeln. Der December ist gewöhnlich ein Hungermonat; dann ziehen ganze Familien in den Wald und leben von Früchten, die sie in besserer Jahreszeit verderben lassen. Bananen giebt es das ganze Jahr hindurch, aber die Frucht ist nicht substanciell genug. Fische werden sehr mässig genossen. Schweine und Schildkröten sind in zu geringer Menge vorhanden, um als gewöhnliche Nahrungsmittel in Betracht zu kommen. Cocos sind ebenfalls so selten, dass sie als Leckerbissen gelten.

Die Hauptmahlzeit findet gegen 4 Uhr Nachmittags statt, die Reste dienen zum Frühstück. Das Volk erträgt übrigens den Hunger standhaft.

Den Charakter der Leute von Nurua schildert Herr Reina folgendermassen: Sie sind zügellos, ohne Ehrgefühl, der Lüge und dem Diebstahl, dem Hasse und der Missgunst ergeben, heuchlerisch, treulos, verläumderisch.

Unentdeckte Verbrechen gelten nicht für Verbrechen. Es bot Jemand den Missionaren ein Schwein zum Kauf an, das er stehlen wollte. Als diese ihm erklärten, dass sie kein gestohlenes Gut kaufen würden, versuchte er sie durch die Versicherung zu beruhigen, dass er sich nicht sehen lassen würde.

Wurde Einem ein Stück Eisen geschenkt, so kam oft der Vater des Beschenkten, um seinen eigenen Sohn zu verläumden: „Wie konntest Du dem ein Geschenk machen, er hat das und das von Dir gesagt.“

Nicht ein einziger Zug wahrer Kindes- oder Aelternliebe ist den Missionaren während ihres 31 jährigen Aufenthalts bekannt geworden. Die Zuneigung zwischen Jüngling und Mädchen steigt nie hoch genug, um sie zu Thorheiten zu verleiten, woran wahrscheinlich die ganz allgemeine, scham- und schrankenlose Lüderlichkeit Schuld ist. Das im Allgemeinen so empfindliche, zartfühlende Weib zeigt selbst bei Ehebruch von Seiten ihres Gatten nie die geringste Spur gekränkten Gefühls. Von Liebe wurde nie gesprochen, eben so wenig wurde sie geübt.

Die einzige gute Eigenschaft, die an den Nuruanern wahrgenommen wurde, war die vollkommene äusserliche Selbstbeherrschung, die so allgemein ist, dass sie als ein Zug ihres Charakters aufgeführt werden muss. In allen ihren Handlungen ist übrigens eine grosse Unabhängigkeit sichtbar, worauf die Missionare einige Hoffnung gründeten. Sie haben zwar eine Etikette, die aber nur oberflächlich und gelegentlich beobachtet wird.

Hinsichtlich ihrer staatlichen Verfassung ist nicht viel zu sagen. Wer fleissig arbeitet und viele Fruchtbäume besitzt, herrschsüchtig ist, dem Volke schmeichelt und ihm hin und wieder ein kleines Gastmahl giebt, ist ein Häuptling, d. h. er hat einigen Einfluss auf die Uebrigen. Da aber Viele herrschsüchtig sind, so giebt es auch viele Häuptlinge, die indessen Nichts zu befehlen haben. Ihr ganzer Einfluss beschränkt sich auf ihre Anhänger, ohne irgend einen Unterschied in der Freiheit des gegenseitigen Umgangs in Handlung oder Sprache zu veranlassen. Oeffentliche Angelegenheiten werden von allen zusammen behandelt, im Uebrigen hat Jeder die Freiheit, zu thun, was ihm beliebt. Einmal wurde ein Angriff auf die Insel Lottin beschlossen; das kleine, neben Nurua gelegene Dörfchen wollte sich nicht daran betheiligen, Die Nuruaner sagten, dass sie sich fürchteten, blieben aber nichtsdestoweniger gute Freunde.

Einmal wurde dem Enkel eines grossen Häuptlings eine Perlenschnur gestohlen. Der Dieb war bekannt, seine Schwiegertochter trug die Perlen öffentlich. Der Häuptling tobte, aber der Dieb behielt die Perlen.

Meinungen der Nuruaner über die Weissen. Die Weissen wurden oft gefragt, ob sie vom Himmel kämen? Dass sie wirkliche Menschen seien, wurde sehr bezweifelt. Man glaubte

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ihnen etwas sehr Schmeichelhaftes zu sagen, wenn man die Meinung aussprach, dass sie durch längeren Aufenthalt auf Nurua auch Menschen werden würden (Curab) mit schwarzer Haut. Die Weissen galten im Allgemeinen nicht für Menschen, sondern für andere Wesen.

Sie fragten, ob die Weissen geboren werden und sterben, ob sie Frauen haben etc. Dass die Weissen sterblich seien, hatten sie hinreichend Gelegenheit zu sehen, denn es starben in Nurua ein französischer Bischof, ein Priester und ein Catechet. Geliebt wurden die Weissen nicht, aber gefürchtet.

Um die Habgier der Eingeborenen nicht zu reizen und ihnen plausibel zu machen, dass die Missionare durchaus nicht die Absicht hatten, Handel zu treiben, wurde den Eingeborenen 10 Monate lang nicht ein Stück Eisen gegeben. Es wurden denjenigen Geschenke versprochen, die ihre Kinder, anstatt sie umzubringen, den Missionaren anvertrauen wollten. Es war den Eingeborenen völlig unbegreiflich, wie die Missionare während dreier Monate existiren konnten, da sie gar keine Vorstellung davon haben, wie man Provisionen aufbewahren kann. Haben sie viel zu essen, so verschmausen sie es, und haben sie Nichts, so hungern sie.

Nur einmal brachte ein alter Häuptling etwas zu essen; es war sehr wenig, aber er gab es doch umsonst, weil er glaubte, dass Herr Reina Hunger leide.

Man wagte indessen nicht die Missionare anzutasten, weil man sich fürchtete, dass ein Schiff kommen würde, ihren Tod zu rächen.

Die Leute erzählten, dass vor 25 oder 30 Jahren (d. h. als der circa 40 Jahre alte Sohn eines alten Häuptlings ein Knabe war), ein Schiff von Long Island, einer zwischen Rook und Neu-Guinea liegenden Insel, erschien, gegen dessen Mannschaft die Eingeborenen einen feindlichen Angriff machten, wobei einer der Weissen am Auge verwundet wurde, worauf die Weissen landeten, ein Dorf niederbrannten und die Einwohner tödteten. Dieser Vorfall hat ihnen eine grosse Furcht vor den Weissen und ihren Schiffen eingeflösst und vielleicht ist es nur diesem Umstande zuzuschreiben, dass das Leben der Missionare während eines 3.1 jährigen Aufenthalts nicht angetastet wurde. Es wurden indessen mehrmals dergleichen Anträge in den Volksversammlungen berathen.

Die Weissen gelten auch für Urheber der Erdbeben, ein Glaube, der schon vor Ankunft der Missionare verbreitet war. Ueber das bereits erwähnte Erdbeben vom 17. April 1857 berichtet Herr Reina: Wenige Minuten nach Sonnenuntergang ward ein heftiger Stoss in nord-südlicher Richtung verspürt, der das Meer erzittern machte; in wenigen Augenblicken erfolgte ein zweiter noch stärkerer Stofs, der

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den Schornstein zertrümmerte, das Mutter Gottes - Bild vom Altar warf und alle Fenster aufriss. Ein dritter Stoss von der Stärke des ersten bildete den Schluss. Die Schwingung der Erde war in horizontaler Richtung. Kaum war das Erdbeben vorüber, als einige der Hauptbeschwörer herbeigeeilt kamen und die Missionare dringend und inständigst baten, ihnen doch das Recept mitzutheilen. Spät in der Nacht gab es noch eine sehr unbedeutende Erschütterung, und alsbald kamen die Dorfbewohner, um anzufragen, ob sie in ihren Häusern schlafen könnten oder die Nacht im Walde zubringen sollten, ob noch mehr Stösse erfolgen würden etc. Obgleich die Leute den in der Mission angerichteten Schaden mit Augen sehen konnten, gelang es doch nicht, sie von ihrem Irrthum zu überzeugen; sie wurden wenigstens beruhigt und kehrten in ihre Häuser zurück.

XIV.
Die Expedition der Herren Dr. Blair, Holmes und
Campbell nach den Goldwäschen von Caratal in

Venezuela, im Spätsommer 1857.
Nach einem Bericht von Holmes und Campbell.

(Hierzu eine Karte, Taf. VII.)

Am 27. August 1857 segelten wir in dem Schooner Pheasant von Georgetown aus der Mündung des Flusses Demerara ab und ankerten am folgenden Tage um 5 Uhr Nachm. an der Mündung des Waini, nach Schomburgk unter 8° 25' N. Br., 59° 35' W. L. Schon eine Meile vor der Mündung ist das Meer nur 5 Faden tief und verflachte sich dann bis zu unserem Ankerplatze im Flusse auf 2 Faden; doch müssen wir bemerken, dass wir hinsichtlich des Fahrwassers keinen Führer hatten, dass es Nippfluth war und ausserdem zur Zeit unserer Ankunft nicht die volle Fluthhöhe stattfand. Die später veranstalteten Sondirungen und die Aufnahme des Capt. Lyng ergaben, dass der Waini auf seiner Barre bei Springfluth 15 bis 18 Fuss Wasser hat, also für Schiffe, die hier Bauholz holen wollen, zugänglich ist. Das Fahrwasser, welches über die Barre führt, läuft genau von Norden nach Süden. Früh am 29. August verschafften wir uns von der Mündung des Barima einige Indianer, die uns den Waini stromaufwärts begleiten sollten; denn wir beabsichtigten, den Mora Creek zu unt suchen, einen natürlichen schiffbaren Canal, der die Mündung des Waini

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