Imatges de pÓgina
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Aeginium nicht, weil diese Stadt, wie Livius sich ausdrückt, selbst bei einer nur geringen Besatzung leicht zu vertheidigen und fast uneinnehmbar war. Mit Recht bezieht Leake diesen Ausdruck des römischen Geschichtschreibers (locus vel modico praesidio tulus ac prope inerpugnabilis) auf den Umstand, dass Aeginium wie das heutige Stagus dicht am Fusse der Meteoren-Felsen, und zwar des höchsten derselben, lag und dadurch vom Norden und Nordosten her vollkommen geschützt war '). Uebrigens bemerke ich noch, dass der moderne Name der Stadt (Stagus) meines Wissens zuerst bei Johannes Kantakuzenos (hist. 2, 28), also im vierzehnten Jahrhundert vorkommt.

XI.

Geognostische Skizze des Erzgebirges von Uspallata.

Von Prof. H. Burmeister.
(Hierzu eine Karte, Taf. VI.)

Die Cordilleren der Provinz von Mendoza, zwischen dem 32° und 34o S. Br. sind nächst der peruanischen Strecke in der Nachbarschaft von Quito diejenige Partie der grossen Bergkette, welche auf dem kleinsten Raume die meisten und grössesten Vulcane versammelt; es stehen hier unmittelbar neben Mendoza drei der schönsten und grössesten Gipfel, der Aconcagua (21,000 Fuss hoch), der Tupungato (18,000 Fuss hoch) und der Maypu (19,000 Fuss hoch), in der kurzen Strecke von 20 geographischen Meilen neben einander, während mehr nach Norden die Gruppe des Limari, Chuapa und Ligua, nach Süden die des Cauquenes, Peteroa, Descabezado und Chillan in fast gleicher Erstreckung sich hinziehen. Leider sind fast alle diese grossen Feuerberge erloschen, nur an wenigen, wie z. B. am Maypu, wurden Eruptionsphänomene in historischer Zeit beobachtet, und nie anders als unter der Form aufwirbelnder Dämpfe. Hieraus erklärt sich die Häufigkeit von Erderschütterungen in den benachbarten Gegenden, Erschütterungen, deren Hauptheerd die chilenische Seite des Gebirges ist, während die argentinische viel seltener von ihnen berührt wird und noch niemals in dem Grade befallen worden, wie jene. Indessen hatte ich während meiner zehnmonatlichen Anwesenheit in Mendoza doch dreimal Gelegenheit, Erdbeben zu beobachten, das eine von ziemlicher Stärke, wobei die Häuser schwankten und Fenster und Thüren stark erklirrten. Schaden hat aber auch dieses nicht angerichtet.

') S. auch Kiepert's „Atlas von Hellas“, Bl. XV.

Die Strecke der Cordilleren zwischen dem 31° und 36° S. Br., an welcher alle die genannten Vulcane vorkommen, ist ziemlich schmal und besteht grössestentheils nur aus einem einzigen grossartigen Gebirgszuge, dessen stärker geneigte Seite nach Westen, dessen steilere nach Osten gerichtet ist. Unmittelbar neben Mendoza ändert das Gebirge diesen Charakter, es drängt sich unter einem starken Bogen ostwärts in die Ebene der Pampas vor, und spaltet sich an dieser Stelle sehr bestimmt in drei Parallelzüge, von welchen der mittlere die genannten grossen Vulcane trägt. Der westliche Zug, die Hauptcordillere, hat an dieser Stelle keine sehr bedeutenden Gipfel; er bildet die Grenze zwischen den La Plata-Staaten und Chile und über ihn führen die beiden besuchtesten Pässe, der Cumbre - Pass, unmittelbar neben dem Aconcagua, 12,000 Fuss hoch, und der Portillo - Pass, neben dem Maypu, 14,000 Fuss hoch. Beide sind durch die lehrreiche Schilderung von Darwin in dessen Geological Observations on South America (London 1846, 8.) ziemlich gut bekannt, von mir aber nicht besucht worden, daher ich über diesen Theil der Cordilleren nichts hinzufügen kann.

Der mittlere Zug mit den Vulcanen hat Porphyre zur Grundlage; auf der Grenze zwischen ihnen und der Kreideformation, woraus die östliche Seite der Cordilleren fast durchgehends gebildet ist, scheinen die jüngeren Eruptivstoffe emporgestiegen zu sein, welche sich gegenwärtig zu so mächtigen Kegelbergen aufgethürmt uns vorstellen. Auch diese Strecke des Gebirges habe ich nicht selbst untersuchen können, muss mich also weiterer Angaben über ihre Construction enthalten.

Es bleibt dann zwischen dem 32° und 33° S. Br. ein dritter östlicher Gebirgszug übrig, welchen die Bevölkerung bei Mendoza, zum Unterschiede von der Cordillera, ganz einfach die Sierra nennt und dadurch schon angiebt, dass sie einen mehr selbstständigen Charakter besitze. Darwin, der diese Strecke an einer Stelle untersucht hat, nennt sie The Uspallata - Range und ich füge dieser guten Bezeichnung nur den Namen des Erzgebirges von Uspallata (Sierra de las minas de Uspallata) hinzu, weil eben durch ihren Metallreichthum dieselbe allgemein im Lande bekannt geworden ist. Was Darwin von ihr sagt, hat an der Stelle, wo er beobachtete, grössestentheils seine Richtigkeit; man würde aber eine sehr verkehrte Vorstellung von dem ganzen Gebirge bekommen, wenn man es nach dieser localen Beschaffenheit zeichnen und für eine vulcanische Gruppe ansehen wollte; das ist das Gebirge nicht, es ist vielmehr ein förmliches Grauwacken-Gebirge, mit Porphyrdurchbrüchen und einer einzigen sehr grossartigen vulcanischen Eruption ziemlich in der Mitte, deren Abfluss nach Westen erfolgt ist. Warum Herr Foetterle dieses Gebirge für Granit ausgiebt, wie dies auf seiner geognostischen Karte von Süd-Amerika geschehen, weiss ich nicht; Darwin zeichnet zwar einen Granitstock darin auf, aber ob er ihn wirklich gesehen habe, möchte ich bezweifeln; mir ist kein Granit im ganzen Gebirge vorgekommen.

Während meines Aufenthalts in Mendoza habe ich das Studium dieser kleinen Bergkette zum hauptsächlichsten Gegenstande meiner geognostischen Beschäftigungen gemacht und, wie ich glaube, eine genügende Einsicht in ihre Beschaffenheit gewonnen; ich lege die Resultate meiner Wahrnehmungen hier nieder und beginne mit einer allgemeinen Formbeschreibung, wobei ich von Osten nach Westen in's Innere des Höhenzuges vorschreiten werde.

Bei der allgemeinen Ansicht von der Seite der Pampas her erscheint die Sierra als ein in wenig verschiedene buckelige Gipfel abgetheilter, von Süden nach Norden ausgedehnter Höhenzug, von dem viele ähnliche kleinere Aeste gegen die Pampas ausstrahlen, kleine enge Thäler zwischen sich fassend. Diese Seitenäste erniedrigen sich allmählich, und hören mit ziemlich sanft geneigten Abstürzen endlich ganz auf, unter dem mit groben Geröllen überdeckten Schuttlande an ihrem Fusse sich verlierend. Einer oder der andere dieser östlichen Seitenarme dringt etwas weiter in die Pampasebene hinein und verlängert sich wohl in einen sehr sanften, hügeligen Zug, den schon die Gerölle der Pampas bedecken; die meisten aber enden scharf. An ein paar Stellen sondert sich von der Spitze gegen die Pampas eine isolirte Kuppe ab und steht vereinzelt, etwas weiter als die übrigen Aeste, aus dem Schuttlande der Pampas hervor. Das Schuttland selbst ist noch nicht eben, sondern stark geneigt und aus unendlich vielen, mitunter grossen, sehr ungleichen, stark abgeriebenen Rollsteinen gebildet, die ein feiner Thonschlamm zu einem Ganzen verbindet. Grössere, zum Theil eckige Blöcke lagern darauf und zahlreiche Bachfurchen durchschneiden es; aber keiner von diesen bat beständig fliessendes Wasser, alle sind trocken und füllen sich nur zur Zeit des Regens oder im Frühjahr vorübergehend auf einige Stunden mit Wasser. Von grünenden holzigen Sträuchern, die entweder der Leguminosen- oder Myrtaceen-Familie angehören, ziemlich dicht bekleidet, bildet es aus der Ferne gesehen ein dicht buschiges Vorland, an welches die ganz ebene, fein erdige, busch- und gesteinlose Pampasflur sich anschliesst, noch dürftiger erscheinend als jene wasserlose steinreiche Wüste, der nur die zahlreichen, in ihr zwischen dem Gesträuch wurzelnden dicken Cactus-Formen mit ihren schönen, grossen, weissen oder fleischrothen und kleinen blutrothen oder gelben Blumen eine Art von Schmuck verleihen; ein Schmuck, der indessen durch die Dürftigkeit des Ganzen

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sehr herabgedrückt wird. Ebendieselbe Vegetation steigt an den Abhängen des Gebirges hinauf, so weit das Auge sie verfolgen kann; überall bilden zerstreute dunkelgrüne Myrthen mit scharfgezackten sehr kleinen Blättern und äusserst kleinblättrige, langstachelige Leguminosen die zerstreute Pflanzendecke der Abhänge, zwischen denen die hellen Blüthen der Cactus eben so weit hervorleuchten, wie der kahle graue Boden, in dem sie ihre Wurzeln schlagen.

Geht man in den engen und vielfach hin- und hergewundenen Thälern aufwärts, so findet man auch dort ganz dieselbe Scenerie wieder. Der schmale Grund des Thales ist eine Schuttschicht, die an den Seiten der Gehänge horizontal geschichtet emporsteigt und hier nicht selten zu festen Conglomeraten verhärtet ist, durch die Mächtigkeit, mit welcher sie an einzelnen minder durchwaschenen Stellen auftreten, von dem Alter Zeugniss ablegend, womit dieselben Prozesse hier von Statten gegangen sind. Einzelne gewaltige Conglomeratmassen sind von den hervorragenden Zacken des Thales herabgestürzt und lagern im Grunde gleich ungeheuern Trümmern zusammengestürzter cyclopischer Mauern. Neben ihnen hat der Strom der jüngeren loseren Schuttschicht seinen Weg genommen und von ihr zum Theil überfluthet ragen sie, gleich den Thurmtrümmern des Heidelberger Schlosses, aus dem umgebenden Schuttlande hervor. Diese meist groben Conglomerate, welche aus Bomben und Kanonenkugeln gebildet zu sein scheinen, fehlen der oberen Thalhälfte; hier findet man in der Regel nur lose Rollsteine und zwischen ihnen rieselt wohl hie und da ein spärlicher Wasserstreifen, welcher von einer Quelle an der Thalwand seinen Anfang nimmt, aber nicht leicht länger als eine Viertelstunde abwärts dauert. Keines dieser kleinen Wasser erreicht die geneigte Schuttebene am Fusse des Gebirges und noch viel weniger die eigentlichen Pampas; sie sind indessen von unschätzbarem Werthe für den Reisenden, trotz ihrer Kleinheit, denn ohne sie wäre es unmöglich, in das Innere des Gebirges vorzudringen. Der Boden der Thäler ist übrigens nicht stark geneigt, man reitet sehr allmählich auf ihm bergan, oft 4 bis 5 Leguas weit, und kommt erst ganz oben am Ende des Thales auf einen sehr steilen Abhang, der im Verlauf einer halben Stunde den Wanderer auf die Kammhöhe des Gebirges hinaufzubringen pflegt. Hier nimmt die Vegetation, bisher ziemlich dieselbe, fast ganz ab, namentlich fehlen die bisherigen Holzpflanzen, die Myrtaceen und Leguminosen, nachdem die Cactus sich schon auf halber Thalböhe verloren hatten, und eine fast ganz holzlose, nur mit dürrem Grase und niedrigen Gewächsen bekleidete Hochfläche, deren Gelände von buckeligen Höhen umfasst wird, tritt an deren Stelle. Es ist ein schmales Längenthal, welches sich auf dem Kamme des Gebirges hin

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zieht und von zwei Höhenzügen, die noch 500 bis 1000 Fuss über die Thalsohle emporragen, eingefasst wird. Auch dieses Längenthal ist ohne Wasser; kein Sumpf, kein See ladet in demselben zur Ansiedelung ein; ein Paar dürftige Lachen bezeichnen die Stelle, wo der Reisende sein Nachtlager nehmen muss, oft mit dem vor ihm angekommenen Vieh der benachbarten Estanzien um die Stätte streitend und indem er es verjagt sich ein ärmliches Lager bereitend. Das sparsame Wasser ist dann durch die einwatenden Thiere so trübe und schlammig geworden, dass man bis zum anderen Morgen warten muss, bevor es sich geklärt hat. So ging es auch mir, als ich den 7. Januar auf dieser Höhe bivouakirte und keinen Schluck warmer Nahrung mir bereiten konnte, weil eben das Wasser ungeniessbar war; wir schliefen ohne Thee und ohne Matte bei +4° R. während der Nacht und fanden am anderen Morgen, als wir endlich einen Theekessel voll reinen Wassers schöpfen konnten, dass es bei +75° R. in's Kochen gerieth. Demnach war die Höhe des Osuus über dem Meere auf mehr als 2000 Meter anzuschlagen, vielleicht auf nahe an 6500 Fuss. Rechnet man die noch um 1000 Fuss höheren benachbarten Gipfel hinzu, so dürfte die Höhe der höchsten Punkte der Sierra wohl auf 7500 Fuss zu setzen sein.

Der Weg, den ich svigte, führte mich durch einen grossen Theil dieses schmalen Längenthales auf der Kammhöhe des Gebirges hin und zeigte einen überall gleichen Charakter. Nackte Felswände, in den Laerthälern der gewöhnliche Anblick, waren nur selten zu sehen, meist von feinem Geröll überdeckte Kuppen und ein ebenes feinkörniges Schuttland im Grunde, das hier und da zu höheren, horizontal geschichteten Schutthügeln sich angesammelt hatte. Mächtige Umwälzungskatastrophen schienen hier niemals erfolgt zu sein, vielmehr ein sanfter, gleichförmiger Verwitterungsprozess die Berge geebnet und die Thalsohle zu ihrer jetzigen Höhe gebracht zu haben, meist nur von den temporär fallenden Regen befördert, die in dieser Region der Sierra ungleich häufiger vorkommen, als in dem heissen trockenen Blachfelde am Fusse derselben, welches von künstlichen Bewässerungsgräben durchfurcht wird. Schnee liegt hier viel während des Winters und selbst in den vom Längenthale nach Westen gegen die Cordilleren hinabsteigenden Querthälern hält er sich die ganze Winterszeit hindurch, zu einer 4 bis 5 Fuss hohen Decke auf der Thalsohle sich ansammelnd.

Die Querthäler, welche nach Westen vom Kammrande des Gebirges ausgehen, beginnen anfangs sehr steil und fallen schnell, daher ihre Sohle noch weniger geneigt ist, als die der Ostseite. Ihre Hauptrichtung ist etwas mehr südlich als westlich und ihr Charakter noch einförmiger. Es fehlt ihnen die Laubvegetation der Ostseite fast ganz, nur kleine Sträucher und ein sehr grosser dicker Cactus mit dichter

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