Imatges de pÓgina
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schen Gesellschaft auf diese Felsengruppe und ihre Klöster als auf einen Gegenstand aufmerksam gemacht, welcher die besondere Beachtung der nach Griechenland reisenden Gelehrten verdiene, und zwar namentlich in Betreff der erwähnten Handschriften und der geognostischen Beschaffenheit der Felsen. Diese Ermahnung hat, so viel ich weiss, bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. Es möchte daher nicht unnütz sein, die Aufmerksamkeit der Reisenden noch einmal auf jene interessante Stelle Thessaliens zu lenken. Wenn übrigens auch dieser Gedanke allein eine specielle Beschreibung der Meteoren nicht rechtfertigen sollte, so wird man doch wohl die angezeigte mehrseitige Wichtigkeit derselben als einen genügenden Grund für eine solche Beschreibung anerkennen. Diese ist in der nachfolgenden Darstellung mit aller möglichen Sorgfalt gegeben, und zwar nach den bekannten Berichten von Björnstähl, Cockerell (in Hughes Travels in Sicily, Greece and Albania), Hadschi Chalfa, Holland, Jones (in Hughes Travels), Leake, Pouqueville und Vaudoncourt, sowie mit Beachtung des Wenigen, was antike Schriftsteller über die Meteoren enthalten. Meines Wissens hat übrigens, ausser den angeführten Männern, kein neuerer Reisender diese Felsengruppe besucht und beschrieben. Andererseits sind die Berichte derselben bis jetzt noch nie zu einer allseitigen Darstellung der Meteoren mit einander verglichen und zusammengestellt worden.

Die Meteoren sind der Endpunkt eines Bergzuges, welcher auf der linken Seite des eine Stunde oberhalb Stagus in den Peneus mündenden Kachia - oder Kratzovo - Flusses liegt, und bei Vaudoncourt und Hadschi Chalfa den wohl mit der türkischen Benennung der Stadt Stagus in Beziehung stehenden Namen Kalaik führt. Sie liegen etwa nordnordwestlich von Stagus und beginnen unmittelbar hinter diesem Orte. Vom Peneus-Fluss sind sie etwa eine englische Meile entfernt. In Hinsicht auf die Ausdehnung und Figur des Terrains, welches sie einnehmen, stellt ihre gesammte Gruppe ein von Nordwest nach Südost gerichtetes, unregelmässiges, längliches Dreieck dar, dessen Basis der erwähnte Bergzug bildet und dessen Spitze der unmittelbar hinter Stagus emporsteigende höchste Felsen dieser Gruppe ist. Die beiden Schenkel des Dreiecks haben, so weit sich bei der Unregelmässigkeit der Aussenlinien dies bestimmen lässt, etwas mehr als zwei englische Meilen Länge. Uebrigens sind diese merkwürdigen Steingebilde die ersten Felsen, welchen man im Peneus - Thale von Trikala an aufsteigend begegnet. Auch sind sie von den anliegenden Höhen fast ganz getrennt.

Die Höhe der einzelnen Felsen ist sehr verschieden. Sie wechselt zwischen 80 und 300 Pariser Fuss; der höchste Felsen, der unmittelbar

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hinter Stagus hervorragende, ist sogar nach Holland 4- 500, nach Leake 5-600 engl. Fuss hoch. Die Mehrzahl hat nach Hadschi Chalfa's Ausdruck die Höhe eines Minarets, nach Holland eine mehr als 100 Fuss über das Peneus - Thal emporsteigende Höhe.

Ihrer Form nach sind die Meteoren meistens senkrecht abschüssige Felsen; sie steigen so perpendiculär aus dem Boden hervor, dass sie nach Pouqueville durch die symmetrische Beschaffenheit ihres Schnittes überraschen, oder dass, wie Holland sich ausdrückt, jede ihrer Seiten nicht durch die Natur, sondern durch Menschenhand gebildet zu sein scheint. Diese isolirten Steinmassen haben die Form von Pfeilern, Obelisken oder abgestumpften Kegeln. Einige bestehen nach Björnstähl auch aus einem grossen runden Felsen, welcher auf der Spitze eines anderen wie auf einem Pfeiler ruht. Zwischen ihnen, besonders in den an ihrem Fusse hineilenden Bächen, welche diesen fortwährend unterminiren, liegen Felsentrümmer, und der Gang von dem einen zum anderen ist theilweise nur durch einen weiten Umweg zu machen. Was die vegetabilische Bekleidung betrifft, so sind einige Felsen nackt, die anderen enthalten oben oder an einzelnen Stellen ihrer Seitenwände Gesträuche; auch der meist schmale Raum zwischen ihren Füssen bietet abwechselnd öde Stellen und Strauchwerk dar. Auch die Art, wie diese Felsen von einander getrennt sind, ist verschieden. Der höchste von ihnen, der Felsen dicht hinter Stagus, ist sogar selbst durch einen tiefen verticalen Riss in zwei Theile gespalten, und durch diesen unten schmalen Riss führt der Weg von Stagus nach dem auf der entgegengesetzten Seite des Felsens, 200 Fuss höher als Stagus gelegenen Dorfe Kastraki, welches auf drei Seiten von hohen Steinmassen umgeben ist, so dass der obere Theil desselben zur Winterszeit niemals von der Sonne beschienen wird. Jener Felsen hat übrigens bis zu zwei Dritteln seiner Höhe eine ganz gleichmässige, perpendiculäre Oberfläche, welche wie künstlich gebildet aussieht. Auf der Seite nach Kastraki bin, welche dieselbe uniforme Fläche darbietet, fällt die Basis des Felsens sogar innerhalb der perpendiculären Linie. Geht man von Kastraki in das Innere dieses Waldes von Felsen, so gelangt man nur auf Wegen, die sich zwischen ihnen hinwinden und mitunter im Zickzack steil ansteigen oder auch durch schmale und hohe Klüfte hinführen, von einem Felsen zum andern. Diejenigen zwei Felsen, deren Gipfel die beiden grössten Klöster tragen, stehen einander so nahe, dass man von diesen Klöstern aus über den tiefen sie trennenden Abgrund hin mit einander sprechen kann. Der eine dieser Felsen, der des Klosters Barlaam, erhebt sich als ein einziger colossaler Felsblock aus dem Boden empor; der andere, auf welchem das Kloster Meteoron stebt, ist aus zwei Felsmassen zusammengesetzt, von denen die obere wie ein senkrecht stehender Thurm auf der unteren aufsitzt. Der Gipfel ist bei manchen Felsen zugespitzt, bei anderen dagegen besteht er in einer kleinen Ebene. Diese hat auf dem Barlaam -Felsen einen Umkreis von 200 Ellen; beim Meteoron ist sie sogar noch grösser.

Ihrer geognostischen Beschaffenheit nach sind alle diese Felsen Agglomerations-Gebilde. Sie bestehen aus einem Aggregat von Kieseln und Steintrümmern aller Formen und Grössen, welche durch einen erdigen oder kiesigen (earthy or gravelly) Cement mit einander verbunden sind. Dieses Gebilde scheint von der Composition der anstossenden und benachbarten Gebirge ganz verschieden zu sein; denn in Stagus besteht das Mauerwerk aus Granitsteinen und dasselbe Gestein findet sich auch in den Rollstücken und Geschieben der dortigen Bäche. Das Agglomerat, aus welchem diese Felsen bestehen, hat keine grosse Festigkeit, und der Zahn der Zeit nagt daher stets zerstörend an ihnen. Von den Klöstern, welche auf vielen dieser Felsen erbaut worden waren, sind in Folge davon manche, ja vielleicht sogar die meisten verschwunden, andere sinken sichtlich ihrem Einsturze entgegen. Es wird sogar behauptet, dass eines oder zwei der noch von Björnstähl besuchten Klöster schon zu Pouqueville's Zeit, also etwa 40 Jahre später, nicht mehr da waren. Diese ganze Felsenmasse muss daher auch im griechischen Alterthum ein ganz anderes Aussehen gehabt haben. Daraus allein erklärt sich die sehr überraschende Erscheinung, dass in den Schriften der Griechen und Römer diese eigenthümlich gestalteten und noch dazu durch den Contrast ihrer Umgebungen höchst auffallenden Felsengebilde nirgends erwähnt werden. Ja, dieses Schweigen der Alten ist sogar selbst ein sicherer Beweis, dass die Meteoren erst nach der Zeit derselben ihre so sehr auffallende jetzige Gestalt erhalten haben. Oder wie würde es möglich sein, dasselbe anders zu erklären, da unsere Reisenden und unter ihnen Männer, welche viele Länder durchwandert hatten, bei der Beschreibung der Meteoren kaum Worte genug finden können, um den überwältigenden Eindruck ihres Anblickes zu bezeichnen? Cockerell z. B. sagt, zwölf Blätter Abzeichnungen könnten keine genügende Vorstellung von dem überraschenden Anblick dieser Felsen geben; und Björnstähl drückt sein Staunen sogar durch die Worte aus: „ Schwerlich findet sich auf der Erde eine Stätte, welche dieser gleicht, und die Meteoren-Klöster können mit Fug zu den Wunderwerken der Welt gerechnet werden.“

Diese Felsen dienen wegen ihrer Steilheit, Unzugänglichkeit und Einsamkeit den Griechen seit mehreren Jahrhunderten als religiöse Zufluchtsstätten und als Wohnsitze von Mönchen. Man hat nämlich auf einem Theile der Gipfel Klöster erbaut, und ausserdem auch in den Höhlungen der Seiten Einsiedeleien und Kapellen angebracht, sowie hier und da Treppen ausgehauen und absatzweise Terrassen angelegt. Die Zahl dieser Felsenklöster betrug, nach der Versicherung der Griechen, einst 24 oder gar 80; sie ist aber durch den Einsturz mancher Felsen nach und nach immer mehr reducirt worden, und es giebt jetzt nur 7 bis 10 Klöster, welche bewohnt sind. Holland führt folgende als noch bewohnt an: Meteoron (oder Meteora), Aio Stefano, Barlaam, Aia Triada, Aio Nikolo, Rosaria (Russami oder Orsami) und Aia Moni. Von dem Letzteren sagt aber Leake, welcher zehn Jahre früher als Holland die Meteoren besucht hat, dass es verlassen sei. Jones führt folgende neun als noch bestehend an: Meteoron, Psylotera, Aia Triada, Aio Stefano, Rosaria, Aio Nikolo, Aia Moni, Aio Pneuma und Panagia. Björnstähl, welcher der Durchforschung dieser merkwürdigen Stätten fünf Wochen widmete, hat folgende noch bewohnte besucht: Meteoron, Aio Stefano, Barlaam und Aia Triada. Rosaria und Aio Nikolo fand er ebenfalls noch bewohnt, Psylotera aber und Aio Prodromo verlassen und theilweise in Trümmern liegend. Auch von den noch bestehenden wird versichert, dass sie wegen der geringen Solidität der Felsen sichtlich ihrem Verfalle entgegengehen. Die Zahl der Bewohner dieser Klöster ist gering. In Meteoron, dem vornehmsten und grössten von allen, fand Björnstühl, welcher 17 Tage in demselben zubrachte, fünfzehn Mönche und eben so viele Laienbrüder, Leake zwanzig Mönche und die gleiche Zahl von Laienbrüdern. Barlaam, das nächst Meteoron bedeutendste Kloster, enthielt zur Zeit des ersteren Reisenden 9 bis 10, zur Zeit des letzteren 5 bis 6 Mönche, Aia Triada aber zu jener Zeit 8, zu dieser ebenfalls 5 bis 6. Auf Rosaria waren, als Leake die Meteoren besuchte, 2 bis 3, auf Aio Nikolo 5 bis 6 Mönche. Die Gesammtzahl der Mönche aller Klöster giebt Pouqueville zu 40 an. Manchmal vermehrt sich die Zahl der Bewohner dieser Klöster; denn sie dienen einestheils der türkischen Regierung als Staatsgefängnisse für griechische Geistliche, und anderntheils den Griechen der Umgegend als Zufluchtsstätten in unruhigen Zeiten. Björnstähl fand z. B. auf Barlaam nicht nur einen servischen Erzbischof, welchen die Pforte drei Jahre früher dorthin verbannt hatte, sondern auch viele Leute, die sich vor den Unruhen dorthin geflüchtet batten. Uebrigens hat von diesen Klöstern die benachbarte Stadt Stagus, welche bei den Türken Kalabak heisst, ihren griechischen Namen; denn dyioi d. i. heilig werden bei den Griechen die Mönche genannt.

Die Klöster sind meistens nur durch künstliche Mittel zugänglich. Diese bestehen theils in Leitern, welche an der Felsenwand anliegen und hinaufgezogen werden können, theils in Seilen, welche an ihrem einen Ende einen Haken mit einem Netze haben, an dem andern aber über eine Winde gehen. In das Kloster Aio Stefano führt eine Zug

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brücke, die in bedenklichen Zeiten aufgezogen ist. Die Leitern und Seile sind an derjenigen Seite des Felsens angebracht, an welcher dieser seine geringste Höhe hat. Bei Meteoron und Barlaam, welche zu den höchsten dieser Felsen gehören, ist in Folge davon das Aufsteigen mit dem Seile oder der Leiter nicht sehr hoch. Doch gebrauchte Björnstähl, um vermittelst des Seiles hinaufzugelangen, beim ersteren gegen vier, beim zweiten gegen fünf Minuten. Beide Arten des Aufsteigens sind, wie sich denken lässt, nicht ungefährlich. Die Winde für das Seil befindet sich in dem unteren Theile eines Vorbaues der Klostergebäude; das Netz aber, in welches der Hinaufzuziehende sich setzt, wird über dessen Kopf zusammengezogen und dann in einen starken Haken eingehängt.

Ueber die Zeit der ersten Entstehung dieser Klöster ist man nicht im Klaren. Die Bewohner der Klöster zeichnen sich, wie in der Regel die griechischen Mönche, durch ihre Unwissenheit aus, und geben daher über jenen Punkt nur unzuverlässige Sagen. Die Inschriften aber, welche in den Klöstern sich finden und Zeitangaben enthalten, sind theils nicht mehr ganz sicher zu lesen, theils, wie es scheint, nicht von altem Datum, so dass ihre Aussagen nicht genügen. Nach der Erzählung der Mönche hätte schon in sehr früher Zeit ein Eremit, Namens Athanasius, auf dem Felsen des Meteoron sich eine Einsiedelei errichtet. Einer Inschrift nach würde das älteste dieser Klöster, das von Aio Stefano, von einem gewissen Jeremias im Jahre der Welt 6001 d. h. nach der griechisch-christlichen Zeitrechnung im Jahre 493 nach Christo erbaut worden sein; die Buchstaben dieser Inschrift sehen aber bei Weitem nicht so alt aus. Das nächstälteste Kloster, das von Meteoron, wurde im vierzehnten Jahrhundert gegründet. Björnstähl erhielt nämlich von dem Prior desselben die Auskunft, Herzog Johannes von Trikala, ein Prinz aus dem Hause der Paläologen, welcher unter dem Namen Joasaph Mönch geworden sei, habe 6889 der Welt (1381 n. Chr.) das Kloster Meteoron gestiftet. Er selbst las zwar in zwei an der Kirche dieses Klosters angebrachten Inschriften, dass dieselbe 7053 der Welt (1545 n. Chr.) gebaut sei; Leake aber, dem man in Hinsicht auf Inschriften volles Vertrauen schenken kann, versichert nicht nur dass die Lettern der an der Kirche befindlichen Inschrift undeutlich seien, sondern dass sie ihm auch die Zahl 6896 (d. i. 1386 n. Chr.) zu enthalten schienen. Das Kloster Aia Triada ist nach einer Inschrift an der Kirchenmauer im Jahre 6984 der Welt (1476 n. Chr.) von dem Mönch Nikodemus gestiftet worden '). Die Gründung des

n.

) Woher Pouqueville die von ihm gemachte Angabe, dass Aia Triada 1456 durch Joasaph's Schwester (Maria Paläologa) erbaut worden sei, genommen hat, ist unbegreiflich. Er selbst hat keines der Meteoren - Klöster besucht.

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