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stieg es plötzlich bei dem Fort Peroffsky bis zu 6 Fuss 4 Zoll über den Nullpunkt '); es hatte Zeit, durch den Abfluss in den Kara-Ouziak wieder zu sinken, während es unterhalb des Forts No. 2 noch stieg, so dass bei uns, am Fort No. 1, die gröfseste Höhe (sie betrug damals nicht über 2 Fuss 6 Zoll) am 16. Juli stattfand, während an demselben Tage das Wasser am Fort Peroffsky schon bis 3 Fuss 7 Zoll gefallen war.

In den Jahren 1854 und 1856 betrug die Anschwellung des Syr bei dem Fort No. 1 51 Fuss über Zero oder Nullpunkt und blieb so von Mitte April bis Mitte August (alten Styls) fast ohne Wechsel.

In den Epochen des Gefrierens und des Eisganges finden plötzliche und locale Anschwellungen statt, die durch die Eisanbäufung in den Serpentinen des Flusses oder an seinen Mündungen bedingt werden. In der Mitte des Winters und zumal bei starkem Frost steigt das Niveau des unteren Syr höher als im Sommer, weil nämlich die seichten Delta - Arme sowie das Wasser seiner flachen Stellen zum Theil sich in Eis verwandeln, wodurch der freie Abfluss des Wassers gehemmt wird. Es sinkt wieder, wenn es die Haupt- Abzugscanäle unter dem Eise allmählich erweitert und vertieft hat, und beim Beginn des Thauwetters. Im Winter gehen diese Niveau-Veränderungen stets allmählich vor sich, ohne plötzlichen Wechsel; sie finden, wie ich oben bemerkte, nur im unteren Theile des Syr statt, und ihr Einfluss reicht nicht einmal bis zum Fort No. 2 hinauf.

Vor dem Eisgange dieses Jahres war die Kälte von Mitte Januar bis Ende März (alten Styls) sehr heftig, und das Wasser war bei dem Fort No. 1 bis zu 6 Fuss 10 Zoll gestiegen, während dasselbe bei dem Fort No. 2 und zu Peroffsky stets auf Zero stehen geblieben war.

Das Klima am Ufer des Syr ist, so weit meine Beobachtung reicht, ein extremes: im Sommer tropische Hitze bis zu 30° R. im Schatten, und im Winter Kälte bis – 27° R. Die Winde wehen fast unaufhörlich aus nördlichen Himmelsstrichen und sind fast immer ziemlich heftig. Der Mangel an Wäldern und die grossen Ebenen bedingen vorherrschende Trockenheit; Schnee und zumal Regen sind sehr selten. Ungeachtet der Schilfwälder, welche die Ufer des Syr, wie die der Seen und Moräste bedecken, erzeugen die Ausdünstungen bei der grossen Hitze doch keine bösartigen Fieber; die Miasmen, welche aus dem faulenden Schilfe entstehen, werden durch die Winde verwebt.

Im Winter 1848 — 1849, den ich zu Koss - Aral an der Mündung

') Zur Feststellung des Zero oder Nullpunktes für unsere gleichzeitigen Beob. achtungen der Niveau - Veränderungen des Syr bei den Forts No. 1 und Peroffsky babe ich den niedrigsten Wasserstand des Flusses vom Jahre 1854 an beiden Stellen gewählt.

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des Syr verlebte, fand der erste Frost am 20. October (1. Nov.) statt; er war so heftig, dass er in einer Nacht alle stehenden Wasser und alle Wasserrinnen mit ziemlich festem Eise überbrückte; der Strom selbst gefror erst am 26. Nov. (8. Dec.). Den ganzen Winter hindurch war häufiges Schneegestöber, und zwei Wochen lang hielt sich die Kälte zwischen —20° und — 23° R. Die Eisdecke war 2 Fuss 4 Zoll stark. Das Eis an der Mündung setzte sich am 1. April in Bewegung. Im Jahre 1852 fror der Fluss am 18. Novbr. zu und brach bei Raïme den 20. März (1. April) 1853 auf. Ueber einen Monat hindurch betrug die Kälte zwischen - 18° und - 26° R. Die Dicke des Eises am Fort Aralsk war 3 Fuss 2 Zoll. Der Winter 1854 — 1855, den ich im Fort No. 1 zubrachte, war dagegen sehr milde. Das Eis stand erst am

o Novbr. fest, aber eintretendes Thauwetter setzte es wieder in Bewegung und erst am 27. Dec. (8. Jan.) kam es zum zweiten Male zum Feststehen. Der Eisgang fand am jó. März 1855 statt. Nur in einer Nacht fiel das Thermometer auf -21° R. Sonst betrug die strengste Kälte, die vier Tage anhielt, nicht über — 14° R. Schnee fiel selten und nicht anhaltend, und thaute schnell weg.

Wabrscheinlich war auch sehr wenig Schnee in den Bergen gefallen, welche den oberen Syr umgeben, denn im Sommer 1855 war das Wasser des Flusses ungemein niedrig. Bei dem höchsten Wasserstande am Fort No. 1 stieg es nur 2 Fuss 6 Zoll über Zero, während es in den Sommern 1854 und 1856 bis zu 5 Fuss 7 Zoll anschwoll.

Die Fische im Syr sind: der Stör mit spitzer Schnauze oder esturgeon bâtard (wohl Accipenser hugo, die Bjeluga), der Wels (Silure), Karpfen, der Sandet (Zander?), Brassen, der Hecht, der Kaulbarsch, die Karausche (carasson?), und einige kleinere Sorten.

An den Ufern des Syr, in der Nähe der bewohnten Aoûls der Kirghisen, zumal in der Winterzeit, streifen Tiger von derselben Grösse wie der bengalische Tiger umher; jedes Jahr werden deren einige erlegt. Gewöhnlich bringt man an dem vom Tiger erwürgten Pferde oder Ochsen mehrere Selbstschüsse an, die das Raubthier, wenn es zur Beute zurückkehrt, von verschiedenen Seiten treffen müssen, und nur selten entgebt es dieser List. Auch greift man sie in offenem Felde, durch Treibjagen in den Schilfwäldern an, in denen sie hausen, oder ein Paar kühne Jäger gehen gemeinsam auf sie los. Wir hatten hier im Fort No. 1 einen Kalmüken von der Truppe der Uralischen Kosaken, mit Namen Mantyk, der in drei Jahren allein 8 Tiger erlegt hat; die Jagd war ihm zur wahren Passion geworden, bis er von dem letzten dieser seiner Feinde grausam verletzt wurde. Diese Tigerjagden sind nicht Liebhaberei, sondern Nothwendigkeit, um diese Bestien auszurotten. Derjenige, den wir am Koss - Aral im Jahre 1848 erlegten,

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hatte zwei Kirghisen aufgefressen, vier Kühe, ein Pferd und eine Anzahl von Schafen erwürgt. Die dichten Schilfwälder am Syr und die Moräste, die er anfüllt, dienen auch einer grossen Menge von wilden Schweinen zum Asyl; in der nahen Steppe umher sind Wölfe, gemeine Füchse und Corsaks (d. i. Steppenfüchse), Hasen, in Erdhöhlen Marmotten und Erdhasen (gerboises).

Unter den Vögeln am Syr sind die Fasane den Anwohnern die liebsten, die sich in dem Schilfe, den Gebüschen der Djida und der Rankengesträuche in der Nähe der Culturfelder aufzuhalten pflegen. Auch Zugvögel sind da, wie Schwäne, Gänse, Enten, Pelicane, Cormorane, Seemöven, Seeschwalben, Störche, Rohrdommeln, Löffelreiher, Schnepfen, Staare, Schwalben, Beutelmeisen (remix), und viele andere kleine, sehr nette Vögel, deren Namen mir unbekannt geblieben. Von Raubvögeln finden sich Adler von verschiedener Grösse (Berkoutes genannt), Geier, Falken, Eulen u. s. w.

Zu den beachtenswerthesten Insekten gehören die Scorpione, Taranteln, Afterspinnen (Phalangium), im Sommer die Myriaden von Mücken, und Flöhe, die in Unzahl im feinen Thonstaube der Wohnungen erzeugt werden. Die Erndten und die Gemüse werden häufig von Heuschrecken-Schaaren zerstört, die sich permanent in den Umgebungen des Forts Peroffsky aufhalten; sie nagen selbst das Schilf bis auf den Stiel auf. Sie werden von kleinen Vögeln, Tourgaïki genannt, verfolgt, die aus Bokbara kommen und grosse Verwüstungen unter ihnen anrichten. Im Frühjahr 1855 hatten sich diese Tourgaïki ihre Nester in den Haufen der Rankengewächse erbaut, die man zum Verbrennen vorbereitet hatte. Im Sommer, nach dem Auskriechen ihrer Jungen aus den Eiern, als die Heuschrecken schon ziemlich weit weggezogen waren, sah man diese Vögel in grossen Schwärmen, zweimal des Tages, den Heuschrecken nachziehen und sie verfolgen, worauf sie jedesmal zu ihren Nestern mit einer Heuschrecke im Schnabel zurückkehrten ').

Der Syr, im eigentlichen Sinne, ist überall so lange schiffbar, bis er von Eis überbrückt ist, der Yaman-Dariah nur bei Hochwasser. Im Delta, zumal zunächst der Mündung, wo das Niveau des Syr sich nicht ändert, ist das Fahrwasser im Frühjahr und während der Sommeranschwellung tiefer, als im Herbst, wo sein langsamer Lauf auch dem Schlamme viel leichteren Niederschlag gestattet. Kirghisen - Steppe Fort No. 1 am Syr Dariah, den 9. November 1857.

Alexis Bouta koff.

der

') Sollte Tourgaïki vielleicht der Smúrmur der Syrier, Turdus rosens , Heuschreckentödter sein? Allgem. Erdkunde Thl. XVII, 2. Abth., 8. 1127.

Nachtrag

St. Petersburg, den 7. Januar 1858. Unmittelbar nach Beendigung dieser Notiz über den Syr Dariah wurde ich aus der Kirghisen-Steppe in Dienstgeschäften nach St. Petersburg berufen, wo ich von Herrn Savitch, dem Akademiker, die Länge des Forts No. 1 erhielt, die er aus meiner Observation des Endes der Sonnenfinsterniss vom 15. Sept. 1857 berechnet hatte.

Nach dem Calcül des Herrn Savitch folgt hier die Länge der Südost - Bastion des Forts No. 1 östl. von Greenw., indem er meine Observation der Sonnenfinsterniss verglichen hat mit den Beobachtungen zu

Koursk 4" 8" 21,8'
Tiflis 4 8 22,6

Poulkovo 4 8 22,5
Das Mittel ist 4h 8 22,3

62° 5' 34,5" östl. Länge v. Gr. Die Rectification meiner, im Jahre 1855 am Ufer des Syr gemachten astronomischen Beobachtungspunkte, die chronometrisch an die des Herrn Lemm von 1846 angeschlossen waren, sowie meine Longitüden der Punkte am Aral - Meere, die an Koss - Aral (dessen Länge schon 1849 durch Monddistanzen bestimmt war) angeschlossen wurden, geben uns nun folgende Resultate:

Longitudo Astronomische Punkte

Latitudo, Nord

östl. von Greenw.

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I. An den Ufern des Syr Dariah. Fort Peroffsky, Bastion SW.

44° 50' 46" 65° 27' 24" Ruinen von Koumyche - Kourgan

44 52 1 64 49 48 Ruinen von Tchim - Kourgan

45 1 53 64 43 13 Fort No. 2

45 29 9 64 4 24 Ak-Djar, Kirghisen - Grab

45 35 57 63 10 15 Fort No. 1, Bastion SO

45 45 32 62 5 34 Raime, Südspitze

46 4 19 61 42 34 Koss - Aral, altes Fort .

46 1 18 60 59 13 II. An den Ufern des Aral - Meeres. Grabmal Ak - Djoulpass

46 41 32 61 44 29 Einfluss des engen Armes (crique) TchoubarTaraoûss.

46 44 42 60 28 25 Ouzoun-Khaïr, Südspitze der Halbinsel Koulandy | 45 46 3 59 15 11 Ak- Toumsouk, kleiner Crique des Oust-Ourt 44 36 2 58 16 14 Ak-Souate, Südwest-Ecke des Aral - Meeres 43 42 41 58 19 Insel Nicolas I., Südbay

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44 59 5 59 14 20 Insel Bellingshausen, Mitte

44 35 35 58 53 37 Insel Yermoloff, Südost-Ecke des Aral - Meeres 43 43 23 60 15 56 Cap Kourgan - Sandane

44 52 43 61 44 11 Alexis Boutakoff.

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IX.

Mittheilungen aus Algerien.

Von Dr. L. Buvry.

Die östliche Sahara der Regentschaft Algerien.

Vorwort. Wie überhaupt in manchen, Europa fern liegenden Gegenden die Natur ihre schönsten und mannichfaltigsten Gaben über einen verhältnilsmässig nur engen Raum ausgestreut und in diesem ihren unerschöpflichen Reichthum zusammengedrängt hat, so bieten auch die Atlasländer und insbesondere Algerien in seinen hohen, von nackten Kalksteinfelsen eingeschlossenen reizenden Thälern, sowie in den jenseits des südlichen Höhenzuges liegenden Oasen solche anmuthige, an Naturschönheiten wunderbar reich ausgestattete Plätze in Menge. Vorzugsweise sind es die Oasen, welche in den südlichen Gegenden den Reisenden mit dem Zauber ihrer Anmuth überraschen und fesseln und dem Spiele seiner Phantasie überreiche Nahrung gewähren. Die ausserordentliche Ueppigkeit der Vegetation, namentlich das massenhafte Auftreten der auf dem Littorale seltenen Palme, deren lichtgrüne Kronen sich zu einem dichten Dache über dem Wanderer wölben, versenken sein Herz, wenn er diese Gegenden zum ersten Male betritt, in ein geheimnissvolles, andächtiges Staunen; denn hier tritt ihm die Majestät und Allmacht des Schöpfers unmittelbar entgegen und ergreift sein ganzes Wesen um so mehr, als er sich wie durch ein Wunder aus der grenzenlos weiten, einförmigen Ebene der Wüste plötzlich und ohne jeden stufenweisen Uebergang mitten in dieses Paradies versetzt sieht. Zwar das lehrt ihn der Augenschein, dass die Ursache der überraschenden Erscheinung in der reicheren Bewässerung dieser bevorzugten Stellen liegt; aber unwillkürlich fragt er sich: Wie ist es möglich, dass so bedeutende Süsswassermassen an einzelnen Punkten der Sahara sich ansammeln konnten? Trotz der mühsamsten und unermüdlichsten Forschungen, trotz alles aufgebotenen Scharfsinnes hat man es doch nicht weiter gebracht als zu hypothetischen Erklärungen dieser Erscheinung, ja man vermochte nicht einmal den Ursprung des Wortes „Oase“ zu ermitteln, wie man eben so wenig eine etymologische Ableitung des Namens „Sahara“ zu finden im Stande gewesen ist. Das Gleiche lälst sich von den „Ziban“ (die Mehrheit von „Zab“) sagen, einem Stamme, bei welchem sowohl die Bedeutung des Namens, als auch sein Ver

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