Imatges de pÓgina
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unsere Betrachtungen die III. Scene des 1. Aktes. Leartes und Ophelia“.

Enter Leartes and Ofelia.

LEART. My necessaries are inbarkt, I must aboord,

But ere I part, marke what I say to thee:

I see Prince Hamlet makes a shew of love

Bware Ofelia, do not trust his vowes,

Perhaps he loves you now, and now his tongue,

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Speakes from his heart, but yet take heed my sister,

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OFEL. Brother, to this I have lent attentive eare,

And doubt not but to keepe my honour firme,

But my deere brother, do not you

Like to a cunning Sophister,

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Teach me the path and ready way to heaven,

While you forgetting what is said to me,

Your selfe, like to a careless libertine

Doth give his heart, his appetite at ful,

And little recks how that his honour dies.

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LEART. No, feare it not my deere Ofelia,

Here comes my father, occasion smiles upon a second leave. Auch sie ist im alten Terte um 30 Verse kürzer als im neuen (22: 52). Wir können hier, wie Sie aus der angefügten Abschrift der Scene des alten Tertes ersehn werden, mit größerem Rechte von Versen sprechen, als anderswo; denn diese Unterredung ist in metrischer Hinsicht correkter abgedruckt, als viele andere. Auch in anderer Beziehung läßt sie weniger zu wünschen übrig. Nur ein auffallender Druckfehler (the Chariest anstatt the chastest) findet sich in ihr. Ich bin sehr geneigt zu glauben, daß uns hier auch im Einzelnen des Dichters erstes Werk treu wiedergegeben ist. Wollte er uns nichts weiter vor die Augen stellen, als eine trauliche Unterredung

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der beiden Geschwister bei ihrem Abschied unter den allgemeinen Umständen ihres Lebens und ihrer Umgebung, so ist diesem Bedürfnisse mit diesen wenigen Zeilen vollständig genügt. Nach einer späteren Auffassung der gesammten Verwickelung war seine Intention auf ein bei Weitem ausgedehnteres Ziel gerichtet; daher die späteren Erweiterungen und Zusäße, daher der größere Antheil an der Unterredung auf der Seite des Bruders, während hier Ophelia fast eben so viel spricht als jener. Diese Betrachtungen, deren Ausführung einem späteren Abschnitte vorbehalten bleiben muß, sind mir wichtiger, als der größere Glanz und Reichthum der poetischen Ausschmückung an sich selbst. Nach Ch. Knight's Aeußerungen könnte es fast scheinen als ob er darauf den höchsten Werth lege.

Noch muß ich hinzufügen, daß ich, so weit mein Urtheil in dieser Hinsicht gehn darf, in diesem kleinen Bruchstück Shakspere's eigenthümlichen Versbau wieder zu erkennen glaube. Ich halte es für keinen Fehler, daß 1 einen zwölffüßigen Jamben bildet und daß 14 und 15 nur acht Silben haben. Im Beginn der Rede ist der längere Vers nicht unnatürlich und kommt, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, bei Shakspere zuweilen vor. Die kürzeren Verse vertheidigen sich hier, mindestens zum Theil nach einer Gewohnheit, welche Coleridge mit großer Feinheit bei Shakspere bemerkt hat. Er liebt es nämlich an solchen Stellen, wo durch den Inhalt eine kleine Zögerung der Rede oder eine kurze Pause geboten ist, den fünften Fuß im Verse fehlen zu lassen, gleich als ob sich derselbe durch den kurzen Halt in der Nede in Gedanken erseßte. Dieß trifft vollkommen zu in 14 und es würde daher nur 15 ohne Vertheidigung bleiben, wenn er derselben bedürfen sollte. Im Uebrigen haben alle Verse ihren guten Rhythmus mit Ausnahme des 22, der möglicher Weise als Prosa geschrieben war.

Ich übergehe nun die zunächstfolgenden Scenen, weil sie nur unwesentliche Verschiedenheiten zeigen und wo diese vorkommen, in der Regel weit eher auf eine Nachlässigkeit in der Niederschrift oder im Abdruck als auf ein von dem späteren

abweichendes Original schließen lassen. Zunächst verdient unsere Aufmerksamkeit die erste Scene des II. Aktes zwischen Ophelia und ihrem Vater. Im heutigen Tert tritt diese nach dem Abgange Reynolds auf und erzählt mit den Ausdrücken der heftigsten Erschütterung, daß, während sie mit Nähen in ihrem Zimmer beschäftigt gewesen, Hamlet bei ihr eingetreten sei und alle Spuren einer völligen Geisteszerrüttung an sich ge= tragen habe. Nach dem alten Terte hat diese Begegnung nicht in Ophelias Zimmer, sondern in einer Gallerie Statt gefunden, als sich Ophelia in derselben erging. Sie erscheint daher nicht wie durch Hamlets Absicht, sondern wie von einem Zufall veranlaßt. Bei den vielen Bemerkungen und Betrachtungen darüber, daß Hamlet seine Rolle des Wahnsinns gerade bei Ophelia zu spielen beginne, werden Sie diese Abweichung nicht für unbedeutend halten. Ueberdieß gehn dem Berichte Ophelias über die Zeichen von Hamlets Wahnsinn acht Verse voraus, welche sich im späteren Terte nicht finden.

OF. O my deare father, such a change in nature,

So great an alteration in a Prince,

So pitiful to him, fearefull to mee,

A maydens eye ne'er looked upon.

COR. Why what's the matter my Ofelia?

OF. O young Prince Hamlet, the only floure of Denmark

Hee is bereft of all the wealth he had,

The Jewel that adorn'd his feature most

Is fileht and stolne away, his wits bereft him,

He found mee walking in the gallery all alone
There come hee to me &c. &c. &c.

Auch in diesen acht Versen kann ich nichts entdecken, was Shakspere nicht selbst geschrieben haben könnte. Selbst der unvollständige vierte Vers ist nicht gegen seine Gewohnheit. Darüber wird man wohl nicht zu streiten brauchen, daß sie weder einer Nachhülfe nach dem Gedächtniß, noch dem Beistande eines untergeordneten Schriftstellers zugeschrieben werden können. Die Empfindungen, welche sie aussprechen, stehen in vollkommen richtigem Verhältniß zu Ophelias Charakter. Dagegen ist es

fraglich, ob dieselben hier ganz an ihrem Plaze waren? Ich sollte meinen, daß das Bild derjenigen Ophelia, die hier genug gesammelt ist, um diese Empfindungen auszusprechen, ein' anderes ist als derjenigen, die im neueren Terte nur noch für ihren Schreck und die äußere Veranlassung desselben Worte hat.

Die zunächst wichtigste Abweichung des Druckes von 1603 von allen späteren Ausgaben ist der völlig verschiedene Zusammenhang, in welchem der viel besprochene Monolog,,Sein oder nicht sein“ mit den anderen Scenen steht. Nach der von den meisten Herausgebern gemachten Eintheilung nimmt er in der 2. Scene des III. Aktes die zweite Stelle ein und folgt auf die Unterredung, welche beim Beginn dieser Scene zwischen dem König, der Königin, Polonius, Rosenkranz, Guildenstern und Ophelia Statt findet. Er steht also nach den Unterredungen, welche Hamlet im II. Akt mit Polonius, dann mit Rosenkranz und Guildenstern und endlich mit den Schauspielern gehabt hatte, und wird daher von Hamlet geraume Zeit nach dem Momente gesprochen, wo er den Gedanken gefaßt hatte, das Gewissen des Königs durch eine dramatische Darstellung zu erschüttern oder zu prüfen. Hier geht er allen diesen Scenen voraus und schließt sich unmittelbar derjenigen an, in welcher die aus Norwegen zurückgekehrten Gesandten ihren Bericht abstatten, und dann Polonius den König und die Königin von dem Wahnsinn des Prinzen unterrichtet. Die Betrachtungen, welche Hamlet hier anstellt, fallen also nach dem alten Druck in eine Zeit, zu welcher in seinem Gemüth eine der bedeutendsten Bewegungen noch nicht eingetreten war. Ob diese Anordnung, wie Hunter meint, der späteren Umstellung des Selbstgespräches an seinen jezigen Platz vorzuziehen sei, kann vor der Hand noch nicht besprochen werden. Doch werden Sie, so wenig als ich selbst, dieselbe für gleichgültig in Bezug auf das Gesammtbild von Hamlets Gemüthsbewegungen und Zuständen halten. Sollte diese Umstellung bei der begreiflicher Weise die unmittelbar folgende Unterredung zwischen Hamlet und Ophelia zugleich mit versezt werden mußte, wie Collier

meint, in der That von einem sorglosen Nachschreiben bei der Aufführung herrühren können? Wer vermöchte dieß zu glauben? Wollte man das Unwahrscheinlichste für möglich halten, so könnte man wenigstens den unberufenen Urheber dieser tiefeingreifenden Veränderung nicht für völlig sorglos halten, da er dafür gesorgt hatte, daß Ophelia, deren Gegenwart bei diesem Monolog unentbehrlich war, schon der vorhergehenden Scene beiwohnt und daher von ihrem Vater an den Hof des Königs mitgenommen wird, als er sich dahin begiebt, um über Hamlets Geisteszerrüttung Bericht abzustatten. So hängt Eins an dem Andern und man müßte, um das annehmen zu können, dem unberechtigten Corrigenten dieser Ausgabe hier eine Aufmerksamkeit zutrauen, welche er an keiner andern Stelle bethätigt hat.

Allerdings erscheint der ältere Tert des Monologs im Vergleich mit dem, was er in der späteren Bearbeitung ist, so unvollkommen, daß man auch hier in Versuchung kommt zu fragen, ob diese Fassung von Shakspere selbst herrühren könne.

To be or not to be, I there's the point,

To Die, to sleepe, is that all? I, all:

No, to sleepe, to dreame, I, mary there it goes,
For in that dreame of death, when wee awake,

And borne before an everlasting Judge

From whence no passenger ever return'd,

The undiscovered country, at whose sight

The happy smile, and the accursed damn'd.

But for this, the joyfull hope of this,

Whol'd beare the scornes and flattery of the world,

Scorned by the right rich, the rich curssed of the poore?

The widow being oppressed, the orphan wrong'd,

The taste of hunger, or a tirants raigne,

And thousand more calamities besides,
To grunt and sweate under this weary life,
When that he may his full Quietus make,
With a bare bodkin, who would this indure,
But for a hope of something after death?

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