Imatges de pÓgina
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einander scheidet. Es gehören zu ihr 8700 Hectaren fruchtbaren Landes. Di mittlere Temperatur des Jahres beträgt 13°,6 R., die des Winters 5°,8, die de Sommers 22,8; die Ebene liegt 3000 Fufs über dem Meeresspiegel; die Regen. menge betrug 505 Millimeter im J. 1853; die Luft ist im Sommer sehr trocken. Wenn die Sterblichkeit ziemlich hoch ist, so liegt der Grund in der ungesunden Lage der Stadt, die von Sümpfen umgeben und von hohen, den Luftzug hindernden Gebirgen eingeschlossen ist.

Herr W. Rose sprach über seinen Besuch des Engadin im Laufe des verflossenen Sommers. Dieses 20 Stunden lange Thal, dessen Sohle sich bis 5600 Fufs über den Meeresspiegel erhebt, zählt etwa 9000 Einwohner romanischer Abkunft. Sein Hauptreichthum besteht in seinen Wiesen, über denen sich schöne Lärchenwälder erheben. Unter den das Thal einschliefsenden Gebirgen gewährt der Piz Languard (10,053 Fufs hoch) bei Pontresina eine besonders ausgedehnte Umsicht. Die Schneegrenze steigt an einigen Orten bis 10,000 Fufs empor; in Bevers beträgt die mittlere Jahrestemperatur noch +2° R. Die Höhe der resp. 5587 Fufs und 5510 Fufs über dem Meere liegenden Ortschaften Silva Plana und Sils wird indessen noch durch das im Averser - Thale liegende Cresta (6055 F.) übertroffen; dieses ist das höchste Pfarrdorf Europa's.

etwa

Herr Gener. Baeyer hielt im Anschlufs an die Schrift: „Die Meliorationen der Tuchelschen Haide, von Haffer, Regierungs-Rath in Marienwerder", einen Vortrag, in welchem er seine eigenen Beobachtungen über den genannten District mittheilte. Die Tuchelsche Haide, von Brahe und Schwarzwasser durchflossen und im Norden von dem pommerschen Höhenzuge eingeschlossen, umfasst ein Areal von c. 60 Quadratmeilen, dacht sich sehr wenig nach Süden ab und bildet eine Terrasse, die von Randhügeln eingefafst ist, welche den Lauf der Brahe nach Osten lenken. Die atmosphärischen Niederschläge auf diesem Terrain sind sehr bedeutend; davon wird aber nur ein verhältnifsmässig geringer Theil, die Hälfte, durch die Flüsse wieder abgeführt, so dass sich hier Sümpfe gebildet haben, die nicht weniger als 100,000 Morgen einnehmen; der sogenannte Königsbruch, c. 20,000 Morgen grofs, ist ein entschiedener Sumpf, ohne sichtbaren Zuflufs. Charakteristisch für die Bodenbeschaffenheit ist der Mangel an Lehm, von dem man auf weiten Strecken keine Spur findet; überwiegend ist ein durch und durch mit Wasser gesättigter Quell- oder Triebsand, der, wo er nicht selbst die Oberfläche bildet, doch unmittelbar unter derselben liegt und eine so niedrige Temperatur besitzt, dafs er dem Gedeihen der Pflanzen durchaus nachtheilig ist; hierdurch erklärt sich auch der Umstand, dafs es hier an Pflanzen mit Pfahlwurzeln ganz und gar mangelt. Die Aufgabe der Melioration würde also darin bestehen, dieses schädliche Grundwasser zu entfernen; und einige Landwirthe haben auch durch Drainage bereits erfreuliche Erfolge erzielt.

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Herr Prof. Ritter gab nach einem vom Director Vogel in Leipzig eingegangenen Briefe Nachricht von der Gefangennehmung des Reisenden Dr. Vogel in Wadai und von dem Plane des Freiherrn v. Neimans, den Gefangenen, falls er noch am Leben ist, mit Darbringung jedes Opfers zu befreien oder doch die Lage desselben zu erleichtern.

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IV.

Die Baumwolle in ihrem grofsartigen Verhältnisse zur Belebung des Weltverkehrs und der VölkerIndustrie in der Gegenwart.

Vom Geh. Reg. Rath Prof. Dr. F. W. Schubert in Königsberg.

Die Anwendung statistischer Untersuchungen auf die Ergebnisse der culturhistorischen Entwickelung und die Beleuchtung der letztern vom statistischen Standpunkte darf sich wohl immer mehr Bahn brechen und auf eine allgemeinere Theilnahme begründeten Anspruch machen, je mehr die Erleichterungsmittel des Handelsverkehrs die entferntesten Völker einander näher bringen und die verschiedenartigsten Stoffe und Fabrikate im gegenseitigen Austausch verwerthet werden und den Menschen immer neue Anregung zu erweiterter Thätigkeit gewähren. Wenn mit grofsem Geschick unser ehrwürdiger Carl Ritter zuerst auf dem weiten Raume seines Meisterwerkes über Asien das Beispiel gab, einzelne Gegenstände des Thier- oder Pflanzenreiches, wie das Kameel, den Kaffeebaum, die Dattelpalme u. s. w., aus ihrem ursprünglichen Vaterlande hervorzuheben und sie auf ihren culturhistorischen Wanderungen und Verpflanzungszügen in der Reihe der Jahrhunderte durch viele Länder verschiedener Erdtheile zu begleiten, um auf diese Weise von ihrer heutigen Bedeutsamkeit dem vollen Umfange nach ein deutliches Bild zu gewähren, so kann auch für die Statistik ein analoger Untersuchungsgang gewählt werden, um in nicht unbequemer Weise für die wichtigsten Stoffe des heutigen Weltverkehrs die früheren geringeren Handels- und Industrie-Beziehungen aufzusuchen und sodann die weiteren Entwickelungsstufen für denselben Gegenstand zu verfolgen.

Die Baumwolle habe ich für diesen ersten Versuch gewählt, weil sie unzweifelhaft gegenwärtig neben den beiden edlen Metallen das gewichtvollste Verkehrsmittel zwischen den verschiedenen Erdtheilen dar

bietet und auf den weitschichtigsten Entfernungen als Rohstoff, Halb-
Fabrikat und vollständig verarbeitete Waare Tausende von Meilen ver-
sandt wird, bevor sie an den letzten Bestimmungsort zum Verbrauch
gelangt. Wenn jedem Sachkundigen auch die gegenwärtige Bedeutung
der britischen Baumwollen-Industrie in ihrem vollen Mafse bekannt ist,
so hat er doch vielleicht nie daran gedacht, in wie kurzer Zeit sie
ihren überwiegenden Einflufs unter allen englischen Industrie- und
Handelszweigen erreicht hat, und welch entscheidendes Gewicht auch
vom politischen Standpunkt aus ihr in den schwierigsten Epochen der
englischen Geschichte neuerer und neuester Zeit eingeräumt werden
mufs. In den ersten Jahren der Regierung der Königin Elisabeth gab
es noch keine Baumwolle - Manufacturen in England. Erst der Reli-
gions-Bürgerkrieg in den belgischen Provinzen und seine Unterdrückung
durch die spanische Uebermacht unter Philipp II., namentlich nach der
Belagerung und Eroberung Antwerpens im Jahre 1585, führte in den
wegen des evangelischen Glaubensbekenntnisses verfolgten und nach
England geflüchteten belgischen Baumwolle -Webern die ersten Begrün-
der gewerblicher Anlagen zur Verfertigung von baumwollenen Stoffen
auf den britischen Boden. Schon damals fanden die ersten umfang-
reicheren Anlagen ihre Ansiedelung in der Grafschaft Lancaster. Fast
200 Jahre bestanden sie in allmählicher langsamer Fortbildung, bis sie
mit dem Jahre 1773 oder dem Ausbruche des nordamerikanischen
Freiheitskrieges den überraschend rapiden Aufschwung nahmen, den
man kaum mehr ein Fortschreiten, vielmehr ein Fortstürmen nen-
nen müsste.
Seit dieser Zeit ist die Baumwolle - Industrie in Grossbri-
tannien, besonders seit dem Anfange des laufenden Jahrhunderts, mit
dem Gesammtwohlstande dieses Landes so eng verwachsen, dass sie
vorzugsweise als eine Hauptstütze für die Widerstandskraft dieser
Grofsmacht im Kampfe gegen Napoleon angesehen werden muss, dass
in nicht geringerem Grade der unermesslich erscheinende fortdauernde
Finanz-Credit Grossbritanniens mit seiner Riesenkraft der im eigenen
Volke aufgenommenen Nationalschuld ihr seine kräftigste Hilfe ver-
dankt, dafs endlich die Herrschaft des britischen Welthandels in allen
Erdtheilen durch sie vorzugsweise erworben und gekräftigt ist. Wenn
ich daran die Betrachtung reihe, dafs der britische Handelsverkehr in
Baumwolle und baumwollenen Stoffen jeden anderen Handelszweig,
auch wenn der mächtige des gesammten Getreide- und Früchtehandels
daneben gestellt werden soll, im allgemeinen Völkerverkehr ge-
waltig überragt, dafs Städte ich meine die sogenannten Baumwolle-
selbst mit einer Bevölkerung von mehr als 100,000 Seelen,

Städte

sogar ganze Landschaften dieser Industrie ihren Lebensunterhalt und

ihre Bedeutung verdanken, dafs der Waarenaustausch in Baumwolle

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