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X.

Die Meteoren von Stagus in Thessalien.

Von Prof. G. L. Kriegk in Frankfurt a. M.

In der Nähe der auf dem linken Ufer der Salambria (des Peneus) gelegenen Stadt Stagus (türkisch Kalabak), fast gerade in der Mitte des oberen Laufes dieses Flusses endigt ein Bergzug von geringer Höhe, welcher von dem macedonisch-thessalischen Scheidegebirge ausgeht. Das Ende dieses Bergzuges ist eine geologisch merkwürdige Stelle; denn es besteht weder aus einer allmählichen Abdachung, noch auch, wie solches sonst mitunter vorkommt, aus einer steilen Felsenwand, sondern vielmehr aus einer beträchtlichen Zahl von hohen und säulenartigen oder kegelförmigen Felsen, welche isolirt neben einander stehen und in Bezug auf Gruppirung, Höhe und Gesammtausdehnung in unserem Erdtheil wohl ihres Gleichen nicht haben. Sie sind noch dazu in einer besonderen Hinsicht eine geologisch merkwürdige Erscheinung; denn sie müssen, wie sich nachweisen lässt, in der historischen Zeit sehr bedeutende Veränderungen ihrer Formen erlitten haben, und erleiden dieselben sogar noch fortwährend. Aufserdem sind sie aber auch dadurch merkwürdig, dass ihre zum Theil horizontal abgestumpften Gipfel seit mehreren Jahrhunderten Klöster tragen, zu welchen man nur vermittelst herabhängender Seile oder angelegter Leitern gelangen kann, und von denen es fast unbegreiflich ist, wie sie haben erbaut werden können. Diese Klöster werden von den Griechen die Pindus - Klöster oder noch häufiger, nach dem bedeutendsten derselben, die Meteor en genannt. Sie sind endlich noch in einer anderen Hinsicht interessant. In diesen Klöstern finden sich nämlich griechische Manuscripte, welche noch nicht näher untersucht worden sind und vielleicht einige bisher unbekannt gebliebene Schriften des Alterthums enthalten.

Wegen der angedeuteten Wichtigkeit der Meteoren von Stagus hat Holland schon im Jahre 1831 in einer Sitzung der Londoner geographi

schen Gesellschaft auf diese Felsengruppe und ihre Klöster als auf einen Gegenstand aufmerksam gemacht, welcher die besondere Beachtung der nach Griechenland reisenden Gelehrten verdiene, und zwar namentlich in Betreff der erwähnten Handschriften und der geognostischen Beschaffenheit der Felsen. Diese Ermahnung hat, so viel ich weifs, bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. Es möchte daher nicht unnütz sein, die Aufmerksamkeit der Reisenden noch einmal auf jene interessante Stelle Thessaliens zu lenken. Wenn übrigens auch dieser Gedanke allein eine specielle Beschreibung der Meteoren nicht rechtfertigen sollte, so wird man doch wohl die angezeigte mehrseitige Wichtigkeit derselben als einen genügenden Grund für eine solche Beschreibung anerkennen. Diese ist in der nachfolgenden Darstellung mit aller möglichen Sorgfalt gegeben, und zwar nach den bekannten Berichten von Björnstähl, Cockerell (in Hughes Travels in Sicily, Greece and Albania), Hadschi Chalfa, Holland, Jones (in Hughes Travels), Leake, Pouqueville und Vaudoncourt, sowie mit Beachtung des Wenigen, was antike Schriftsteller über die Meteoren enthalten. Meines Wissens hat übrigens, aufser den angeführten Männern, kein neuerer Reisender diese Felsengruppe besucht und beschrieben. Andererseits sind die Berichte derselben bis jetzt noch nie zu einer allseitigen Darstellung der Meteoren mit einander verglichen und zusammengestellt worden.

Die Meteoren sind der Endpunkt eines Bergzuges, welcher auf der linken Seite des eine Stunde oberhalb Stagus in den Peneus mündenden Kachia- oder Kratzovo - Flusses liegt, und bei Vaudoncourt und Hadschi Chalfa den wohl mit der türkischen Benennung der Stadt Stagus in Beziehung stehenden Namen Kalaik führt. Sie liegen etwa nordnordwestlich von Stagus und beginnen unmittelbar hinter diesem Orte. Vom Peneus-Flufs sind sie etwa eine englische Meile entfernt. In Hinsicht auf die Ausdehnung und Figur des Terrains, welches sie einnehmen, stellt ihre gesammte Gruppe ein von Nordwest nach Südost gerichtetes, unregelmässiges, längliches Dreieck dar, dessen Basis der erwähnte Bergzug bildet und dessen Spitze der unmittelbar hinter Stagus emporsteigende höchste Felsen dieser Gruppe ist. Die beiden Schenkel des Dreiecks haben, so weit sich bei der Unregelmässigkeit der Aufsenlinien dies bestimmen läfst, etwas mehr als zwei englische Meilen Länge. Uebrigens sind diese merkwürdigen Steingebilde die ersten Felsen, welchen man im Peneus-Thale von Trikala an aufsteigend begegnet. Auch sind sie von den anliegenden Höhen fast ganz getrennt.

Die Höhe der einzelnen Felsen ist sehr verschieden. Sie wechselt zwischen 80 und 300 Pariser Fufs; der höchste Felsen, der unmittelbar

hinter Stagus hervorragende, ist sogar nach Holland 4-500, nach Leake 5-600 engl. Fufs hoch. Die Mehrzahl hat nach Hadschi Chalfa's Ausdruck die Höhe eines Minarets, nach Holland eine mehr als 100 Fufs über das Peneus-Thal emporsteigende Höhe.

Ihrer Form nach sind die Meteoren meistens senkrecht abschüssige Felsen; sie steigen so perpendiculär aus dem Boden hervor, dass sie nach Pouqueville durch die symmetrische Beschaffenheit ihres Schnittes überraschen, oder dass, wie Holland sich ausdrückt, jede ihrer Seiten nicht durch die Natur, sondern durch Menschenhand gebildet zu sein scheint. Diese isolirten Steinmassen haben die Form von Pfeilern, Obelisken oder abgestumpften Kegeln. Einige bestehen nach Björnstähl auch aus einem grofsen runden Felsen, welcher auf der Spitze eines anderen wie auf einem Pfeiler ruht. Zwischen ihnen, besonders in den an ihrem Fusse hineilenden Bächen, welche diesen fortwährend unterminiren, liegen Felsentrümmer, und der Gang von dem einen zum anderen ist theilweise nur durch einen weiten Umweg zu machen. Was die vegetabilische Bekleidung betrifft, so sind einige Felsen nackt, die anderen enthalten oben oder an einzelnen Stellen ihrer Seitenwände Gesträuche; auch der meist schmale Raum zwischen ihren Füssen bietet abwechselnd öde Stellen und Strauchwerk dar. Auch die Art, wie diese Felsen von einander getrennt sind, ist verschieden. Der höchste von ihnen, der Felsen dicht hinter Stagus, ist sogar selbst durch einen tiefen verticalen Rifs in zwei Theile gespalten, und durch diesen unten schmalen Rifs führt der Weg von Stagus nach dem auf der entgegengesetzten Seite des Felsens, 200 Fufs höher als Stagus gelegenen Dorfe Kastraki, welches auf drei Seiten von hohen Steinmassen umgeben ist, so dafs der obere Theil desselben zur Winterszeit niemals von der Sonne beschienen wird. Jener Felsen hat übrigens bis zu zwei Dritteln seiner Höhe eine ganz gleichmässige, perpendiculäre Oberfläche, welche wie künstlich gebildet aussieht. Auf der Seite nach Kastraki hin, welche dieselbe uniforme Fläche darbietet, fällt die Basis des Felsens sogar innerhalb der perpendiculären Linie. Geht man von Kastraki in das Innere dieses Waldes von Felsen, so gelangt man nur auf Wegen, die sich zwischen ihnen hinwinden und mitunter im Zickzack steil ansteigen oder auch durch schmale und hohe Klüfte hinführen, von einem Felsen zum andern. Diejenigen zwei Felsen, deren Gipfel die beiden gröfsten Klöster tragen, stehen einander so nahe, dafs man von diesen Klöstern aus über den tiefen sie trennenden Abgrund hin mit einander sprechen kann. Der eine dieser Felsen, der des Klosters Barlaam, erhebt sich als ein einziger colossaler Felsblock aus dem Boden empor; der andere, auf welchem das Kloster Meteoron steht, ist aus zwei Felsmassen zusammengesetzt, von denen die obere

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