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Ganz besonders möchten wir auf die Berichte des Freiherrn v. Czoernig über die Statistik der Vertheilung des Grundeigenthums, über Industrie- und Ethnographische Statistik und auf Feldmarschall-Lieutenants von Hauslab Bericht über Anwendung der Kartographie und Graphik auf die Zwecke der Statistik aufmerksam machen.

2. Eine sehr gute Einsicht in die gesammte Thätigkeit des Statistischen Kongresses zu Wien giebt die Arbeit von Dr. A. Ficker, der als Sekretär der Versammlung fungirte. Nach einer kurzen Einleitung über Entstehung und Aufgabe der Kongresse, worin besonders der offizielle Charakter derselben hervorgehoben wird, finden wir einen Abriss der Thätigkeit der Vorbereitungs-Kommission, eine Besprechung der Vorlagen der Behörden an die Versammlung, ein Verzeichniss der Delegirten der fremden Regierungen und der sonstigen Mitglieder, die Eröffnungsrede des K. K. Handels-Ministers, Auszüge aus den Berichten der fremden Delegirten über die Einrichtungen und Leistungen der oftiziellen Statistik in den von ihnen repräsentirten Staaten, eine kurze Darstellung der Verhandlungen der einzelnen Sektionen, eine Reihe von Anträgen, welche im Kongresse gestellt wurden, und die Verhandlungen darüber, endlich einige Worte über die Festlichkeiten und Ehrenbezeigungen, welche während des Kongresses vorkamen.

3, 19. Direktor Toeppen's Werk, das grössten Theils auf zahlreichen, noch nie veröffentlichten, archivalischen Urkunden beruht, ist eine ausserordentlich fleissig ausgearbeitete, höchst detaillirte historische Geographie der Provinz Preussen und giebt möglichst vollständige Nachweise über die jedesmaligen Landesgrenzen, die kirchlichen, administrativen und sonstigen Eintheilungen, die Lage, Geschichte und Bedeutung der Ortschaften, die Umwandlungen der Bodengestalt u. s. w. in allen einzelnen Perioden der Geschichte des Landes von der heidnischen Zeit an bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts. Was im Texte (398 SS.) mit allen speziellen Nachweisen begründet ist, wird auf den fünf Karten des zugehörigen Atlas auf leichte, übersichtliche Weise zur Anschauung gebracht. Diese Karten stellen Preussen vor den Zeiten der Ordensherrschaft (vor 1230); zur Zeit derselben (1230--1525); in der Periode vom Untergang derselben bis zur ersten Theilung Polens (1525--1772); von dieser bis zum Tilsiter Frieden (1772-1807), und in seinen jetzigen politisch-geographischen Verhältnissen dar. Durch den angewandten grossen Maassstab, das einfache, zweckmässigé Kolorit und dadurch, dass die Territorialveränderungen auf fünf verschiedene Blätter vertheilt wurden, ist eine Klarheit und Übersichtlichkeit erzielt worden, die man bei so reichem Detail auf historischen Karten nur zu häufig vermisst.

4, 20. Prof. Kořistka, der seit 1850 eine grosse Reihe hypsometrischer Arbeiten in den nordöstlichen Alpen, dem Böhmisch-Mährischen Hochplateau, den Sudeten und westlichen Ausläufern der Karpathen ausgeführt hat und im Jahre 1856 auf die Einladung der naturwissenschaftlichen Sektion des Böhmischen Landes-Museums solche Höhenmessungen auch in Prag und dessen Umgebung, auf einem Flächenraum von 31 Quadrat-Meilen, anstellte, giebt in dem obigen Werke die vollständigen Resultate dieser letzteren Arbeit und benutzt diese Gelegenheit, um seine bisherigen Erfahrungen über Höhenmessungen überhaupt der Öffentlichkeit zu übergeben. Der erste Abschnitt ist eine gründliche kritische und höchst wissenschaftliche Beschreibung der geodätischen Operationen, Instrumente und Berechnungsmethoden, die besonders den Zweck hat, „jenen Geodäten und Naturforschern, welche derartige Messungen in einem grösseren Gebiete in möglichst grosser Zahl ohne viele Kosten und doch mit hinlänglicher Genauigkeit ausführen wollen, manche unnöthige Zeit raubende und kostspielige Arbeit zu ersparen". Der Verfasser weist dabei die Benutzung seiner Methoden und Instrumente speziell an seinen hypsometrischen Arbeiten in und um Prag nach. Ini zweiten Abschnitt bespricht er die Darstellungsmethoden der Höhenverhältnisse und den Entwurf von Niveaukarten und versucht, die Beziehungen nachzuweisen, in welchen derartige Messungen mit wichtigen Fragen der Orographie, der Geologie, der Pflanzengeographie und der gesammten Landeskultur stehen. Als Beispiel für eine gute Darstellung der Niveau-Verhältnisse giebt er zwei Karten bei, einen Plan von Prag und eine Karte der Umgegend dieser Stadt bis Schlan, Beraun, Zwanowic und Alt-Lysa. Auf der ersteren sind die Horizontalen von 6 zu 6 Fuss, auf der letzteren von 60 zu 60 Fuss ausgezogen und die grösseren Abstände durch verschiedene Nüancen derselben Farbe hervorgehoben, wodurch eine höchst anschauliche und doch ungemein detaillirte Darstellung erzielt wurde. Die zu Grunde liegenden Höhenbestimmungen betragen 1214 an der Zahl, wovon 540 trigonometrische, 574 Nivellements- und 100 barometrische Bestimmungen. Unter diesen Messungen sind bloss 172 solche, welche von anderen und früheren Geometern gemacht und von dem Verfasser auf die Seehöhe reducirt wurden, alle anderen Bestimmungen sind neu. „Rechnet man die Tage, an ganz unabhängige südwestliche Driftströmung bei Irland, Schottland, den Orkney- und Shetland-Inseln vorbeigehe und bisweilen solche Gegenstände dahin führe, die in den Golf-Strom geworfen wurden '). Die mittlere Regenmenge in Schottland im J. 1856 betrug 37 Engl. Zoll. -

denen Messungen vorgenommen wurden, so betragen dieselben nicht viel mehr als 30 oder einen Monat, woraus zu ersehen ist, dass man mit Hülfe dieser Methoden in verhältnissmässig sehr kurzer Zeit eine ziemlich grosse Anzahl von Messungen in einem bedeutenden zusammenhängenden Gebiete ausführen und so die Höhen- oder Niveauverhältnisse desselben durchforschen kann. Die Kosten einer solchen Operation sind unbedeutend im Verhältniss zu anderen geodätischen Operationen, da man weder kostspielige Signalisirungen, noch eine grosse Zahl von Gehülfen nöthig hat. Dabei ist die Genauigkeit derselben für ihren Zweck noch vollkommen hinreichend."

5, 21. Da Dr. Volger seine Ansichten über die Ursachen der Erdbeben und ihren Zusammenhang mit meteorologischen Vorgängen und geognostischen Verhältnissen früher in den „Geogr. Mittheilungen” (Jahrgang 1856, SS. 85--102, Tafel 6 und 7) entwickelt hat, so können wir uns damit begnügen, jetzt einfach den Inhalt des Werkes anzugeben, in welchem er diese Ansichten in grösserem Umfange begründet und weiter ausführt. Der erste Band ist eine ungemein reichhaltige Sammlung aller aufgezeichneten Beobachtungen über Erschütterungen des Bodens, welche in irgend einen Theile der Schweiz von 562 bis 1854 wahrgenommen worden, mit genauer Angabe aller Quellen, aus welchen dieselben geschöpft sind. In der Einleitung weist der Verfasser aus diesem Material nach, dass es gewisse habituelle sismische Stossgebiete in der Schweiz giebt, d. h. gewisse Gegenden, welche gleichsam habituell in ihrem Schoosse Erdbeben erzeugen, und dass diese Phänomene eine deutlich ausgesprochene Periodicität zeigen, indem sie unter dem regelnden Einfluss der nämlichen kosmischen Verhältnisse stehen, welche Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Regen und Schnee, Reichthum und Armuth der Quellen gesetzmässig auf der Erdoberfläche abwechseln Jassen. Diese Periodicität in ihrem jährlichen, vierteljährigen, täglichen und stündlichen Verlauf für die ganze Schweiz sowohl wie für einzelne Lokalitäten wird in einer Reihe von Kurven auf sieben lithographirten Tafeln veranschaulicht. Der zweite Band enthält eine ausführliche Darstellung der petrographischen und geotektonischen Verhält. nisse des Kantons Wallis, eines der hauptsächlichsten sismischen Stossgebiete der Schweiz, nebst zwei kleinen Kartenskizzen des Kantons. In der ersten Hälfte des dritten Bandes werden sehr speziell die Erdbeben des Jahres 1855 in Wallis dargestellt und durch eine Karte erläutert, welche ihre Ausdehnung, Richtung und Stärke zur Anschauung bringt. In der zweiten Hälfte dieses Bandes endlich werden die Folgerungen aus dem gewonnenen Material in Bezug auf die Entstehungsursachen und den Zusammenhang der Erdbeben mit anderen Phänomenen gemäss der Theorie des Verfassers gezogen, so wie die Erscheinungen selbst einer eingehenden Behandlung unterworfen.

6. In der Versammlung der Meteorologischen Gesellschaft von Schottland am 13. Januar 1858 berichtete Dr. Stark über die allgemeineren Resultate, die sich aus den meteorologischen Beobachtungen, die in den Jahren 1856 und 1857 an 48 Stationen Schottlands regelmässig angestellt wurden, ziehen lassen. Er zeigte, dass die Stürme wahrscheinlich durch den Vorübergang eines grossen atmosphärischen Wellenthales, ausgedrückt durch den niedrigen Barometerstand, bestimmt sind, dass sich dieses Wellenthal in Schottland meist in einer Linie von NO. nach SW. erstreckt und mit grosser Schnelligkeit von NW. nach so. vorrückt, dass sich hieraus auch die Drehung des Windes auf eine einfachere Weise erklären lasse, als es Dove gethan hat, und dass die Stürme in Schottland zu bestimmten Perioden wiederkehren. So wies er nach, dass seit 1842 fast in jedem Jahre ein heftiger Sturm um den 7. Februar und zwischen dem 19. und 23. November Statt gefunden hat, wobei er auch hervorhob, dass das atmosphärische Wellenthal bei Stürmen einen scharfen Winkel nach unten bildet, während der Wellenberg mehr abgerundet ist, also umgekehrt wie bei den Wasserwellen. Aus der beigegebenen graphischen Darstellung des Barometerstandes während der Stürme vom 7. Februar 1856 und 23. Nov. 1857 ist diess deutlich zu ersehen. In Bezug auf die Temperatur-Beobachtungen ergab sich aus sämmtlichen Ablesungen im Jahre 1856 als mittlere Jahreswärme für ganz Schottland 46,4° F., der kälteste Monat war Januar (35° F.), der wärmste August (57,8° F.). Auffallende Unterschiede zeigten sich in der Abnahme der Temperatur nach Norden zu in den verschiedenen Theilen Schottlands. Die Temperatur-Beobachtungen an der Westküste in tiefem Wasser ergaben das unerwartete Resultat, dass die Wärme des Meereswassers fast ganz gleichen Schritt hält mit der der Atmosphäre, selbst in ihrem täglichen Wechsel, und dass sie durch keinen Influx von warmen Wasser mittelst des GolfStroms beeinflusst wird. Dr. Stark ist der Meinung, dass sich der GolfStrom nur bis 43° N. Br. verfolgen lasse und dass er von da an südöstlich um die Azoren herum sich ausbreite, wogegen eine von ihm

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7, 35. Es wurde bereits in dieser Zeitschrift (Jahrgang 1857, S. 6) erwähnt, dass das unter der Direktion von Prof. Hansteen stehende Norwegische Vermessungs- Bureau seit 1833 eine neue Aufnahme der Norwegischen Küsten begonnen und bis auf die neueste Zeit fortgeführt hat; auch wurden einige Karten erwähnt, welche aus diesen Aufnahmen hervorgegangen und unter Leitung des Major Vibe herausgegeben sind. Durch die Güte des letztgenannten Herrn liegen uns jetzt sämmtliche bis jetzt vollendete Karten mit den dazu gehörigen Beschreibungen vor. Es sind im Ganzen 21 Blatt, von denen die ersten 10 im Maassstab von 1: 200.000 die Küste von Haltenöe (64 8' N. Br.) bis zur Russischen Grenze, also von Finnmarken, Nordland und einem Theil von Trondhjem, umfassen (1835 bis 1847). Aus ihnen hat Major Vibe eine Übersichtskarte der Küste von Trondhjem bis zur Russischen Grenze in zwei Blatt und im Maassstab von 1:750.000 zusammengestellt (1846 und 1849). Die drei folgenden Nummern (Nr 11 A., 11 B., 11 C.) aus den Jahren 1852 und 1853 stellen den Christiania-Fjorden östlich bis zur Schwedischen Grenze, westlich bis Jomfruland im Maassstab von 1:100.000 dar und sind auf Nr. 11 A. B. C. in ein einziges Blatt in dem Maassstab von 1:200.000 zusammengefasst (1854). Nr. 12 A. und Nr. 12 B. betreffen die Küste von Jomfruland bis Christiansand (Maassstab 1:100.000, 1855 und 1856) und sind ebenfalls auf die Hälfte reducirt auf Nr. 12 A. B. (1857). Die beiden letzten Blätter endlich stellen die Küste zwischen Christiansand und Ekersund wiederum im Maassstab von 1:100.000 dar (1856 und 1858). Es ist also bereits die ganze Norwegische Küste mit Ausnahme des östlichen Theils zwi. schen Ekersund und Trondhjem niedergelegt. Die Aufnahmen, welche diesen Kartenblättern zu Grunde liegen, wurden im Norden von Hagerup, Vibe, Paludan, Broch, Due, Rynning, Klouman und Naeser, im Süden von Johansen, Diriks und Wille ausgeführt. Die Herstellung der Karten geschah bis 1856 unter der Leitung des Major Vibe, seitdem unter der des Ingenieur-Lieutenant Schie, mit dessen Namen die letzten drei Blätter bezeichnet sind. Jede Sektion wird von einer ausführlichen hydrographischen und topographischen Beschreibung der betreffenden Küstenstrecke begleitet, denen häufig Tafeln mit Küstenansichten beigegeben sind. Als eine Art Sailing Directions sind die Beschreibungen zwar hauptsächlich für den Seemann bestimmt, doch bilden sie zugleich die wichtigste und reichhaltigste Grundlage für die Topographie jener Küsten. Beschreibungen und Karten zusammen bilden eine vortreffliche und in jeder Beziehung ausreichende Arbejt über einen der interessantesten Litoralstriche von ganz Europa.

Wind, mittlere Bewölkung, Ozonreaktion, Bemerkungen. Der Niederschlag ist nur bei den Beobachtungen in Bern berücksichtigt.

8. Unter dem Titel „Alpinisches und Trans- Alpinisches" hat Herr Prof. K. Witte in Halle eine Reihe von neun Vorträgen veröffentlicht, die, ohne ein zusammenhängendes Ganzes zu bilden, einzelne Lokalitäten Italiens, der Graubündner und Tiroler Alpen, so wie Episoden aus seinen Wanderungen in den erwähnten Landestheilen jenseits und diesseits der Alpen schildern. Nur der Inhalt der beiden ersten Kapitel ist allgemeinerer Natur, indem er in dem einen eine zusammengedrängte Darstellung der eigenthümlichsten Erscheinungen der Gletscherwelt, in dem zweiten eine sehr interessante Übersicht über die Alpenpässe und deren Hospize giebt, über die Zeit ihrer ersten Benutzung, ihre Wichtigkeit in der Geschichte des Handels und der Kriege u. s. w. Geographisch am wichtigsten ist der eingehende Vortrag über das Engadin, namentlich das obere Engadin und dessen Bewohner, so wie die Besteigung des Piz Languard. Aus den Tiroler Alpen schildert der Verfasser das Grödner Thal und das von diesem, dem Thal der Eisack und der Fassa eingeschlossene Hochplateau der Seisser Alp - der „Rosengarten Laurin's" der Alt-Deutschen Sage. Ausserdem sind San Marino, Ravenna, ein Theil des Litorals des Principato citeriore (Palinuro und Sapri), Palermo und das von Franziskus von Assisi gestiftete Kloster Alvernia im Toskanischen Theil der Apenninen Gegenstände dieser anziehenden Vorträge, in denen der Verf. die Beschreibung der Örtlichkeiten und deren Bewohner mit interessanten Phasen der politischen und Literatur-Geschichte auf geistreiche Weise verbunden hat.

9. Von den in den Nummern 385-407 der Mittheilungen aus der Naturforschenden Gesellschaft in Bern abgehandelten Gegenständen berühren nur die Tabellen von Koch: „Meteorologische Beobachtungen in Bern, Burgdorf und Saanen im Sommer und Herbst 1856, so wie im Winter und Frühjahr 1857”, unser spezielleres Interesse. Dieselben reihen sich unter die Rubriken: Thermometer- und Barometerstand,

10. Aus dem dritten und vierten Heft vom Jahrgang 1857 der Renard'schen Zeitschrift haben wir ausser der Fortsetzung

von Chr. v. Steven's Verzeichniss der auf der Taurischen Halbinsel wild wachsenden Pflanzen und dem Schluss von Dr. Eichwald's Beitrag zur geographischen Verbreitung der fossilen Thiere Russlands zu erwähnen: die Übersicht periodischer Erscheinungen aus dem Thierreiche der Umgegend Kischinews von A. Doengink und die zwölfjährigen Beobachtungen über den Anfang der Blüthezeit einiger in der Umgegend Kischinews vorkommenden Pflanzen, nebst Angaben der wahren mittleren Temperatur, von demselben, die in ähnlicher Weise zusammengestellt sind wie die von uns mehrfach erwähnten Phänologischen Übersichten von Österreich, nur dass sie sich auf eine einzige Lokalität beziehen. Welch bedeutende Resultate würden sich ergeben, wenn ähnliche Beobachtungen an einer grösseren Anzahl von Stationen in dem weiten Russischen Reiche angestellt und gleichmässig fortgeführt würden! Die Moskauer Gesellschaft könnte sich durch die Einrichtung eines solchen Netzes von Stationen ein grosses Verdienst erwerben. Ferner einige weitere Nachrichten über die am Westabhang des Cral im Jahre 1854 aufgefundene Steinkohle; eine Berechnung der von Spassky zu Moskau vom September bis Dezember 1856 angestellten meteorologischen Beobachtungen und ein Résumé aller seiner Beobachtungen aus dem Jahre 1856 ; endlich eine Beschreibung der Reptilien des Gouvernements Wologda von Alexander Mejakoff mit vergleichenden Bemerkungen über die Reptilien-Fauna an der Persisch-Russischen Grenze, bei kiew und bei Wologda.

11. Wir haben schon früher (s. Geogr. Mitth. 1857, S. 535) darauf hingewiesen, welche Fülle von geographischem und statistischen Material der Kaukasische Kalender, der seit einer Reihe von Jahren in starken Oktavbänden in Tiflis von der Kanzlei des Kaukasischen Statthalters in Russischer Sprache herausgegeben wird, enthält. Auch der Jahrgang 1858 steht darin den vorigen nicht nach. In der zweiten, „Gemeinnützige Nachrichten" betitelten, Abtheilung finden wir u. A. eine „Aufzählung der Städte und bemerkenswerthen Orte des Kaukasischen Landstrichs”. Es ist diess eine 18 Seiten lange Tabelle, die uns in der ersten Kolumne die Einwohnerzahl nach den von den Ortsobrigkeiten im J. 1856 und 1857 eingesandten Nachrichten bietet. In der zweiten und dritten Kolumne ist die Angabe der Entfernung der aufgezählten Städte, Dörfer, Forts, Kolonien, Schlösser, Zollstätten, Landungsplätze, Überfahrten, Brücken, Mineralbäder, Fischereien von Titlis, yon der Gouvernementsstadt oder von Moskau enthalten. Die fünfte und sechste Kolumne bieten die vom Chef der Trans-Kaukasischen Triangulation, General-Major Chodzko, mitgetheilten geographischen Positionsbestimmungen, die auch für bemerkenswerthe Bergspitzen gegeben sind. In der siebenten und achten Kolumne tinden wir den Zeitunterschied der angegebenen Punkte mit Tiflis und einem der nächstgelegenen Hauptorte, wie Kertsch, Derbent, Kutais , Stawropol, Jekaterinodar, Schamacha, Eriwan. Hierauf folgt der „Kaukasische Wegweiser", der die Hauptstrassen in Cis- und Trans-Kaukasien und die Entfernung zwischen den einzelnen Stationen, dann auch die Routen von Titlis bis Moskau, St. Petersburg, Warschau, Odessa und Astrachan angiebt (24 Seiten); ferner ein kurzer Bericht über die Kaukasische Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft, welchem wir die Nachricht entnehmen, dass die Arbeiten des Herrn Ad. Berger an einem vergleichenden Wörterbuch der Kaukasischen Sprachen und Mundarten Hoffnung auf erfolgreiche Beendigung dieses komplicirten und in linguistischer Beziehung sehr wichtigen Werkes bieten. Die dritte Abtheilung mit dem Titel „Sammlung von Materialien zur Abfassung einer historischen, geographischen und statistischen Beschreibung TransKaukasiens" enthält folgende einzelne Aufsätze: 1. Chronologische Angabe der bemerkenswerthesten Begebenheiten in Cis- und Trans-kaukasien und der wichtigsten Regierungsverordnungen, die sich auf diesen Landstrich beziehen. Eine 49 Seiten lange Geschichte dieser Länderstrecken, die, von den ältesten Zeiten beginnend, bis zum Jahre 1857 fortgeführt ist, wobei die letzten zehn Jahre unvergleichlich genauer behandelt sind. 2. Eine höchst werthvolle Übersicht der Bergvölker auf dem Kaukasus von Ad. Berger, die wir in extenso mittheilen werden. 3. Eine historische Abhandlung über die Ansiedlung der Kisliar'schen, Greben'schen und Mosdok'schen Kasaken am Terek u. s. w. (s. Geogr. Mitth. 1858, Heft XI, S. 472). 4. Eine Notiz von A. Owerin über die Cirkulation des Wassers im Goktscha-See (s. Geogr. Mitth. 1858, Heft XI, S. 471). 5. Beiträge und Erklärungen zu dem im Jahrgange 1857 abgedruckten Aufsatze: „Das Land am Kaspischen Meere". 6. Einige Worte über den Fang und das Trocknen der Fische am Goktscha-See,

) Vergl. Geogr. Mitth. 1858, Heft VII, S. 294.

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von A. Owerin. 7. Bericht über die aus Trans-Kaukasien nach Astrachan ausgeführte Fischwaare vom 1. Juli 1847 bis 1. Januar 1854. 8. Berichte über die Bewegung der Bevölkerung in Kaukasien und in Tiflis im Jahre 1856. 9. Bericht über die Lehranstalten in Kaukasien im J. 1857. 10. Tabellen über den Handel Trans-Kaukasiens von 1854 bis 1856 (s. Geogr. Mitth. 1858, Heft XI, S. 472). 11. Tabelle der Meereshöhe von 1324 Punkten Cis- und Trans-Kaukasiens, der Türkei und Persiens, die barometrisch und geodätisch bestimmt wurden. Eine für die Geographie dieser Landstriche höchst wichtige Quelle, die jährlich vom General-Major Chodzko verbessert und vermehrt wird. Eine eigne Kolumne giebt uns für jede Höhenbestimmung die Art und Weise, wie solche geschehen, von wem und häufig in welchem Jahre. Die Punkte sind theils nach orographischen Abtheilungen geordnet, theils geben sie uns ein Nivellement längs der Hauptstrassen und Hauptflüsse. Dann folgt eine kleine Reihe Höhenbestimmungen von Bergsee'n, eine interessante Aufzählung der Höhen der Süsswasserquellen in Ossetien mit deren Temperatur, der Mineralquellen daselbst mit ihrer Temperatur, eine grosse Anzahl von Bergpässen im Kaukasischen Gebirgskamm, über welche Pfade hinüberführen. Diesen schliesst sich eine lange Reihe bemerkenswerther bewohnter Orte des Kaukasus an; dann Höhenangaben für die Grenze des Krautwuchses, des Weizen- und Gerstenbau's, des Waldwuchses, der Weingarten. Den Schluss dieser interessanten Arbeit bildet eine Aufzählung von Punkten, die in der Asiatischen Türkei wie in Persien vom Russischen Generalstab bestimmt wurden. In allen diesen einzelnen Abtheilungen sind die Punkte nach ihrer Meereshöhe geordnet. Ein angehängtes alphabetisches Register erleichtert das Auftinden der mit Nummern bezeichneten 1324 Punkte. Die vierte Abtheilung des Kaukasischen Kalenders, „Literaturbeilagen” betitelt, bringt in diesem Jahre eine Abhandlung über die Quellen der Grusinischen Geschichte" von Dm. Bakradse. – Die fünfte Abtheilung ist ein Adresskalender, mit welchem der voluminöse Band schliesst.

12. In diesem Aufsatze spricht sich Freiherr v. Czoernig über Entstehung und Inhalt seines grossen Werkes aus und giebt eine recht interessante, kurze Übersicht der verschiedenen ethnographischen Elemente des Kaiserstaates.

13. Im „Nautical Magazine" wird aus dem „Moniteur de la Flotte", der „Shipping Gazette" und anderen Quellen eine kurze Beschreibung der unteren Donau von dem Eisernen Thore bis zu den Mündungen und besonders der einzelnen Mündungsarme in Bezug auf die Schifffahrt zusammengestellt.

14. Die Britische Admiralität macht in demselben Journal den neuesten Stand der magnetischen Deklination an einer grossen Anzahl von Küstenpunkten in der Nord- und Ostsee bekannt. Von der Englischen Küste bis zum Kattegat gehen die Linien gleicher Abweichung von N. bei 0. nach S. bei W. und die Abweichung beträgt zwischen 25 und 16° W.; zwischen dem Kattegat und dem Finnischen Meerbusen haben die Linien eine fast nordsüdliche Richtung und die Abweichung beträgt 16° bis 5° W. Die Abnahme der Deklination in der Nordsee ist jetzt jährlich 7 Minuten, in der Ostsee etwa 5 Minuten.

15. Der Hauptbericht des Preuss. Generalkonsulats zu London giebt den Export Gross-Britanniens im J. 1857 auf 122,155,237 Pfd. St. an. Die Zahl der angekommenen Schiffe betrug 32,693 von 8,732,180 Tonnen, die der ausgegangenen 44,401 von 10,340,399 Tonnen.

16. V. A. Malte-Brun bespricht die Geschichte, die Grundlagen und Art der Ausführung der Cassini'schen Karte von Frankreich im Maassstab von 1:86.400, der grossen Karte des Dépôt de la Guerre im Mst.

1:80.000 und der 1852 begonnenen Reduktion derselben auf 1:320.000. Die letztere wird aus 32 Sektionen bestehen, von denen 16 zu Ende des Jahres 1857 bereits publicirt waren. Am Schluss der Abhandlung werden die grossen topographischen Karten der einzelnen Länder Europa's chronologisch aufgeführt.

17. Leymerie's Notiz handelt von dem Vorkommen und den Lagerungsverhältnissen der Übergangsformationen (Devonische, Silurische, Azoische Schiefergesteine) in dem Vallée de la Pique bei Luchon, wo der niedrige Granitberg Saint-Mamet das eigentliche Centrum der Erhebung bildet, wie überhaupt nach Ramond die geologische Achse der Pyrenäen nicht mit der orographischen zusammenfällt.

18. Lamont, Direktor der Sternwarte zu München, berichtet der Pariser Akademie über die Arbeiten, welche er in den Jahren 1856 und 1857 zur Vollendung seiner magnetischen Karte von Europa ausgeführt hat. Er bereiste Frankreich, Spanien und Portugal und beobachtete

80 verschiedenen Orten die magnetischen Konstanten, verglich seine Resultate mit den auf dem Pariser Observatorium erhaltenen und zog danach auf einer Karte die Isoklinen, Isodynamen und Isogonen, indem er für die Deklination und Inklination Intervallen von i Grad,

für die horizontale Intensität solche von 0,05 Grad annahm. Es stellte sich dabei merkwürdiger Weise ein fast vollständiger Parallelismus der Linien heraus. Zum Schluss giebt Lamont die von ihm beobachtete Deklination in 24 Seehäfen an.

22. Die grosse Eisenbahnkarte von Mittel-Europa von F. Handtke, welche von Kopenhagen bis Corsica und von Bordeaux bis Orsova reicht, also Deutschland, die Schweiz, Ungarn, Polen, Nord- und MittelItalien, fast ganz Frankreich, den grössten Theil von England und die südliche Hälfte von Dänemark umfasst, zeichnet sich durch Reichhaltigkeit, Vollständigkeit der bis Anfang des Jahres 1858 eröffneten Eisenbahnen und korrekte Zeichnung der Tracen aus und dürfte sich somit zu einem ausgedehnten Gebrauche empfehlen. Die Karte scheint besonders als Wandkarte für Comptoirs und Passagierstuben bestimmt zu sein, wozu sie sich auch sehr gut eignet. Die Zeichnung und technische Ausführung ist zweckmässig und deutlich. Die im Bau begriffenen Bahnen sind nicht vollständig genug angegeben und bei Aufzählung der Punkte, nach denen von einem Hafenplatz aus regelmässig Dampfschiffe gehen, hätte füglich die Fahrzeit und wie oft die Verbindung Statt findet, bemerkt werden können.

23. Weniger Beachtung verdient Haeberlin's Eisenbahnkarte von Deutschland, denn wenn auch die bis Anfang 1858 eröffneten Bahnen vollständig eingetragen sind, so steht doch die Karte in Bearbeitung und Ausführung weit hinter vielen ähnlichen, zum Bureau- und Handgebrauch bestimmten, Karten zurück. Die Zeichnung der Tracen namentlich ist etwas ungenau und grob und die lithographische Ausführung sehr mittelmässig.

24. Auf Stubba's Wandkarte der Provinz Sachsen treten die politischen Grenzen durch das saubere Kolorit, die Flussläufe und die Ortszeichen gut hervor, im Übrigen aber lässt sich nicht viel Lobenswerthes von der Karte sagen und die Terrain-Darstellung ins Besondere verräth eine Auffassung, die mit dem heutigen Standpunkt der Kartographie nicht korrespondirt.

25, 26. Zwei nützliche, mit Fleiss bearbeitete Karten , beide im Maassstab von 1:300.000, die sich durch Vollständigkeit der administrativen Eintheilung, der Eisenbahnen und Strassen, durch Mannigfaltigkeit der Signaturen, überhaupt durch Reichthum an Detail, so wie durch korrekte Ausführung empfehlen und zum Handgebrauch vorzüglich geeignet sind. Jedes der beiden Blätter schmückt ein Plan der Hauptstadt des betreffenden Regierungsbezirkes. Unter sich sind jedoch die beiden Blätter in Bezug auf die technische Ausführung und auch stellenweise im Styl der Zeichnung wesentlich verschieden. Obwohl beide keine Musterblätter in dieser Beziehung, ist doch das von Böhm gezeichnete und von H. Mahlınann lithographirte Blatt von Gumbinnen im Allgemeinen recht gut, das von Bromberg aber ist tau und schlecht gedruckt, hat ein unschönes und zu knalliges Kolorit (Eisenbahnlinien) und die Ausführung überhaupt ist nicht zu loben. Nur ungern werden auf beiden Blättern Höhenangaben vermisst.

27. Der Plan der Umgegend von Mainz, nach eignen Aufnahmen von Lieut. v. Wittich gezeichnet, umfasst das rechte Rheinufer von der Einmündung des Main bis oberhalb Eltville und das linke südlich bis Laubenheim, westlich bis Heidesheim. Zeichnung und Stich sind sorgfältig und gut.

28. Das Supplement-Heft zu Stieler's Hand-Atlas vom J. 1857 enthält folgende neu bearbeitete Karten: Nr. 356 Ungarn, Siebenbürgen, Woiwodina und Slavonien, Mst. 1:1.850.000 ; Nr. 38* Europäische Türkei, Griechenland und die Ionischen Inseln, Mst. 1:3.700.000; Nr. 38° Griechenland und die Ionischen Inseln , Mst. 1:1.387.500. Von der ersteren, die nach den Aufnahmen des K. K. General-Quartiermeister-Stabs bearbeitet ist und sich durch korrekte und schöne Zeichnung, ganz besonders durch eine charakteristische und detaillirte Terrain-Darstellung auszeichnet, haben wir unseren Lesern im vorigen Jahrgang der ,,Geogr. Mitth.” Tafel 25 eine Probe vorgelegt. Die zweite hat hauptsächlich zur Grundlage Lapie's Karten von „Serbien und einem Theil von Albanien" und „Macedonien nebst einem Theil von Epirus und Thessalien", beide zu M. A. Viquesnel's Journal d'un voyage dans la Turquie d'Europe (Paris, 1842 und 1843) gehörig, des Letzteren später erschienene Carte de la Thrace et d'une partie de la Macédonie (Paris, 1854), für Griechenland die neue Französische Generalstabskarte in 1:200.000 und für die Küsten die Britischen Admiralitätskarten. Zwei am Rande von Nord nach Süd sich erstreckende Gebirgsprofile sind meist nach den in Lapie's Karten angegebenen und den in Boue's Turquie d'Europe enthaltenen Höhenbestimmungen konstruirt. Die neue Zeichnung der Karte von Griechenland beruht vorzugsweise auf der Französischen Generalstabskarte in 20 Bl. In den Begleitworten findet man ausser den Quellen - Vermerken eine reichhaltige Höhentafel, eine Reihe geographischer Bezeichnungen der Magyarischen Sprache und ein alphabetisches Verzeichniss von Orten mit doppelten und mehrfachen Namen zur ersten Karte, so wie die spezielle Eintheilung des Königreichs Griechenland nach dem Gesetz vom 6. Dezember 1845 zur dritten Karte.

von

an

det vor, welche Christians-Amt, Buskeruds-Amt und Bratsbergs-Amt umfassen (s. Geogr. Mitth. 1857, S. 6).

37. Auf der neuen Ausgabe der 1852 von der Britischen Admiralität publicirten werthvollen Karte vom Mittelländischen Meere sind die neu errichteten Leuchtthürme nachgetragen, die Linien gleicher magnetischer Deklination in ihre Lage für das Jahr 1857 gebracht und die neuen Sondirungslinien zwischen Malta , Candia und den Dardanellen und zwischen Alexandria, Rhodus und Mitylene hinzugefügt. -- Die Karte von der Umgegend von Harwich umfasst die Ostküste der Grafschaften Essex und Suffolk von Walton le Soken bis Aldborough, den Deben bis hinauf nach Woodbridge, die untersten Theile des Orwell und Stour und einen beträchtlichen Theil des angrenzenden Meeres mit den hier so zahlreichen Sandbänken. Die Karte ist überdeckt mit Tiefenangaben und anderen nautischen Nachweisen. Die Spezialkarte der schönen, halbmondförmigen Tor-Bai an der Süd-Ost-Küste von Devonshire beruht auf den Aufnahmen des Kapitän Sheringham, des Lieut. Cox und Master Taylor vom Jahre 1852. - Kapitän White's Aufnahme der Kanal-Inseln Guernsey, Herm und Sercq vom J. 1822 ist bis 1857 berichtigt. — Die neuen schönen Sektionen der West-Schottischen Küstenkarten nach den Aufnahmen von Kapitän Otter, Robinson und Commander Bedford stellen den nördlichen Theil des Sundes von Raasay zwischen der Insel Skye und Clachan, den nördlichen Theil des Inner Channel zwischen der Insel Mull und Lorn und den ganzen Mull-Sund dar. – Die grosse schöne Karte vom Kenmare River im Südwesten von Irland ist ebenfalls das Resultat einer neuen Vermessung, welche Commander Church im J. 1854 leitete. Auf Kapitän Vidal's Karte sind die Linien der magnetischen Deklination für Januar 1857 und einige neue Tiefenmessungen nachgetragen, auch die Leuchtthürme kolorirt. Diese und die zuerst aufgeführte Karte vom Mittelmeer haben unter allen vorliegenden Seekarten das meiste Interesse in allgemeiner geographischer Beziehung.]

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Bücher.

29. Der Atlas des Preussischen Staats, der sich in Format und äusserer Einrichtung an Stieler's Hand-Atlas und namentlich an die bereits früher erschienenen Karten der Deutsch-Österreichischen Kronländer anschliesst, enthält neben einer Übersichtskarte in 1:3.375.000 die Spezialkarten der Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schlesien, Ost-Preussen, West-Preussen und Posen in 1 : 900.000, der Provinz Westphalen in 1:750.000 und der Rhein-Provinz in zwei Bl. in 1: 600.000. Zum grössten Theil sind diese Blätter von Dr. H. Berghaus entworfen und gezeichnet, einige von Th. Schilling, F. v. Stülpnagel, Herm. Berghaus und C. Vogel. Sie sind das Ergebniss einer sorgfältigen Reduktion der Preussischen Generalstabskarten; nur wo solche noch fehlen, wie für die Provinzen Preussen, Schlesien und Sachsen, so wie für die angrenzenden ausser-Preussischen Gebietstheile, wurden andere Materialien, namentlich Engelhardt's Karte vom Preussischen Staate östlich von Berlin und die zum Theil von der Hand des Dr. H. Berghaus herrührenden Sektionen der Reimann'schen Spezialkarte von Deutschland, benutzt. Die Hohenzollern'schen Lande sind in einem Karton auf der Karte der Rhein-Provinz dargestellt. Topographische Pläne der Provinzialhauptstädte mit ihren Umgebungen oder anderer interessanter Örtlichkeiten, wie des in raschem Aufblühen begriffenen Badeortes Oeynhausen mit seiner merkwürdigen Soolquelle, bilden eine zweckmässige Ausfüllung der für die Karten unwesentlichen Räume. Das Übersichtsblatt enthält eine gedrängte Zusammenstellung des Areals und der Bevölkerung der Regierungsbezirke nach den zuverlässigsten Angaben.

30. Die vier bereits S. 138 des laufenden Jahrgangs dieser Zeitschrift angedeuteten Kartenblätter umfassen das südliche und östliche Schleswig und bilden in Ermangelung der jene Gegenden betreffenden noch nicht erschienenen Blätter der neuen grossen Topographischen Karte von Dänemark eine schätzbare Bereicherung unserer kartographischen Hülfsmittel von Schleswig. Diese Blätter sind gut in Kupfer gestochen, nach den Ämtern kolorirt und enthalten Tiefen-, leider aber keine Höhenangaben.

31, 32, 33. Ziegler's Karte des Kantons Zürich ist eine eben so schöne als werthvolle Fortsetzung der von uns oft erwähnten Arbeiten des um die Kartographie der Schweiz hoch verdienten Verfassers. Trotz ihrer grossen Reichhaltigkeit, einer Menge verschiedener Signaturen für die Arten der Strassen, Wohnorte, Fabriken, Mühlen, die Ausdehnung der Wälder, des Weinbau's, der Kohlenlager, für geschichtlich merkwirdige und solche Punkte, von denen man vorzugsweise eine schöne Aussicht geniesst, u. 8. w., giebt sie ein vortreffliches plastisches Gesammtbild und zeigt nirgends Überladung. Sie ist die erste Handkarte des Kantons, welche ganz auf der Vermessung desselben, auf der Topographischen Karte des Kantons Zürich in 32 Bl. und den betreffenden Sektionen der grossen Topographischen Karte der Schweiz im Maassstab von 1:100.000 beruht. Von dieser Karte liegt eine einfach und übersichtlich gehaltene, für den Schulgebrauch bestimmte Reduktion in einem kleinen Blatt vor. Eben so wird die Spezialkarte des Züricher See's von R. Gross bei ihrer sauberen, geschmackvollen Ausführung, ihrem reichen Detail, den zahlreichen Höhenund Tiefenangaben, der besonderen Unterscheidung solcher Punkte, die schöne Fernsichten bieten, Allen, die sich für die Topographie der Schweiz interessiren oder den Züricher See besuchen, willkommen sein, Das Terrain dieses Blattes ist in Kreidemanier und nicht mit derselben Sachkenntniss ausgeführt, als das der grössern Ziegler'schen Karte.

34. Rücker's Karte von Livland ist seiner ,,Generalkarte der Russischen Ostsee-Provinzen Liv-, Esth- und Kurland; Reval 1854" entnommen und stimmt in Maassstab, Signaturen u. 8. W. vollständig damit überein ; nur die Strasse von Riga nach Oppekaln ist nachgetragen. Ungern vermisst man alle und jede Darstellung des Terrains, das durch die Erhebung nicht unbedeutender Berge in der Nähe der Flachküste Interesse bietet.

36. Das südliche Blatt der Karte vom Bratsbergs-Amt in Norwegen ist in derselben vortrefflichen Weise ausgeführt, als das vor zwei Jahren erschienene nördliche. Wie auf dem letzteren finden wir auch hier eine reichhaltige Höhentafel und ausserdem Spezialkarten von Skien, Porsgrund, Brevik und Kragerö. Seit die Herstellung der Norwegischen Amtskarten von der Regierung selbst die Hand genommen und dem Kapitän Gjessing übertragen wurde, liegen nun sieben Blatt vollen

1. Dr. Theod. Kotschy, K. K. Custos-Adjunkt am Botanischen Hofkabinet in Wien: Reise in den Cilicischen Taurus über Tarsus. Mit Vorwort von Prof. Dr. Karl Ritter. Mit einer Ansicht, einer Karte und einem Höhentableau. Gotha, Justus Perthes, 1858. 2. Dr. Theodor Kotschy: Vertheilung der Pflanzen

auf dem Bulghar Dagh. Mit einem Höhentableau.

3. Memoir to accompany the map of the Holy Land constructed by C. W. 1. van de Velde, late Lieut. Dutch R. N. Gotha, Justus Perthes, 1858.

4. J. T. Barclay, Missionary to Jerusalem: The city of the Great King, or Jerusalem as it was, as it is, and as it is to be. Philadelphia, James Challen d Sons. London, Trübner & Co. (Ohne Jahreszahl.) Hit zahlreichen Illustrationen.

5. John Capper: Geschichte des Britischen Indien von seinen friihesten Urkunden bis zur Gegenwart. Beschreibung seiner Natur, Regierung, Religion, Sitten u. 8. ". Ins Deutsche übertragen von J. S. Lowe. Hamburg, 1858.

6. Fr. Aug. Lühelorf, Supercargo der Brigg Greta": Acht Monate in Japan nach Abschluss des Vertrages ron Kanagawa. Mit 11 verschiedenen Illustrationen. Bremen, H. Strack, 1858.

7. Marine - Kapitän P. A. Leupe: Reize ran Maarten Gerritsm. Vries in 1643 naar Japan, volgens het Journaal gehouden door C. J. Coen, op het schip Castricum. Maar het handschrift uitgegeven en met belangrijke bijlagen vermeered. Jet de daarbej behoorende kaart en eenige fac-similés, en geographische en ethnographische aanteekeningen, tevens dienende tot een zeemansgids naar Jezo, Krafto en de Kurilen , en stukken over de taal en voortbrengselen der AinoLanden, van Jonkheer P. F. von Siebold. Amsterdam, Fr. Muller, 1858.

Aufsätze. 8. Dr. H. Kiepert: Die Mittelmeer- Euphrat - Eisenbahn. Mit Karte. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, Februar 1858.)

9. George Windsor Earl: Contributions to the physical geography of South-Eastern Asia and Australia. (Logan's Journal of the Indian Archipelago, N. Series Vol. II, Nr. III.) Mit Kartenskizze und Profil.

10. Captain R. Macpherson: Narrative of a trip to Dok in the Muar Territory. (Ebenda.)

11. T. Braddell: The ancient trade of the Indian Archipelago. Ebenda.)

12. J. Patullo: Account of a Journey to the Lake of Ranou in the Interior of Kroee. (Ebenda.)

13. Ruprecht und Regel: Die ersten botanischen Nachrichten über das Amur-Land (Schluss). (Erman's Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, 17. Band, 2. Heft.)

14. Nachrichten über das Chanat kokan, nach dem Russischen von Weljavinow-Sernow. (Ebenda.)

karten. 15. Dr. Theod. kotschy: Skizze des Bulghar Dagh im Cilicischen Taurus zwischen den Cydnus-Quellen und dem Sarus bei Bozanti. Ust. 1: 125.000. (Zu Nr. 1.)

16. C. W. M. van de Velde: Jap of the Holy Land. Jlst. 1:315.000. Gotha, Justus Perthes, 1858.

17. C. W'. 11. van de Velde: Plun of the Town and Environs of Jerusalem, constructed from the English Ordnance-Survey and measurements of Dr. T. Tobler. With memoir by Dr. Titus Tobler. Gotha, Justus Perthes, 1858.

18. Gedaene Coursen door den Schipper Commandeur Marten Gerritsen Vries met het fluytschip Castricum Ao. 1643. (Zu Nr. 7.)

19. Die projektirte Mittelmeer-Euphrat-Eisenbahn nach der Aufnahme von llac Neill. J/st. 1:500.000. Vit Profil. (Zu Nr. 8.)

20. Section of the Indian Archipelago. (Zu Nr. 9.)

21. Vorder-İndien oder das Indo-Britische Reich zur Übersicht der Gebietsverhältnisse um die Mitte des Jahres 1857, 80 wie der Völker, Sprachen und Dialekte. Aus Dr. I1. Berghaus' Atlas von Asien. Zweite Auflage, auf Grundlage offizieller statistischer Quellen und mit Rücksicht auf die neuesten geographischen Forschungen umgearbeitet und verrollständigt. Nebst historischen und statistischen Tabellen. Ust. 1:4.000.000. Gotha, Justus Perthes, 1858.

22. Englische Admiralitäts-Karten:

a) Jara Island from the surveys of Baron Melville de Carnbee 1848. Corrections to 1857. Jlst. 1:1.337.000. Cartons : Kalang Bayang Harbour; Lagoendy Strait; Bataria Bay; Sourabaya Strait; Spoedie Strait; Samarang Bay; Zand Bay; Tytando Inlet ; Channel inside of Kambangan Island from Tytando to Tylatiap; Tylatiap Inlet ; Patytan Bay: Segoro Wedie.

b) The Strait of Sunda from the surreys of Lieuts Rietveld and Boom. 1848. Additions to 1. Nov. 1857. ust

. 1:300.000. c) China Sea. Carimata Strait. 1852. Corrections to 1857. Jlst. 1:530.000.

[1, 15. Nachdem Herr Kotschy bereits im J. 1836 als Begleiter von Russegger's Syrien und den Taurus, namentlich auch einen Theil des Bulghar Dagh, besucht hatte, wünschte er zur Vervollständigung der damals angestellten unvollständigen botanischen Untersuchungen und besonders auch zur Berichtigung der nach blosser Schätzung gemachten Höhenbestimmungen auf einer zweiten Reise das Versäumte nachholen zu können. Durch höhere Unterstützung dazu in den Stand gesetzt führte er dieselbe in den Sommer- und Herbstmonaten des Jahres 1853

Am 22. Juni gelangte er über Tarsus nach Güllek am Fusse des Bulghar Dagh und unternahm es von hier aus, diesen Theil des Cilicischen Taurus auf zahlreichen Austlügen auf das genaueste zu durchforschen; dieselben erstrec

im Osten bis zum Flusse Sarus, im Westen bis zu den Quellen des Cydnus und im Norden über den höchsten Rücken des Gebirges hinaus nach Bulghar Maaden. Herr Kotschy erzählt diese interessanten Wanderungen durch die engen Thäler, Alpen und schneebedeckten Spitzen dieses eigenthümlichen, wilden Gebirgs mit der Ausführlichkeit, aber auch mit der Frische und Lebendigkeit eines passionirten Naturforschers und Reisenden in der vor uns liegenden Bearbeitung seines Tagebuchs (312 Seiten), welcher er in einem Anhange (131 Seiten) ein geordneteres Résumé der wissenschaftlichen Resultate beigefügt hat. Wenn auch Herr Kotschy seinem Fachstudium, der Botanik, die meiste Aufmerksamkeit gewidmet hat, so ist doch auch der Geograph, der Geolog und Zoolog für die hier niedergelegten Beobachtungen dem Verfasser nicht weniger dankbar. Eine ausführliche Topographie des Bulghar Dagh, welchen er bis zur höchsten Spitze, dem 11,000' hohen Metdesis, erklommen hat, eine detaillirte Darstellung der Verbreitung der Pflanzen und Thiere an demselben und zahlreiche barometrische Höhenbestimmungen sind speziell die geographische Ausbeute dieser Reise, welche somit unsere mangelhafte Kenntniss dieses Theils Klein-Asiens erheblich befördert hat. Ausser einer sauber radirten Ansicht des Bulghar Dagh vom Meere aus ist dem Buche eine Kartenskizze desselben im Maassstab von 1:125.000, so wie ein Höhentableau (Mst. Länge: 1: 64.000, Höhe: 1:16.000) zur Übersicht über die Vertheilung der Pflanzen und Thiere beigefügt.

2. Die Resultate, welche Herr Kotschy über die Vertheilung der Pflanzen am Bulghar Dagh, hauptsächlich am Südabhange desselben, während einer dreimonatlichen Durchforschung dieses Theils des Cilicischen Taurus gesammelt und auch seinem Reisewerke einverleibt hat, sind in unveränderter Form in einer besonderen Broschüre (77 Seiten Oktav) abgedruckt, um als Erläuterung mit dem Höhentableau besonders ausgegeben zu werden. Letzteres umfasst die Cilicische Ebene vom Meeresspiegel an und das Gebirge selbst bis zur höchsten Spitze (0'—11,000') und ist in Regionen von je 1000 Fuss eingetheilt, zwischen deren Grenzen der Standort einer jeden Pflanze durch eine Zahl angegeben ist. Mit Beiziehung der Landkarte und Orientirung nach derselben auf dem Tableau dürfte es daher nicht schwer werden, sich Kenntniss über einen jeden beliebigen Standort einer Pflanze zu verschaffen.

4. Die in jüngster Zeit so sehr anschwellende Literatur über Palästina und Jerusalem ist neuerlich durch den Amerikanischen Arzt und Missionär J. T. Barclay um einen starken, über 600 Seiten haltenden Oktavband vermehrt worden. In seinem zwiefachen Beruf batte er während eines Aufenthalts von drei Jahren reichliche Gelegenheit, mit allen Theilen der heiligen Stadt und allen Klassen ihrer Bevölkerung genau bekannt zu werden. Er heilte einen Türkischen Effendi, welcher als Architekt zur Restauration der heiligen Orte nach Jerusalem gesandt war, von einer langjährigen Krankheit und hatte durch Vermittelung des dankbaren Patienten das Glück, der erste Christ seit den Zeiten der Fränkischen Herrschaft zu sein, welcher freien Zutritt in die bisher verschlossenen Riume des Tempels und zu andern heiligen Orten erhielt. Es gelang ihm hier, so wie in der Umgebung der Stadt, werthvolle Entdeckungen zu machen, z. B. die Feststellung des wahren Orts der Kreuzigung u. A. Die Aufhellung zweifelhafter, die Topographie betreffender Stellen der heiligen Schrift, das rechte Verständniss der Werke des Josephus und Berücksichtigung der mittelalterlichen Geschichte Jerusalems waren ausserdem leitende Momente für seine Untersuchungen. Bei der grossen Ausführlichkeit des Werks, den vielen beigegebenen Illustrationen einzelner Lokalitäten, Grund- und Aufrissen scheint der Verf. wenigstens ein brauchbares Guide Book für Touristen geliefert zu haben, und wenn die beigedruckten ,,kompetenten” Stimmen der Amerikanischen Presse nur zur Hälfte wahr sind, so hat derselbe jeden Falls das grosse Verdienst, jedes weitere Schreiben über Jerusalem unnöthig gemacht zu haben. Als Beitrag zur physischen Geographie Palästina's ist das XV. kapitel nicht ohne Interesse, in welchem Klima und Produkte der Umgegend von Jerusalem abgehandelt werden und eine Art Wirthschaftskalender für die üblichen Feldarbeiten, Zustand der Vegetation u. s. w. in jedem Monat des Jahres gegeben wird, ferner eine Tabelle der moi atlichen Durchschnitts-Temperatur für die Jahre 1851--55 und eine andere für den Regenfall von 1846-1854 (dieselbe haben wir schon früher gegeben; s. Heft 7, S. 296). Als ein Kuriosum dürfte der letzte Theil des Buchs noch besondere Erwähnung verdienen, in welchem Herr Barclay genau beschreibt (und durch Skizzen illustrirt), wie Jerusalem und Palästina aussehen werden

zur Zeit des tausendjährigen Reichs. Dabei kann aber der praktische Amerikaner nicht unterlassen, für jene zweifelhafte Periode des wiederkehrenden goldenen Zeitalters bereits einige nützliche, höchst weltliche Winke zu geben, z. B. in Betreff der besten Linie ,,for the construction of a railroad to the seaboard", oder „how to make the rivers serviceable for internal boat navigation". Am komischsten aber ist er jeden Falls, wenn er bei dem Gedanken an den starken Fall des grossen Flusses, der zu jener Zeit laut Prophezeiung vom jetzigen Tempel nach dem Todten Meere abfliessen wird, zu allererst ausruft: „What inconceivable power for the propulsion of machinery!”. Vorläutig wäre es jeden Falls höchst wichtig, etwas zur wirklich wissenschaftlichen Erforschung der noch wenig bekannten Theile jenes Landes zu thun, wie der Gegenden östlich vom Jordan.

5. Das nützliche und sachkundige Werk von J. Capper, Mitglied der Königl. Asiatischen Gesellschaft und vormals Redacteur des „Ceylon Examiner”, ist in seinem ersten Theile hauptsächlich historischen Inhalts. Nur die ersten 60 Seiten dieses Theils enthalten eine gedrängte Übersicht der Kontiguration des Landes und der hierauf sich gründenden natürlichen Eintheilung desselben, seiner geologischen und ethnographischen Verhältnisse, der Klimatologie und der natürlichen Produkte aus dem Pflanzen- und Thierreich. Der zweite Theil bchandelt die Lokalregierungen und fiskalischen Systeme Indiens, die Hinduische Kunst und Wissenschaft, Industrie und Ackerbau, die Handelsgeschichte und die Bevölkerung nach Sprache, Religion, Gebräuchen, Moralität u. 8. w.

6. Einen interessanten Beitrag zur Literatur über Japan hat Herr Friedr. Aug. Lühdorf geliefert. Derselbe langte im Mai 1855 als Supercargo der (Bremer) Brigg Greta in Hakodade an, die von der Ameri

aus.

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