Imatges de pÓgina
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jährlich jene Flüsse hinaufkommen und das Hauptnahrungsmittel der Bewohner bilden, vertrieben und an ihren jährlichen Wanderungen von dem Meere verhindert werden würden. Die Kommandanten der dortigen Posten der Hudsonsbai-Kompagnie haben Befehl erhalten, die Gefühle der Eingebornen in dieser Angelegenheit sorgfältig zu respektiren und keinen Unterthan der Kompagnie bei den Goldwäschen anzustellen ohne ihre vollständige Beistimmung. Von Seite der Untergebenen der HudsonsbaiKompagnie ist daher nichts zu fürchten, aber man hat Grund zur Besorgniss, dass ernstliche Konflikte zwischen den Eingebornen und den bunten Abenteurern eintreten möchten, die, aus den Vereinigten Staaten durch die Gerüchte von dem Reichthum des Landes herbeigelockt, wahrscheinlich den Widerstand der Eingebornen mit Waffengewalt zu überwältigen suchen werden und so den Frieden des Landes stören. Ich erlaube mir desshalb zu bemerken, dass in einem solchen Fall es wohl nicht zweifelhaft sein wird, ob die Eingebornen ein Recht auf den Schutz der Regierung haben, und ob nicht ein Beamter ohne Verzug zu diesem Zweck mit der nöthigen Autorität zu bekleiden sein sollte."

Mit Bezug auf diesen letzteren Punkt und in Erwartung, dass ein Beamter angestellt werden möchte, um die Eingebornen vor Gewaltthätigkeiten zu schützen und so viel als möglich den Frieden im Lande aufrecht zu erhalten, erliess Gouverneur Douglas vorläufig am 28. Dezember 1857 eine Proklamation, worin er an die Rechte der Krone erinnerte und eine bestimmte Taxe für die Erlaubniss zum Goldgraben festsetzte. „Alle Goldminen”, heisst es darin, „und alles Gold an seinem natürlichen Lagerplatz, innerhalb der Distrikte am Fraser und Thompson River, gemeinhin als Quââtlan-, Couteau- und Shuswap-Länder bekannt, sowohl auf dem Gebiete der Königin als auf dem von irgend einem Unterthan Ihrer Majestät, gehören der Krone. Alle Personen, welche in den genannten Distrikten von irgend einem Lande Gold, gediegen oder als Gold- . erz, wegnehmen oder im Boden darnach graben, ohne hierzu von der Kolonial-Regierung autorisirt zu sein, werden durch die Gesetze verfolgt werden.” Diese Bestimmung .sollte am 1. Februar 1858 in Kraft treten und die Taxe für die Erlaubniss zum Goldgraben wurde vorläufig auf 10 Schilling (3 Thlr. 10 Sgr.) per Monat, pränumerando zu bezahlen, festgesetzt mit dem Vorbehalt, sie zu erhöhen, wenn die Ausbeute eine sehr ergiebige sein sollte. Bei Übersendung einer Kopie dieser Proklamation schrieb Douglas d. d. 29. Dezember 1857: „Nach den neueren Nachrichten über die „Couteau-Minen" (so genannt nach dem Indianer-Stamm, welcher das Land bewohnt) scheint sich der Goldreichthum des Landes täglich in ausgedehn

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1858, Heft XII.

terer Weise zu enthüllen durch die Anstrengungen der Indianer, welche die Süssigkeit des Goldfindens gekostet haben und jetzt viel Zeit und Fleiss darauf verwenden. Sie ermangeln jedoch noch fast aller Werkzeuge und müssen desshalb das Gold mit Messern ausgraben oder ihre Finger zu diesem Zweck benutzen, ein Umstand, der bis zu einem gewissen Grade die bisher geringe Produktion erklärt; seit dem 6. Oktober d. J. sind nämlich nur etwa 300 Unzen exportirt worden. Dadurch lässt sich auch die allgemein gehegte Ansicht erfahrener Goldgräber von dem Reichthum der Goldlager mit der jetzigen Unbedeutendheit des Ertrags in Einklang bringen.”

Weiter erfahren wir aus einem Schreiben vom 6. April 1858: „Das Goldsuchen ist bis zu den letzten Nachrichten aus dem Innern fast ausschliesslich von der eingebornen Indianer-Bevölkerung fortgesetzt worden, welche die Lager entdeckt und fast alles Gold, etwa 800 Unzen, das bis jetzt exportirt wurde, 'ausgegraben hat und welche überdiess äusserst eifersüchtig auf die Weissen ist und sich dem Nachgraben dieser nach Gold kräftig widersetzt. Die wenigen weissen Männer, welche den Winter bei den Minen zugebracht haben, hauptsächlich frühere Diener der Hudsonsbai-Kompagnie, wurden trotz ihrer genauen Bekanntschaft mit dem Charakter der Indianer durch diese an allen Versuchen zum Goldgraben verhindert. Überall wurden sie ängstlich bewacht und jedes Mal, wenn ihnen gelungen war, die oberflächliche Erdschicht zu entfernen und bis auf das Gold-führende Lager auszugraben, wurden sie von den Eingebornen ruhig hinweggedrängt, die sich auf solche Weise in den Besitz der Stelle setzten und die Früchte der Arbeit jener Männer zu ernten begannen. Ein solches Benehmen war unverantwortlich und im höchsten Grade herausfordernd, aber die Wilden waren bei weitem zu zahlreich, als dass die Weissen hätten wagen können, sich ihrem Willen zu widersetzen. Es ist jedoch bemerkenswerth und ein für den Charakter jener Wilden höchst ehrenvoller Umstand, dass sie bei jeder Gelegenheit Person und Eigenthum ihrer weissen Besucher gewissenhaft respektirt haben, während sie zu gleicher Zeit ihren Entschluss aussprachen, das Gold zu ihrem eignen Vortheil zu reserviren. Die Ausdehnung der Goldregion ist nur' erst unvollkommen bekannt und ich bin daher zu keiner bestimmten Ansicht über ihren wirklichen Werth als Goldproducirendes Land gekommen. Die Grenzen des Golddistrikts haben sich jedoch seit meinem letzten Berichte bedeutend erweitert. Ausser den vorher bekannten Minen am Thompson River und seinen Zuflüssen wurde neuerdings von den Eingebornen ein werthvolles Lager an einem Ufer des Fraser River, etwa 5 Engl. Meilen oberhalb der Mündung des Thompson, entdeckt und in kleinen Mengen

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hat man auch Gold im Besitz der Eingebornen bis hinauf zu den Grossen Fällen des Fraser River, etwa 80 Engl. Meilen oberhalb der Forks (Zusammenfluss des Thompson und Fraser River), vorgefunden. Die kleine Menge des bis jetzt producirten Goldes, etwa 800 Unzen, ist jedoch unerklärlich in einem reichen Goldlande, wenn wir nicht annehmen, dass der Mangel an Geschick, Fleiss und den geeigneten Werkzeugen bei den Indianern die Schuld trägt. Die geologischen Eigenthümlichkeiten, wie sie ein erfahrener Goldgräber beschrieb, ermuthigen allerdings zu dem Glauben, dass das Land in hohem Grade goldhaltig ist; denn dieser Mann beschrieb deutlich die älteren Schiefer-Formationen, die von Quarzlagern, Granit, Porphyr und andern plutonischen Gesteinen gehoben und durchbrochen sind, die mächtigen Anhäufungen von Sand, Kies und Gerölle, die sich von dem Fuss der Berge nach den Ufern des Fraser River und seiner Zuflüsse erstrecken und welche den eigenthümlichen Charakter der Golddistrikte in Kalifornien und anderen Ländern ausmachen. Wir hoffen daher und bereiten uns vor auf eine reiche Handelsernte, welche dieser Kolonie zum grossen Vortheil gereichen wird. Trotzdem dass die von mir erlassene Proklamation in den Zeitungen von Oregon und Washington bekannt gemacht wurde, sind einige 70 oder 80 Abenteurer von der Amerikanischen Seite nach den CouteauMinen gegangen, ohne Erlaubniss einzuholen.”

Um dieselbe Zeit schrieb Douglas an den Gouverneur der Hudsonsbai-Kompagnie, John Shepherd, dass er im März selbst in Fort Langley gewesen sei, um eine Anzahl Leute zum Bau des Forts Dallas und eine andere Anzahl mit weiteren Waarenvorräthen nach dem Thompson River abzuschicken. „Fast die ganze bewegliche Bevölkerung der Kolonie ist nach den Goldminen am Thompson River gezogen. Dort wird grosses Elend aus Mangel an Lebensmitteln entstehen, da das Land ohne Hülfsquellen und der Transport von der Seeküste aus schwierig und kostspielig ist.

Herrn Simpson's Transport-Gesellschaft hatte einige Schwierigkeiten oberhalb der Fälle zu überwinden und verlor zwei Kähne, die auf den Felsen zerschellten, jedoch wurden die Waaren gerettet und kein Menschenleben ist zu beklagen. Ein erfahrener Bergmann, den ich zu Fort Langley traf, versicherte mich, dass das Land weit reicher an Gold sei, als der Colvile-Distrikt. Die hauptsächlichsten Minen befinden sich an den Ufern des Fraser River, etwa 5 Engl. Meilen oberhalb der Forks."

In einer längeren Depesche an die Englische Regierung, vom 8. Mai 1858, lesen wir ferner: „Seit ich die Ehre hatte, am 6. April d. J. über die Couteau-Minen zu berichten, sind diese mehr als je eine Quelle der Anziehung für die Bewohner von Washington und Oregon ge

worden und aus den Nachrichten, die in den letzten Zeitungen von San Francisco veröffentlicht wurden, geht hervor, dass eine ungeheure Aufregung unter den Bewohnern dieser bewegten Stadt über denselben Gegenstand herrscht. Das Couteau-Land wird dort in Bezug auf Mineralreichthum als ein zweites Kalifornien oder Australien dargestellt und betrachtet und jene Eindrücke werden unterhalten durch die falschen und übertriebenen Angaben von Dampfboot-Besitzern und anderen interessirten Gesellschaften, welche durch den Auswanderungsstrom profitiren, der sich jetzt kräftig nach dieser Gegend in Bewegung setzt. Boote, Kähne und alle Arten kleiner Fahrzeuge sind ohne Unterlass beschäftigt, ihre Fracht von mehschlichen Wesen am Fraser River auszuladen, und man vermuthet, dass nicht weniger als 1000 Weisse sich schon bei der Arbeit und auf dem Wege nach den Goldminen befinden. Viele Unglücksfälle haben sich in den gefährlichen Stromschnellen dieses Flusses ereignet; eine grosse Anzahl Kähne sind zerschellt und ihre Ladungen durch den mächtigen Strom fortgespült, während von den unglücklichen Abenteurern viele in die Ewigkeit getragen wurden. Die Übrigen, keineswegs abgeschreckt durch den Anblick des Unterganges und ermuthigt durch die Hoffnung, Reichthümer zusammenraffen zu können, drängen immer noch vorwärts nach dem ersehnten Ziel ihrer heissesten Wünsche. Am 25. April kam der Amerikanische Dampfer „Commodore" von San Francisco mit 450 Passagieren in Victoria an, von denen die Meisten Goldgräber für das Couteau-Land sind. Fast 400 dieser Leute wurden hier ans Land gesetzt und sind seitdem in Booten und Kähnen nach dem Fraser River abgegangen. Durch Erkundigungen überzeugte ich mich, dass diese Leute alle gut mit MinenWerkzeugen versehen sind und dass unter ihnen kein Mangel an Kapital oder Intelligenz ist. Etwa 60 Britische Unterthanen, eben so viel eingeborne Amerikaner, im Übrigen meistens Deutsche mit einer kleinen Anzahl Franzosen und Italiener bildeten diese Gesellschaft Abenteurer. Sie werden mit einigen Ausnahmen als eine Probe des schlechtesten Theils der Bevölkerung von San Francisco bezeichnet, als die Hefe der Gesellschaft. Ihr Benehmen bei ihrem Aufenthalt in Victoria würde mich jedoch zu. einer ganz anderen Meinung geführt haben; denn obwohl unsere kleine Stadt durch diesen plötzlichen Andrang von Menschen über die Maassen angefüllt, ein zeitweiliger Mangel an Lebensmitteln und Behausungen fühlbar, die Polizei schwach und die Versuchung zu Excessen im Trinken häufig geboten war, so herrschte doch Ruhe und Ordnung und es kam nicht eine einzige Verhaftung wegen Ausschweifungen, Trunkenheit oder anderer Vergehen während ihres Aufenthaltes hier vor. Die Kaufleute und anderen Geschäftsklassen von Victoria freuen sich über die Ankunft einer so grossen Anzahl Leute in der Kolonie und sind sehr geneigt, diesen Hafen zu einem Haltepunkt zwischen. San Francisco und den Goldminen zu machen und die letzteren so zu sagen in einen Ernährer und eine Dependenz dieser Kolonie umzugestalten. Victoria würde auf solche Weise ein Dépôt und Handelscentrum für die Golddistrikte werden und die natürliche Folge würde ein sofortiger Zuwachs an Reichthum und Bevölkerung der Kolonie sein. Um dieses Ziel zu erreichen, wird es erforderlich sein, durch alle möglichen Mittel den Transport von Passagieren und Gütern nach dem fernsten schiffbaren Punkt des Fraser River zu erleichtern, und offenbar das beste Mittel hierzu ist die Anwendung leichter Dampfboote zum Dienst zwischen diesem Hafen (Victoria) und den Fällen des Fraser River, die sich 130 Engl. Meilen von der Mündung des Flusses in den Golf von Georgia befinden. An jenen Fällen beginnen nach der allgemeinen Annahme die lohnenden Goldminen und von da würden die Gräber leicht ihren Weg zu Fuss oder nach den Sommer-Hochwassern auf dem Fluss ins Innere des Landes fortsetzen. Hierdurch würde auch der ganze Handel der Goldregionen den Weg auf dem Fraser River nehmen und dem Britischen Gebiet verbleiben, wobei sich eine werthvolle Absatzquelle für Britische Manufakturen eröffnen und sofort ein gewinnreicher Handel zwischen dem Mutterlande und Vancouver-Insel aufspringen würde. Sieht man die Sache einfach in Rücksicht auf Handel und Verkehr an und lässt die nationale Politik ausser Betracht, so würde diess wohl der beste Weg sein, um die Interessen der Kolonie zu fördern; aber wird das Land jeder Einwanderung ohne Unterschied aufgeschlossen, so können auf der anderen Seite die Interessen des Reiches durch die Einführung einer fremden Bevölkerung leiden, deren Sympathien vielleicht entschieden antibritisch sind. Sieht man die Sache so an, so hat sie ein beunruhigendes Aussehen und erregt Zweifel, ob es klug sei, den freien Eintritt Fremder in das Britische Gebiet zum Aufenthalt daselbst zu erlauben, ohne vorher von ihnen zu verlangen, dass sie den Unterthaneneid schwören und solche Garantie ihres Verhaltens geben, wie sie die Regierung des Landes für geeignet und nothwendig erachten mag. Meine Ansicht ist jedoch, dass, im Falle sich die Minen als lohnend erweisen, es unmöglich sein wird, den Strom der Einwanderung zu hemmen, selbst wenn man den Fraser River verschliessen wollte, da sich dann die Goldgräber auf dem Wege des Columbia-Flusses Eingang in den Golddistrikt erzwingen würden; und in diesem Falle würde der werthvolle Handel des Landes, von seinem natürlichen Laufe in einen fremden Kanal abgelenkt, dieser Kolonie ganz ver

loren gehen. Sollten dagegen die Goldlager als nicht lohnend befunden werden, eine bis jetzt noch unentschiedene Frage, so stirbt aller Wahrscheinlichkeit nach die gegenwärtige Aufregung von selbst dahin und die Goldgräber, welche keine Aussicht mehr auf grossen Gewinn haben, werden natürlich ein Land verlassen, das ihnen nichts bietet, was sie zum Bleiben verlocken könnte. Bis der Werth des Landes in Bezug auf die Goldproduktion durch deutlichere Beweise festgestellt ist, als sich jetzt zu seinen Gunsten vorbringen lassen und dieser Punkt wird ohne Zweifel vor dem Schlusse des gegenwärtigen Jahres entschieden sein möchte ich einfach empfehlen, dass eine kleine Marine- oder Militärmacht der Kolonial-Regierung zur Verfügung gestellt werde, um uns in den Stand zu setzen, den Frieden aufrecht zu erhalten und Gehorsam gegen die Gesetze zu erzwingen. Die Maassregel, Erlaubnissscheine zum Goldgraben auszugeben, ist noch nicht zur Anwendung gekommen. Eine einfachere Methode, eine Steuer zu erheben, bestände vielleicht darin, dass man einen Zoll auf alle Einfuhrartikel legte, die auf dem Fraser oder Columbia River ins Land gebracht werden. Diess liesse sich mit geringen Kosten ins Werk setzen mittelst einer Zoll-Station am Fraser River und einer anderen an dem Punkte, wo der Weg von dem Columbia-Fluss die Furth des Okanagan trifft, da diese die beiden einzigen Zugänge zum Couteau-Lande für den Handel bilden. Die Gold-Ausfuhr ist immer noch unbedeutend, seit meinem letzten Schreiben überstieg sie nicht 600 Unzen '). Die hauptsächlichsten Minen sollen gegenwärtig überschwemmt sein und werden es wahrscheinlich noch für einige Monate bleiben, so dass die Goldproduktion, wenn man nicht andere Lager fern von den Flussbetten entdeckt, nicht zunehmen wird, bis das Sommer

1) In einem Briefe des Gouverneur Douglas an W. G. Smith, Sekretär der Hudsonsbai-Kompagnie, d. d. 18. Februar 1858, heisst es : „Man sagt, dass das Land eben so reich sei, als irgend ein Theil von Kalifornien, obwohl wir bis jetzt noch keinen genügenden Beweis dafür haben und manche Umstände eher zu Gunsten einer gegentheiligen Meinung sprechen. Es ist z. B. bekannt, dass der Export von Goldstaub aus dem Staate Kalifornien während der ersten 8 Monate nach der Entdeckung des Goldes in jenem Lande 150,000 Unzen überstieg und dass sich der Strom des Goldes in jener Zeit seinen Weg in alle Nachbarländer gebahnt hatte. Auch wir nahmen zu Fort Vancouver Theil daran, wo wir in den Läden der Kompagnie etwa 8000 Unzen im Laufe von wenigen Monaten kauften, und das bildete nur einen kleinen Theil von der Goldmenge, die in das Land gebracht war. Der sicher ermittelte Export vom Thompson River aber beträgt bis jetzt nicht viel über 500 Unzen, und giebt man zum Behuf der Vergleichung zu, dass sich eine gleiche Quantität noch in den Händen der Gräber und in unserem Etablissement am Thompson River befindet, so ergiebt sich als Totalertrag seit der Entdeckung etwa 1000 Unzen, und wenn wir auch das Missverhältniss in der Zahl und Geschicklichkeit der grabenden Bevölkerung in beiden Ländern berücksichtigen, so ist diess doch ein verhältnissmässig kleiner Ertrag im Vergleich zu dem der ersten 8 Monate in Kalifornien. Der Schluss ist einleuchtend, aber doch kann sich der Thompson River vielleicht noch als ein sehr ergiebiger Golddistrikt erweisen.”

Hochwasser vorüber ist, was vermuthlich um die Mitte des August der Fall sein wird. In der Zwischenzeit werden die schlecht mit Lebensmitteln versehenen Abenteurer, die dahin gegangen sind, ihre Vorräthe verzehren und wahrscheinlich das Land bis zu einer günstigeren Jahreszeit wieder verlassen müssen."

Das Antwortschreiben von Sir E. Bulwer Lytton, d. d. 1. Juli 1858, billigt die bisherigen Maassregeln des Gouverneur Douglas und stellt das fernere Verhalten im Allgemeinen seinem Gutdünken anheim ). Eine bestimmtere Instruktion liegt nur in folgenden Worten: „Ganz besonders legt Ihnen Ihrer Majestät Regierung ans Herz, dass, während sie entschlossen ist, die diesem Lande zustehenden Rechte der Regierung und des Handels festzuhalten, und damit umgeht, Sie mit einer solchen Militärmacht zu versehen, wie sie zu Ihrem Beistand und Ihrer Unterstützung bei Aufrechthaltung von Gesetz und Ordnung wird abschicken können, es nicht in ihrer Politik liegt, Amerikaner oder andere Fremde von den Goldfeldern auszuschliessen. Im Gegentheil werden Sie ausdrücklich angewiesen, ihrer Einwanderung zum Zweck des Goldgrabens kein Hinderniss irgend welcher Art in den Weg zu legen, so lange sie eben so wie Ihrer Majestät Unterthanen die Autorität derselben anerkennen und sich den Maassregeln unterwerfen, die Sie zu treffen für geeignet befunden haben mögen. Das nationale Recht der Schifffahrt auf dem Fraser River ist natürlich eine Frage für sich und die Regierung muss sich dasselbe reserviren.”

Andere Angaben über die Goldlager. Wie aus dieser Korrespondenz hervorgeht, ist über die Ausdehnung der Goldlager noch nichts Sicheres bekannt. Auf einer Karte eines Theiles des Fraser River von J. Arrowsmith, welche zugleich mit der Korrespondenz publicirt wurde, finden wir an fünf Stellen das Vorkommen von Gold angedeutet: Fort Yale gegenüber am linken Ufer; oberhalb Kiekaluse; bei dem Indianer-Dorf Tucumjane am Zusammenfluss des Thompson mit dem Fraser River; wenige Meilen oberhalb der Forks am linken Ufer des Fraser, und an dem Nikowemin, einem Nebenfluss des Thompson River. Nach J.

Wyld's Karte vom 9. August 1858 erstrecken sich dagegen die Goldlager ununterbrochen an beiden Ufern des Fraser von Fort Hope bis zu den grossen Fällen an der Einmündung des Bridge und von Attuas bis Fort Alexander; ferner soll hiernach am Lac de Mort, an den von Norden kommenden Zuflüssen des Kenloop-See's, an den südlichen Zuflüssen des Schuschwap-See's, am Columbia zwischen den Arrow-See'n und in Washington südlich von Fort Colville, am Pisquouse, einem Nebenfluss des Columbia, am Chihalis westlich von Olympia, am Cedar, Snoqualmoo und Skagit, die alle drei in den Admiralty Inlet münden, Gold gefunden worden sein. Auf seiner Karte vom 16. Juli 1858 giebt J. Wyld ausserdem das Vorkommen von Gold längs beider Ufer des Okanagan-See's, am oberen Laufe des Fraser längs der Felsengebirge und am Stuart River oberhalb Fort George an. Die meisten dieser Angaben beruhen jedoch nur auf den Aussagen der Indianer, die namentlich an den Nebenflüssen des Thompson River auch wirklich Gold gegraben haben. Die Minen der Weissen beschränkten sich bis Mitte dieses Jahres auf die Ufer des Fraser River von Fort Hope bis zu den Forks. Auch bei Whatcom an der Bellingham-Bai, von wo die Amerikanischen Einwanderer in wenigen Wochen eine Strasse nach Fort Hope durch den Wald geschlagen haben, soll die Erde goldhaltig sein ') und eben so bei Victoria auf Vancouver-Insel 2); selbst von Queen Charlotte-Insel wurden Proben von Goldquarz nach London gebracht, die Professor James Tennant am King's College untersuchte und von ähnlicher Beschaffenheit fand, wie den von Australien und anderen Ländern. Dass also Gold an vielen Stellen wirklich existirt, kann keinem Zweifel unterliegen, dass aber die Lager ergiebig und lohnend sind, scheint nach den neuesten Nachrichten kaum annehmbar. Die bis jetzt nach England geschickten Proben erwiesen sich übrigens als weniger werthvoll als die von Australien und Kalifornien, denn nach Professor Tennant 3) ist die Unze Goldes aus Australien 4 Pfd. Sterling, aus Kalifornien 3 Pfd. 15 Schill., vom Fraser River 3 Pfd. 11 Schill. werth ).

") Ein Korrespondent der „Times” (27. August 1858) lobt das Verhalten des Gouverneur in seiner schwierigen Lage ausserordentlich. Er habe es verstanden, die Rechte der Regierung und der Kompagnie kräftig zu wahren und doch zugleich den neuen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Trotz des Influxes von vielen tausend Abenteurern wusste er überall Friede und Ordnung zu erhalten, ging selbst mehrmals nach dein Fraser River, um für die Bedürfnisse der Goldgräber zu sorgen, die an den nothwendigsten Lebensmitteln Mangel litten, sorgte für die Beschaffung von zwei Dampfern, die regelmässig zwischen Victoria und Fort llope hin und her fuhren, und verhinderte den Wucher dadurch, dass er selbst grosse Vorräthe autkaufte und zu mässigen Preisen abliess, wobei Niemand mehr Provisionen erhielt, als er für sich brauchte. Alle Gutgesinnten lobten diese Maassregeln, wenn auch einige Spekulanten sich in ihren Hoffnungen getäuscht sahen,

1) Brief eines Norwegers aus Whatcom vom 12. Juli 1858 im Feuilleton von Nr. 240 der „Hamburger Nachrichten".

2) Times, 27. August 1858.
3) Athenaeum, 2. Oktober 1858, S. 431.

4) Die ludsonsbai-Kompagnie bezahlt in Fort Hope für die Unze Goldes 154 Dollars oder 20 Thlr. 214 Sgr. oder 3 Pfd. Sterl. 2 Schill. (Brief eines Miners in der „Bergens-Post", abgedruckt im „Abendblatt der Wien. Ztg." vom 13. Noveňber.) Dem „Portland Standard" vom 19. Mai 1858 wird geschrieben: Am Pen d'Oreille kommt das Gold in Blättchen und feinem Staub vor. Das am Schuschwap ist gröber und 18 Dollars bis 18 Dollars 50 Cents per Unze werth. Einige Miner sagen aus, dass gute Goldlager an den Ufern des Okanagan-See's und seines Austlusses, so wie an den Zuflüssen des See's gefunden werden. (New York Semi-Weekly Tribune, 11. Juni 1858.)

Auch am 1) Spezielle Auskunft über diese Indianer findet man u. A. in John Scouler's Observations on the Indigenous Tribes of the N. W. Coast of America (Journal of the R. G. S. of London, XI, 1841, pp. 215250); ferner in Hale's Indians of North-West America (Transactions of the American Ethnological Society. Vol. II, 1848, pp. XITI bis CLXXXVIII und pp. 1 bis 130); in Findlay's Directory, etc., wo alle älteren Angaben bis 1851 sorgfältig benutzt und verarbeitet sind; vieles Einzelne auch in dem Bericht des Komité über die HudsonsbaiKompagnie und in den Briefen des Missionärs Duncan, des ersten protestantischen Missionärs in Britisch-Columbia, der im Jahre 1857 seine Thätigkeit zu Fort Simpson begonnen hat (The Church Missionary Intelligencer, November und Dezember 1858). Ältere und neuere Angaben, sowohl über die Indianer als über die sonstigen Verhältnisse der Kolonie, findet man gut zusammengestellt in der fleissigen Kompilation von William Carew Hazlitt: „British Columbia and Vancouver Island, etc. London, G. Routledge & Co., 1858.”

so steil ist, dass man genöthigt ist, vom Pferde zu steigen, und der einen ganzen Tag zur Ersteigung erfordert; und das Thal des Peace River in der Nordgrenze der. Kolonie.

Die Indianer-Bevölkerung des Festlandes. – Die hauptsächlichsten Indianer-Stämme, welche Britisch-Columbia bewohnen, sind nach Hale die Tahkali oder Carrier im Norden, die Schuschwap oder Atnah im Centrum, die Selisch oder Flatheads im Süden, die Coutanies am oberen Columbia, und längs der Küste die Chimsain und Hailtsa. Sie unterscheiden sich von ihren östlichen Nachbarn sehr wesentlich dadurch, dass sie fast ausschliesslich vom Fischfang leben und desshalb mehr feste Wohnsitze haben. Über ihre physischen Eigenthümlichkeiten, ihre Sitten und Gebräuche ist verhältnissmässig mehr geschrieben worden, als über ihr Heimathland selbst, für jetzt würde es uns aber zu weit führen, hierauf näher einzugehen '). Ihre Anzahl hat man annähernd dadurch zu bestimmen gesucht, dass man diejenigen zählte, welche zu den verschiedenen Forts der Kompagnie kamen. So erhielt man für 1856 im Ganzen die Zahl 64,300, nämlich 2): Fort Colville

800 Fort St. James Kutanie

500

McLeod
Langley

Fraser
Simpson 45000

Alexandria 12,000
Thompson !

George
Hope

Babine

Conolly Viele der nach Fort Simpson kommenden Indianer und ebenso viele unter denen, welche die Forts Colville und Kutanie frequentiren, leben jedoch nicht innerhalb der Kolonie. Hale giebt folgende Zahlen: Tahkali 2000, Coutanies 400, Schuschwap 1200 und Selisch 3000; jeden Falls viel zu niedrige Annahmen, wenn er unter diesen Stämmen hauptsächlich die Bevölkerung von Britisch-Columbia begreift, denn es ist bekannt, dass das Britische Nord-Amerika westlich von den Felsengebirgen weit besser bevölkert ist, als östlich davon ).

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Die Wege nach den Goldminen; der Fraser River. Den Hauptzugang zu den Goldminen bildet der Fraser River selbst. Emilius Simpson, der ihn 1827 im Schoner Cadboro von der Mündung bis Fort Langley aufnahm, fand den Eingang zwischen der Sturgeon- und Robert - Bank eine halbe Englische Meile breit und 5 bis 6 Faden tief und die Tiefe des Fahrwassers bis Fort Langley betrug nur an manchen Stellen 4 Faden, meist aber 5, 6 bis 10 Faden. Bis dahin können also auch grosse Schiffe gehen, aber diess ist freilich nur eine Strecke von etwa 25 Engl. Meilen. Im Jahre 1858 sind zwei Flussdampfer wiederholt bis Fort Hope hinaufgegangen, einer davon lief jedoch später unterhalb des Forts auf den Grund und war dadurch auf längere Zeit unbrauchbar geworden. Da diess zur Zeit des Hochwassers geschah, so lässt sich annehmen, dass der Fluss nur im giinstigsten Falle bis Fort Hope (105 Engl. Meilen von der Mündung) mit Dampfern befahren werden kann. Gegen Mitte August, als das Wasser bei Fort Hope um 22, bei Fort Yale um 4į Fuss gefallen war, musste auch der zweite Dampfer seine Fahrten nach Fort Hope einstellen '). Bei Fort Yale beginnen dann Stromschnellen und Katarakten, die sich zwischen Kiekaluse und Quayome wiederholen und auch für Kähne nicht zu passiren sind. Weiter aufwärts finden sich zwar lange schiffbare Strecken, aber sie werden von Katarakten und Stromschnellen unterbrochen, so dass Sir George Simpson, der 1828 von Stuart Lake mit drei Kähnen den Fluss hinabfuhr, zu der Überzeugung kam, er sei kaum für irgend ein Fahrzeug zu benutzen 2). Der Fraser River wird daher als Kommunikationsmittel mit dem Inneren nur von untergeordneter Bedeutung sein und bis jetzt ging auch der Handel von: Neu - Kaledonien über Land nach Okanagan und von da den Columbia hinab. Das merkwürdige Netz von Kanälen und Einfahrten, das sich an der ganzen Küste hin erstreckt und oft weit in das Land hineingreift, wird einst dem Verkehr an diesen Küsten um so mehr zu Statten kommen, als es ganz besonders günstige Bedingungen für die Dampfschifffahrt bietet ). Von Osten her kennt man bis jetzt drei Zugänge zu BritischColumbia, einen Pass in der Nähe der Grenze mit Washington, den Sir George Simpson überschritten und ungefähr 8000 Engl. Fuss hoch gefunden hat; einen zweiten Pass zwischen Mount Hooker und Mount Brown, der nach John Miles' Aussagen vor dem Komité an der Westseite

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4000

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2000

Harrison River soll Gold gefunden worden sein. (Canadian News and British Columbian Intelligencer, 1. September 1858.)

2) Report from the Select Committee, etc. p. 365 bis 367.
3) S. Geogr. Mitth. 1858, Heft II, s. 72.

1) Vancouver Island Gazette, 14. August 1858.
2) Sir George Simpson, Journey round the World, in 1841–42.

3) s. die ausführliche Beschreibung der ganzen Küste in A. G. Findlay's Directory for the Navigation of the Pacific Ocean. Part I, pp. 389-436.

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