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Burton's Expedition nach dem Grossen See Inner- Afrika's.

Die neuesten brieflich an uns ergangenen Nachrichten über diese Expedition) sind sehr wichtig. Zwar lag der unternehmende Leiter, Kapitän Burton, selbst krank darnieder, und leider ist zu befürchten, dass seine Constitution bereits ernstlich und nachhaltig angegriffen und geschwächt worden ist; aber sein Begleiter, Kapitän Speke, war bis nahe an Ujiji, und zwar bis 31° 22' Östl. L. v. Gr. und 5° 15' S. Br., also etwa 500 Engl. Meilen weit von der Küste ins Innere vorgedrungen. Diese Entfernung korrespondirt mit der zwischen Tripoli und Mursuk, oder Walfisch-Bai und Ngami-See, oder Loanda und Cabango. diesem Punkte aus, wird berichtet, soll der See Ukerewe nordnordöstlich liegen. Man darf wohl nicht ohne Grund hoffen, dass die nächste Nachricht von Speke seine Ankunft an jenem berühmten und interessanten See anzeigen wird. Immerhin werden die Resultate der Reise bis Ujiji schon von grösster Bedeutung für die Geographie Inner-Afrika's sein.

Du Chaillu’s Reisen im äquatorialen Theile von Afrika.

In dem Aufsatze über Süd-Afrika im 5. Hefte dieses Jahrganges wurde erwähnt, dass ein Amerikanischer Naturforscher, Du Chaillu, vom Gabun nach den Quellen des Congo vorzudringen im Begriff stehe. Jeden, der sich für die Geographie Afrika's interessirt, muss ein solches Unternehmen mit der grössten Theilnahme erfüllen, denn das Gelingen dieser Reise würde einen Theil der wichtigsten geographischen Probleme der Äquatorial-Zone Afrika's lösen; und selbst wenn es dem kühnen Reisenden nicht gelingen sollte, sein Ziel zu erreichen, so sind schon die bisher von ihm ausgeführten Forschungen in den fast gänzlich unbekannten Küstenländern in der Nähe des Gabun und des Kap Lopez von so hohem Interesse, dass einige Notizen über dieselben willkommen sein werden. Wir verdanken sie dem Dr. med. Hartlaub in Bremen, der für die Geographie und specieller für die Ornithologie Afrika's ausserordentlich thätig ist, mit vielen Punkten an der Westküste dieses Erdtheils in lebhaftem wissenschaftlichem Verkehr steht und sich erst noch kürzlich durch sein ,,System der Ornithologie West - Afrika's" in weiteren Kreisen bekannt gemacht hat.

Er schreibt uns Folgendes:

Pierre Beloni Du Chaillu, Franzose von Geburt, reist seit einigen Jahren im Auftrage und Solde der Academy of Natural Sciencés zu Philadelphia, und zwar in Gabun, einem naturgeschichtlich ebenso unbekannten als überaus reichen und eigenthümlichen Gebiete des tropischen Afrika. Er reist eigentlich nur als Sammler für jenes wissenschaftliche Institut, scheint aber seinen bisherigen Mittheilungen nach einen weiteren Horizont seiner Anschauungen zu haben, als die Mehrzahl ähnlicher Reisender. Herr John Cassin, ein Angestellter der Akademie zu Philadelphia, welcher sich ganz speciell für Du Chaillu interessirt und dessen Sammlungen und Mittheilungen in Empfang nimmt, berichtet darüber von Zeit zu Zeit in den „Proceedings” der Akademie. Die erste derartige Nachricht befindet sich

in den Proceedings vom April 1855 S. 324. Er spricht dort von den bis dahin gemachten Sammlungen geologischer Gegenstände und es heisst u. A.: „Ein unternehmender junger Reisender, welcher ausgedehnte und fast unbekannte Gegenden von West-Afrika in der Nähe des Äquators erforscht hat, und dessen zoologische und geographische Entdeckungen in einem hohen Grade wichtig und interessant sind. Herr Du Chaillu überzeugte sich von der Existenz dreier Bergketten in der Entfernung von 150 Engl. Meilen von der Küste, in welchen er den Fluss Moonda bis zu dessen Quelle verfolgte.” Zu einem in der Februar-Nummer 1857 der Proceedings abgedruckten Katalog von Vögeln, welche Du Chaillu im Jahre 1856 am Flusse Muni sammelte, bemerkt Herr Cassin ferner: „Die Vögel, welche in diesem Kataloge aufgezählt werden, sammelte Herr Du Chaillu auf einer Reise längs des Flusses Muni, die er in der Hoffnung antrat, die vermeintliche Quelle des Congo, wie sie auf neueren Karten angegeben wird, erreichen zu können. Diess gelang ihm jedoch nicht, da er durch hohe Bergketten aufgehalten und dadurch an der Weiterreise verhindert wurde, dass die Negervölker an dem äussersten, von ihm erreichten Punkte keinem ihrer Leute erlaubten, ihn zu begleiten und offenbar nichts von den Nationen jenseits der Berge wussten. Er drang bis 250 oder 300 Engl. Meilen von der Küste vor und verfolgte den Muni bis an dessen Quelle.

„Herr Du Chaillu steht gegenwärtig im Begriff, den Fluss Camma (etwa in 1° 30' S. Br.) aufwärts zu gehen, abermals in der Hoffnung, den Congo zu erreichen, und wenn ihm diess gelingt, denselben bis zur Quelle zu verfolgen. Mit dieser Reise wird er das gegenwärtige Jahr ausfüllen und er ist durch die Freigebigkeit der Akademie mit der nöthigen Ausrüstung für dieses kühne und gefahrvolle Unternehmen hinreichend versehen."

Endlich theilt Herr Cassin in der Sitzung der Akademie vom 17. November 1857 einen sehr interessanten Brief Du Chaillu's mit, datirt Fernando Paz-Fluss, den 17. August 1857. Hier heisst es: „Auf der Jagd nach dem Gorille (dem kolossalen, 6 Fuss hohen Affen des äquatorialen Afrika) traf ich vor einigen Tagen ein Männchen umgeben von einigen Weibchen. Das Männchen hat einen rothen Kamm wie ein Hahn. Die Vögel des Fernando Paz-Landes sind, bis man nach dem Innern kommt, genau dieselben, wie die vom Kap Lopez, auch das Land bietet einen ähnlichen Anblick. Am Kap selbst giebt es keine Stadt. Die grösste Stadt des Volkes von Kap Lopez ist Sangatonga, an der durch das Kap gebildeten Bai. Sie ist die Residenz des Königs und liegt in einer schönen Prairie am Fusse eines Hügels, der sich etwa zwei Engl. Meilen von der Küste erhebt. Der Boden am Kap Lopez ist im Allgemeinen sandig und leicht, das Land sieht ganz anders aus, als das zwischen Fernando Po und dem Gabun, indem es vielmehr mit seinen grossen Prairien und Wäldchen den Landstrichen des südlichen Afrika nach dem Kap der Guten Hoffnung hin ähnlich ist. In den Hainen haben die Leute von Kap Lopez ihre Anpflanzungen, da dort ein guter Boden ist. Die Produkte sind Bataten, Cassada, Pisang, Erdnüsse und Zuckerrohr. Sie werden in ziemlich grossen Quantitäten gepflanzt, da

') S. die früher von uns mitgetheilten Nachrichten, 1857, Ss. 323, 526, 1858 Heft III, S. 116.

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sie den, hauptsächlichsten Theil ihrer Nahrung ausmachen; besonders Bataten gedeihen ausserordentlich gut. Brauchbare Strassen könnten leicht hergestellt werden und würden ein wirksames Hülfsmittel für die Kolonisation sein. Eine ansehnliche Menge wilden Rindviehs sieht man über die Prairien wandern. Wasser schien selten zu sein, da ich während einer 60 Engl. Meilen langen Reise ins Innere nur vier Flüsse angetroffen habe; aber die Eingebornen versicherten mich, dass am Fusse der Hügel in der Mitte der Haine viele Bäche existiren. So weit ich ins Innere gekommen bin, fand ich das Land hügelig; Sumpfboden traf ich nur an einer einzigen Stelle und dieser Sumpf war noch dazu von geringer Ausdehnung. Etwa 50 Engl. Meilen von der Küste nehmen die Prairien ab und Wälder treten an ihre Stelle. Die Gegend, durch welche ich kam, war dünn bevölkert, die Bewohner leben gewöhnlich an oder nahe bei dem Gabun, dem NazarethFluss oder deren Nebenflüssen. Dieser Mangel an Bevölkerung würde ebenso wie der eines guten Hafens für die Kolonisation hinderlich sein. Das Land in der Nähe des Nazareth bietet in dieser Hinsicht mehr Vortheile.”

8.

21.

einem Briefe an Geh. Rath ». Leonhard. (Neues Jahrbuch für Mineralogie u. 3. w. 1857, Heft 6.)

12. Robert Eisel: Zur Umgebung von Gera. Ein Beitrag zur Kenntniss der dasigen quaternären Gebilde. (Ztschr. für die gesammten Naturwissenschaften. 1857, September.)

13. C. Giebel: Ausflug durch die Bündner Alpen an den ComerSee. (Ebenda, August.)

14. Prof. John Phillips: On the Malvern lills. (Notices of the Royal Institution of Great Britain. Part VII, Nov. 1856 bis Juli 1857.)

15. Capt. T. Spratt: Deep Soundings in the Mediterranean Sea east of Malta. Mit karte.

16. Commander A. L. Mansell: Deep Soundings between Alesandria, Rhodes, and Smyrna.

Karten. 17. Major Scheda : Ethnographische Karte der Österr. Monarchie in 4 Bl. Mst. 1:864.000. (Zu Nr. 1.)

18. Ethnographische Karte der Osterr. Monarchie von Karl Freiherrn v. Czoernig. Reducirt nach dessen von der K. K. Direktion der administrativen Statistik herausgegebenen Ethnographischen Karte der Monarchie in 4 Bl. Wien, 1856. Mst. 1:1.584.000. (Zu Nr. 2.)

19. Übersichtskarte der Umgebungen von Prag. Jíst. 1 Zoll 4000 Klaftern. (Zu Nr. 3.)

20. Carta itineraria della Sardegna 1855. Vst. 1:513.000. Atlante di Cartine itinerarie mandamentali. (Zu Nr. 5.) 21. Reymann's Spezialkarte ron Deutschland u.

Mst. 1:200.000. Glogau, Flemming. Sektionen Jünchen und Bruneck.

22. k. Preuss. Generalstab: Topographische Karte vom östlichen Theile der Jlonarchie. Mst. 1:100.000. Schlesien: Sekt. 254 ben, 255 Steinau, 256 Prausnitz, 268 Liegnitz, 269 Neumarkt, 270 Breslau, 282 Schmiedeberg, 283 Schweidnitz, 284 Strehlen.

23. Grosshzgl. Hessischer General-Quartiermeisterstab: karte von dem Grossherzogthum. Hessen und den angrenzenden Ländern von 25° 15' bis 27° 20' Östl. L. v. Ferro, 49° 12' bis 51° 20' N. Br., in dem Maassstabe von 1:250.000. 2 Bl.

24. G. Mees: Historische Atlas van Noord-Nederland van de XVI eeuw tot op heden. 5-8 aflerering. Te Rotterdam, bij l'an der Meer & Verbruggen. 1854–1857.

[1, 2, 17, 18. In der Ethnographie der Österr. Monarchie und der dazu gehörenden Karte in 4 Blättern hat der Verfasser die Früchte einer 16 jährigen Arbeit niedergelegt. Die Karte wurde schon vor mehreren Jahren (1855) vollendet, jedoch nicht veröffentlicht, um erst die Vollendung des umfangreichen Kommentars abzuwarten. Da jedoch der ausgedehnte Plan, der dem Werk zu Grunde gelegt worden ist, eine Vollendung des Ganzen nicht so bald erwarten liess, wurde zur Veröffentlichung der Karte und der drei ersten Bände geschritten. Es hat sich nämlich der Verfasser nicht mit der Darstellung des statistischen Theils der Ethnographie Österreichs, d. i. einer Darstellung der ethnographischen Verhältnisse im Raume, begnügt, sondern auch eine solche in der Zeitfolge oder einen historisch - ethnographischen Theil hinzugefügt, um auf diese Weise die Gewinnung einer gründlichen Einsicht in die so sehr komplicirten ethnographischen Verhältnisse in der gesammten Österreichischen Monarchie und ihre allmälige Entwickelung zu ermöglichen. Dieser historische Theil, bei dessen Abfassung der Verfasser durch die Herren Häufler und Feil, Sekretäre beim Ministerium, unterstützt wurde, bildet auch die Hauptmasse der vorliegenden, schon mehr als 1400 Quartseiten umfassenden, drei Bände, obwohl der erste Band nur in seiner ersten Abtheilung vollendet ist. Dieselbe enthält nun zuvörderst den allgemeinen Theil des ganzen Werkes, nämlich einen Überblick der Bevölkerungs-Geschichte der Österr. Monarchie, als Ganzes betrachtet, und eine übersichtliche Beschreibung der Sprachgrenzen und Sprachinseln sammt statistisch-ethnographischer Angabe aller in derselben lebenden Völkerstämme; diess letztere bildet zugleich vorzugsweise den erklärenden Text zur Karte. Der Verfasser geht alsdann zur spezielleren historisch-ethnographischen Beschreibung der einzelnen Kronländer und zwar zunächst der Deutschen über, indem er uns ein Bild der Entstehung und Entwickelung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns giebt, uns mit dem Gang der Kulturund Sittengeschichte, so wie der Geschichte der innern öffentlichen Organisation desselben bekannt macht. Bei einer derartigen Schilderung des Stammlandes der berrschenden Dynastie, in welchem auch die Hauptstadt des ganzen Reichs liegt, musste Manches berührt werden, was sich auf das letztere im Allgemeinen bezieht; so finden wir denn

Neueste Geographische Literatur 1).

E CROP A.

Bücber. 1. Karl Freiherr von Czernig: Ethnographie der Österreichischen Monarchie. Mit einer Ethnographischen Karte in 4 Bl. Herausgegeben durch die ki k. Administration der administratiren Statistik. Wien, 1857.

2. Die Vertheilung der Völkerstämme und deren Gruppen in der Österreichischen Monarchie Sprachyrenzen und Sprachinseln) sammt einer statistisch - ethnographischen Übersicht. Abgedruckt aus dem ersten Bande der Ethnographie der Österr. Monarchie von Karl Freiherrn von Czoernig". Wien, 1856. Mit einer Karte.

3. Josef Wenzig und Johann Krejci: Die Umgebungen Prags, orographisch, pittoresk und historisch geschildert. Mit 20 physiognomischen Landschaftsskizzen und einer Karte. Prag, c. Bell

4. Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der Preussischen Rheinlande und Westphalens. Herausgegeben von Prof. Dr. C. 0. Weber. 14. Jahrgang, Tleft 3.

5. Itinerario generale della Sardegna compilato d'ordine del Ministero delle finance per cura della direzione del censimento prediale a ('agliari. Torino, 1856. Yit Karten.

Aufsätze. 6. Karl Fritsch und Franz Löw: Phänomenologische Übersichten von Österreich im Juni 1857.

7. A. U. Burkhardt: Übersicht der Witterung im Juni 1857. Mit einer Tafel, den Gang der Wärme und des Luftdruckes im Juni 1857 darstellend.

8. Meteorologische Beobachtungen im Königreich Preussen im September und Oktober 1857. (Mittheilungen des Statist. Bureau's in Berlin, 1857, Nr. 24.)

9. Produktion der Bergwerke, Hütten und Salinen im Preuss. Staate im Jahre 1856. (Preuss. Handels- Archir, 1858, Nr. 5.)

10. Prof. Dr. A. Pokorny: Über die Wirksamkeit des Zoologischbotanischen Vereins in Wien. (Zeitschrift für die Österreichischen Gymnasien. 1858, Heft 1.)

11. Dr. Adolph Pichler: Zur Geognosie der Tyroler Alpen. Aus

mann, 1857.

1) Wir miissen unsere vielen geehrten Korrespondenten und Freunde un Ent. schuldigung bitten, dass wir ihre in den letzten Monaten gemachten gütigen Zusendungen und Mittheilungen noch nicht besprechen konnten, weil dieses wegen ungewöhnlicher Überhäufung andern Materiales bisher unmöglich war. Der gegenwärtige Literatur-Bericht betrifft Schriften und Karten, die schon während des Januars eingegangen waren, doch hoffen wir durch schnellere Aufeinanderfolge der Hefte von jetzt ab das Versäumte bald nachholen zu können. A. P.

auch hier eine Darstellung der innern Neugestaltung Österreichs seit 1848, namentlich in Bezug auf die Betheiligung der ethnographischen Elemente. Es werden die durch jene herbeigeführten Veränderungen der Verfassung, so wie die einzelnen Zweige der gesammten innern Organisation in der Art beschrieben, dass dadurch ein detaillirter Schematismus für die verschiedenen Äusserungen der Regierungsthätigkeit entsteht. Den Schluss der ersten Abtheilung des ersten Bandes endlich macht eine Geographisch-statistische Übersicht des Erzherzogthums Österreich unter der Enns, welcher zwei sehr sauber in Farbendruck ausgeführte Kartenbeilagen beigegeben sind, eine orographische Skizze und eine geologische Karte des Erzherzogthums. Die BevölkerungsVerhältnisse Wiens werden in diesem Abschnitt besonders abgehandelt. Der zweite und dritte Band enthalten eine historische Skizze der Völkerstämme und Kolonien in Ungarn, Kroatien und Slavonien, in der Serbischen Wojwodschaft sammt dem Temeser Banat, in Siebenbürgen und der Militärgrenze. Diese geschichtliche Darstellung der gerade in diesen Theilen des Kaiserstaats so sehr verwickelten ethnographischen Verhältnisse ist vorzugsweise das Werk des schon oben genannten, jetzt leider verstorbenen, Ministerialsekretärs Häufler. Es ist in derselben der Einwanderung der Deutschen in jene Länder und dem Antheil, welchen diese an der Entwickelung derselben genommen haben, eine hervorragende Beachtung zu Theil geworden. Diejenigen, die sich für Deutsche Emigration überhaupt interessiren, finden hier interessante und beachtenswerthe Resultate niedergelegt; leider aber geht auch aus diesen und andern Schilderungen des Werkes hervor, dass, obgleich das ethnographische Bild Österreichs in seinen Grundzügen seit 800 Jahren dasselbe geblieben ist, doch gerade die Deutschen sich nicht durch nachhaltige Zähigkeit im Festhalten ihrer Nationalität ausgezeichnet haben. Was nun die zu dem Werke gehörende grosse Karte anbetrifft, so muss für dieselbe zuvörderst bemerkt werden, dass sie nicht sowohl die Verbreitung der Sprachen, als vielmehr das ethnographische Moment im strengen Sinne des Wortes berücksichtigt und darstellt, also z. B. Czechische Orte, in denen vorzugsweise Deutsch geredet wird, auf derselben dennoch als Slavisch bezeichnet werden, wenn ihre Bewohner der Nationalität nach Slaven sind, u. s. w. Die Deutsche Sprache hat daher in der Österreichischen Monarchie eine bei weitem grössere Verbreitung, als die Karte zeigt. In Bezug auf die Richtigkeit des auf der Karte gegebenen ethnographischen Bildes verdient erwähnt zu werden, dass überall, wo Zweifel herrschten, durch sachkundige Männer Untersuchungen an Ort und Stelle angestellt oder durch offizielle Kommissionen genaue Erhebungen ganzer Landestheile, Banat, Wojwodina, vorgenommen wurden. Die bedeutendsten Abweichungen von den bisher als zuverlässig geltenden Karten finden wir denn auch besonders in den eben genannten Ländern, ferner in der Begrenzung des Romanischen Elements gegen das Magyarische und Slavische im nordöstlichen Ungarn und in der Bukowina, der Ruthenen und Polen in Galizien u. s. w. Weniger bedeutende Abweichungen finden sich auf allen Grenzen. Als besondere Vorzüge beansprucht die Karte eine neue richtigere Zeichnung der Karpathischen Gebirgszüge nach den jüngsten militärischen Aufnahmen zwischen dem nordöstlichen Ungarn und Galizien, ferner genaue Unterscheidung der Kreis- und BezirksHauptorte nach der neuesten administrativen Eintheilung der Monarchie durch verschiedene Schrift der Ortsnamen, während die Verschiedenheit der Ortszeichen die Städte von 2- bis 5000, von 5- bis 10,000 und über 10,000 Einwohner kenntlich macht. Die Karte wurde im Maassstabe von 1:864.000 vom Major Scheda, im K. K. Militärisch-geographischen Institut, entworfen und ausgeführt und der Farbendruck in demselben Institute besorgt. Eine Reduktion der Karte auf Einem Blatte und im Maassstabe von 1: 1.584.000 ist besonders ausgegeben worden; sie ist ohne Terrain und zeigt einige Vereinfachungen in der Signatur, ist aber sonst, namentlich was das ethnographische Kolorit anlangt, eben so vollständig. Auch ein besonderer Abdruck des Abschnittes über die Vertheilung der Völkerstämme und deren Gruppen in der Österreichischen Monarchie (Sprachgrenzen und Sprachinseln), der vorzugsweise zur Erklärung der Karte dient, ist erschienen.

Das ganze Werk ist ohne Frage eins der bedeutendsten aller ethnographischen Werke, die bisher erschienen sind, und gereicht der Österreichischen Thätigkeit zur grössten Ehre.

3, 19. Die Schilderung der Umgebungen Prags, ein gut ausgestatteter Quart-Band, zerfällt in zwei Theile. Der erste, von Johann Krejei ausgearbeitet, besteht in einer populär gehaltenen Beschreibung der Gesteinarten, deren Lagerung und Einfluss auf die Oberflächengestaltung in der Gegend von Prag. Erläutert wird sie durch 20 in

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1858, Heft VII.

Umrissen gezeichnete Landschaftsskizzen, welche eine Reihe verschiedenartiger Terrainformen vorführen, wie sie durch die jedesmalige geognostische Beschaffenheit bedingt sind. In dem zweiten Theil führt Josef Wenzig den Leser auf vier hervorragende Punkte in der Nähe von Prag und zeigt ihm von da aus die landschaftlich und historisch merkwürdigsten Gegenden, Orte, Gebäude u. s. w., wobei das Historische bei weitem in den Vordergrund tritt. Seine Darstellung ist lebendig und fliessend, sehr blumenreich und mit einer grossen Menge poetischer Ergüsse untermischt. Die Beschreibungen halten sich ziemlich in der Grenze der beigegebenen, wenig anziehenden und aller orographischen Darstellung entbehrenden, Karte, die von Mnisek im S. bis Schlan im N. und von Auwal im 0. bis Beraun im W. reicht.

4. Das Schlussheft vom Jahrgang 1857 der Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der Preussischen Rheinlande und Westphalens enthält eine Reihe spezieller Abhandlungen aus den Gebieten der Entomologie, Mineralogie, Paläontologie und Botanik, denen wir hier, als kaum in das Gebiet der Geographie eingreifend, keine besondere Aufmerksamkeit schenken können. In den beigedruckten Sitzungsberichten der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde finden sich aber Auszüge von einzelnen Vorträgen, die Anspruch auf unsere Beachtung machen: so die Bemerkungen des Geh. Medizinalraths Wutzer über Brussa, den Bithynischen Olymp und die Mineralbäder bei Brussa (s. Geogr. Mitth. 1857, S. 113); der Vortrag des Dr. G. vom Rath über die Geologie der Bündtner Alpen, leider in sehr kurzem Auszug mitgetheilt; die Ansichten des Berghauptmanns von Dechen über Thalbildung, und eine Abhandlung vom Geheimen Medizinalrath Prof. Mayer über die Gesichts- und Schädelbildung der Azteken-Zwerge und die Amerikanische Race überhaupt.

5, 20. Das Werk über die Strassen der Insel Sardinien schliesst sich an das Itinerario generale des Sardinischen Festlandes an (s. Geogr. Mitth. 1857, S. 530) und enthält in seinem ersten Abschnitt eine vollständige Liste der Comuni mit Angabe des Bezirks (Mandamento) und der Provinz, zu welchen sie gehören, wie auch der Entfernung jeder einzelnen von dem Hauptorte des betreffenden Mandamento und der Provinz; im zweiten Theil eine Tabelle der Distanzen zwischen sämmtlichen Städten und Bezirks-Hauptorten; im dritten eine allgemeine Wegekarte der Insel mit Unterscheidung der Bezirks-, Provinzial- und Nationalstrassen und 87 einzelne Bezirkskärtchen mit Bezeichnung der Comunal-, Bezirks-, Provinzial- und Nationalstrassen zwischen sämmtlichen Ortschaften, jedoch sind die Strassen nur durch gerade Linien angedeutet; der vierte Abschnitt endlich enthält spezielle Itinerarien zwischen den Hauptstädten der Provinzen und von der Hauptstadt jeder Provinz nach den einzelnen Hauptorten der Bezirke. Alle Entfernungen sind in Kilometern ausgedrückt.

6, 7. Die allmonatlich in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Mathematisch - naturwissenschaftliche Klasse, veröffentlichten und uns durch die Güte der Verfasser in besonderen Abdrücken zugehenden phänomenologischen und meteorologisehen Beobachtungen in Österreich liefern eine so regelmässige und vollständige Reihe, wie man sie selten aus einem anderen Lande wiederfindet; namentlich ist uns nicht bekannt, dass die ersteren ausserhalb Österreich in annähernder Fülle und Ausdehnung gesammelt werden. Diese von K. Fritsch und Fr. Löw zusammengestellten Phänomenologischen Übersichten geben für 31 in der Monarchie zerstreute Orte die Zeit des Erscheinens der ersten Blüthen von 49 verschiedenen Pflanzen und für 11 Orte die Zeit des ersten Erscheinens von 22 Thierspecies an. Bei der weiten Ausdehnung des Österreichischen Staates und den mannigfaltigen Klimaten innerhalb seiner Grenzen stellen sich dabei höchst interessante Differenzen heraus, nur würden sie noch mehr hervortreten, wenn die Orte statt alphabetisch nach ihrer geographischen Breite oder auch nach der Höhe über dem Meere geordnet wären. Nicht weniger schätzenswerth und vollständig sind die Übersichten der meteorologischen Beobachtungen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der K. K. Central-Anstalt, die sich auf 101 Orte beziehen und Temperatur, Luftdruck, Dunstdruck, Niederschlag und Windrichtung umfassen. Die an 14 Orten angestellten Beobachtungen werden regelmässig zu graphischen Darstellungen des Ganges der Wärme und des Luftdruckes benutzt.

9. Die tabellarische Übersicht der Produktion der Bergwerke u. 6. W. in Preussen während des Jahres 1856 weist folgende Hauptsummen nach: Einzelne Werke 4038; Werth der gesammten Produktion 111,976,014 Thaler; Zahl der Arbeiter 169,165, deren Frauen und Kinder 323,336. Gesammtwerth im Jahre 1855: 96,106,546 Thaler, also mehr im Jahre 1856: 15,869,468 Thaler.

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10. Prof. Pokorny bespricht die Geschichte, die Zwecke, Sammlungen und Schriften des Zoologisch-botanischen Vereins in Wien, der, erst seit 1851 bestehend, schon eine ausgebreitete Wirksamkeit entfaltet hat und seiner Aufgabe, die Fauna und Flora des Osterreichischen Kaiserstaates gründlich und vollständig zu erforschen, mit Eifer und Erfolg entgegenstrebt. Sehr dankenswerth ist die systematisch geordnete Aufzählung und kurze Besprechung der in den ersten sechs Jahrgängen der Abhandlungen des Vereins enthaltenen Aufsätze und Notizen.

11 enthält einige nachträgliche Bemerkungen zu Dr. Pichler's Abhandlung im Jahrbuch der Geologischen Reichs-Anstalt, 1856, VII, SS. 717-738.

12. R. Eisel macht den schwierigen und, wie es scheint, ersten Versuch einer Alterseintheilung der quaternären Gebilde des ElsterGebietes von Cronspits über Gera bis Crossen. Als allgemein interessant erwähnen wir daraus, dass er wie Schlotheim und Schottin der Überzeugung ist, die Menschenknochen in den Köstritzer Gypsbrüchen seien mit sämmtlichen dort gefundenen Thierresten, Mammut, Rhinoceros, Höhlenbär u. s. w., gleichzeitig dahin gelangt und dass diese Thiere hier mit dem Menschen zugleich lebend ereilt worden, mithin keine urweltlichen, sondern erst in historischen Zeiten ausgestorbene Arten unseres Vaterlandes seien.

13. C. Giebel schildert eine Vergnügungsreise nach Appenzell, dem Vorder- und Hinter-Rhein, Tessin, Como, Mailand, dem Engadin, dem Veltlin, Meran und Innsbruck. Naturwissenschaftliche Notizen sind reichlich in den lebensvollen Bericht eingestreut.

14. In der Sitzung der Royal Institution vom 13. März 1857 trug Prof. Phillips, Lektor der Geologie an der Universität Oxford, seine Ansichten von dem geologischen Bau und der Entstehung der MalvernHügel vor. Einige Profile in Holzschnitt sind dem Auszug aus seinem Vortrag zur Erläuterung beigegeben.

15, 16. Von den Berichten der Kapitäne Spratt und Mansell (Nautical Magazine, 1857, August, September und Oktober) über die in den Jahren 1856 und 1857 von ihnen ausgeführten Sondirungen im östlichen Theil des Mittelländischen Meeres sind uns besondere Abdrücke zugegangen. S. über diese höchst interessanten Arbeiten „Geogr. Mittheil.” 1857, SS. 334, 433 und 516.

21. S. Geogr. Mitth. 1858, Heft IV, S. 145.

22. Die oben angeführten 9 Sektionen der Preuss. Generalstabskarte des östlichen Theils der Monarchie sind die ersten, welche bis jetzt über Schlesien publicirt wurden, obwohl die Aufnahmen in den Jahren 1823 bis 1831 ausgeführt wurden; auch ihre Herstellung in Lithographie fällt in die Jahre 1830 bis 1833, aber Chausséen und Eisenbahnen wurden bis 1856 nachgetragen. Sie bedecken den mittleren Theil von Schlesien und entsprechen den Sektionen 172, 173, 174, 189, 190, 191, 207, 208 und 209 unserer Karte von CentralEuropa zur Übersicht des Standpunktes der grösseren Landes-Aufnahmen zu Anfang des Jahres 1857" (s. Geogr. Mittheil. 1857, Taf. 4), da die Eintheilung bekanntlich abgeändert worden ist. Höhenzahlen fehlen gänzlich.

23. Über die schöne Karte vom Grossherzogthum Hessen im Mst. von 1:250.000 s. Geogr. Mitth. 1858, Heft IV, S. 146.

24. Die vier uns vorliegenden Lieferungen von Mees' Historischem Atlas der Niederlande enthalten je eine Karte im Maassstabe von 1:778.000, umgeben von mehreren Cartons. Die vier Hauptkarten stellen die Niederlande in den Jahren 1590, 1648, 1740 und 1808 dar, während die Cartons theils die politische Eintheilung in verschiedenen Zwischenperioden (1580, 1672, 1801, 1805), theils einzelne Provinzen, Landschaften und Städte zeigen. Die Ausführung in Lithographie und das Kolorit ist klar und sauber, so dass diese Karten sowohl in dieser Hinsicht als wegen des reichen Details und der zweckmässigen Bearbeitung zu den besten historischen Karten zu zählen sein dürften. Jede Karte wird von etwa 30 Folio-Seiten Text begleitet.]

ASI E N.

Bücher. 1. Narrative of the Expedition of an American Squadron to the China Seas and Japan, performed in the years 1852, 1853 and 1854, under the command of Commodore M.° C. Perry, U. S. N., by order of the government of the U. S. Vol. II. Washington, 1856. Mit Karten.

2. Arbeiten der Kaiserl. Russischen Gesandtschaft zu Peking über China, sein Volk, seine Religion, seine Institutionen, socialen

Verhältnisse u. 8. w. Aus dem Russischen von Dr. Karl Abel und F. A. Mecklenburg. Berlin, F. Heinicke, 1858.

3. The Journal of the Indian Archipelago and Eastern Asia. Edited by J. R. Logan. Singapore. Vol. II. New Series, No. II.

Aufsätze. 4. Theodor Kotschy: Topographische Skizze des Bulghar Dagh im Cilicischen Taurus. Mit 1 karte.

5. Die Stellung und die Zustände der Indo-Chinesischen Reiche. (Ausland 1858, Nr. 2.)

6. Visit to the City of Hangchou. (New-York Tribune, 15. Dezember 1857.)

Karten. 7. k'arten zu Nr. 1:

a) Map intended to show the positions of the Coal Mines eastward of Kelung, Island of Formosa. Maassstab: 14 Zoll auf 1 Engl. Meile.

b) W. C. Redfield: Chart showing the tracks or courses of rarious Gales and Hurricanes. (S. Geogr. Mittheil. 1857, S. 452.)

c) Lieut. Bent: Chart exhibiting the analogy between the Gulf Stream and the Kuro-Siro. Vst. 1:28.693.000.

d) 16 Tafeln graphischer Darstellungen der Schiffskurse, Meeresströmungen und meteorologischen Beobachtungen.

e) Chart of the World showing the track of the U. S. Steam Frigates Mississippi, Susquehanna and Porchatan under command of Commodore Perry, 1853–1854. Mst. 1:57.000.000.*

f) Chart of the Coast of China and of the Japan Islands including the Marianes and a part of the Philippines. Compiled by order of Commodore Perry from the latest authorities, with additions and corrections by the U. S. Japan Expedition by Lieuts, W. L. Maury and S. Bent. 1855. Mst. 1:3.760.000.

g) Island of Lew Chew surveyed by order of Commodore Perry by Whiting, Bent, Balch, Mathews and Barbot in 1853–1854. Mst. 1:147.000. *

h) The Harbour of Napha, Lew Chew Id., surv. by Lieut. Bent 1853. Mst. 1:21.300.*

i) Lew Chew Jd. Deep Bay, surv. by Lieuts. Whiting and Barbot 1853–1854. Mst. 1:41.000.

k) Lew Chew. Tubootch and Suco Harbors, surv, by Lieuts. Whiting and Barbot 1854. M/st. 1:20.000.

1) Shah Bay, Lew Chew Id., surv. by Lieut. Whiting and Barbot 1853. Mst. 1: 9000.

m) Keelung Harbor, Formosa Id., surv. by Lieut. Prebble and W. F. Jones 1854. Ust. 1:9000.

n) The Coffin Islands surv. by Lieuts. Balch, Cooper and Beardslee 1854. ust. 1:24.600.

o) Western Shores of the Bay of Yedo surv. by Lieut. W. L. Maury 1854. /st. 1: 74.000.

p) Gulf and Bay of Yedo surv. by Lieut. W. L. Maury 1853– 1854. Mst. 1:241.000. *

q) Simoda Harbor surv. by Lieuts. Maury, Bent, Nicholson, Barbot, Denniston, Houston 1854. Ust. 1:18.700.

r) The Harbor of Hakodadi surv. by Lieuts. Maury, Prebble, Nicholson and Barbot 1854. Mst. 1: 36.700. *

s) Endermo Harbor, Island of Jesso, surv. by C. A. Stevens and R. L. May 1854. Mst. 1:13.900.

8. P. Baron Melville v. Carnbee: Algemeene Atlas van Nederlandsch Indië. Fortsetzung.

[1, 7. Der Verlauf und die hauptsächlichsten Resultate der grossen Expedition der Vereinigten Staaten nach Japan unter Commodore Perry sind bereits früher durch die Arbeit von Francis L. Hawks ') bekannt geworden, welcher im Auftrag Perry's die Berichte der einzelnen Offziere ausgezogen und kompilirt hat. Vollständig und in offizieller Form werden nun diese Berichte in dem prachtvoll ausgestatteten, auf Kosten der Regierung der Vereinigten Staaten herausgegebenen Werke veröffentlicht. Da uns der erste Band bis jetzt nicht zugekommen ist, müssen wir uns mit einer kurzen Inhaltsangabe des zweiten begnügen. Dr. Green berichtet über die Nutzpflanzen und die Agrikultur auf Madeira, dem Kap der Guten Hoffnung, Mauritius, Ceylon, Singapore, der Grossen Lutschu-Insel, auf Japan und in China, so wie über das Klima und die Krankheiten auf Japan. Dr. Morrow behandelt ebenfalls die Agrikultur der Lutschu-Inseln. Dr. Fahs schildert die Flora

') S. Geogr. Mitth. 1856, S. 307.

und die Bewohner der Grossen Lutschu-Insel und erstattet zugleich mit Bayard Taylor Bericht über ihre gemeinsame Erforschung der Peel-Insel (Bonin-Gruppe). Der Geistliche der Expedition, Kaplan George Jones, beschreibt die geologischen Verhältnisse der Grossen Lutschu-Insel, eine Mineralquelle bei Hakodadi und seinen Besuch der Kohlenlager auf Formosa. Von den letzteren hat er eine Kartenskizze nach dem Augenschein entworfen. Prof. B. F. Bache giebt eine vergleichende Analyse der Cumberland-, Formosa- und Japan-Kohlen. G. R. West spricht über die Agrikultur in China und giebt mehrere Abbildungen von Geräthschaften und Maschinen daselbst. Lieut. Boyle berichtet über seine Untersuchung der Vulkan-Bai auf der Insel Jesso; Kapitän Abbot über die zwischen Hakodadi und Simoda längs der Japanischen Küste ausgeführten Sondirungen und über seine Erforschung der Bonin-Inseln. Diesen meist kurzen Berichten folgt eine Abhandlung von Commodore Perry über die Leichtigkeit, den Amerikanischen Handel in Ost-Asien noch mehr zu heben, und eine zweite über die zu erwartenden Handelsbeziehungen Amerika's zu Japan und den Lutschu-Inseln; ferner William C. Redtield's Arbeit über die Typhune des westlichen Grossen Oceans mit Kartenskizze (s. Geogr. Mitth. 1857, S. 452); Lieut. Bent's Aufsatz über den Kuro-Siwo (s. Geogr. Mitth. 1857, SS. 36 und 37) mit einer Karte zur Vergleichung dieses Stromes mit dem Golfstrome; die systematische Beschreibung der während der Expedition gesammelten naturhistorischen Gegenstände (die Vögel von John Cassin, die Japanischen Fische von James Carson Brevoot, die Muscheln von C. Jay, die Pflanzen von Prof. Asa Gray bearbeitet) mit schön und luxuriös ausgeführten Abbildungen; eine Zusammenstellung von Segel-Direktionen und nautischen Bemerkungen, und ein Bericht von Kapitän Adams über den Hergang bei der Ratifikation des zwischen Japan und den Vereinigten Staaten abgeschlossenen Vertrags. Im Anhang ist noch das von einem Chinesen während des zweiten Besuchs der Expedition in Japan geführte Journal aus dem „Overland Register" reproducirt und ein Facsimile des Vertrags in Japanischer Schrift gegeben. Die wichtigsten Karten befinden sich schon in Hawk's Werk in reducirtem Maassstabe (wir haben sie in der obigen Liste mit * bezeichnet), die grösseren Übersichtskarten sind nur skizzirt.

2. Bei unserer Erwähnung der „Arbeiten der Mitglieder der Russ. Geistlichen Mission in Peking. St. Petersburg 1852-1857" im vorigen Jahrgange (S. 273) dieser Zeitschrift sprachen wir unser Bedauern aus, dass die Benutzung der reichen, in vielfacher Hinsicht bedeutungsvollen Materialien, welche in jenen Arbeiten niedergelegt sind, durch die Russische Sprache erschwert werde. Dankbar erkennen wir daher das Verdienst der Herren C. Abel und F. A. Mecklenburg an, eine Deutsche Übersetzung von dem interessanten Werke geliefert zu haben. Durch Zusammenziehung einzelner Abhandlungen ist der Umfang von drei auf zwei Bände vermindert worden. In Kurzem soll auch eine Englische Übersetzung von Dr. Abel publicirt werden.

3. Die zweite Nummer des zweiten Bandes (Neue Folge) von Logan's vortrefflichem Journal des Indischen Archipels enthält zunächst zwei Arbeiten über Pulo Pinang, die Englische Kolonie in der Strasse von Malaka, eine sehr ausführliche Schilderung der Malaien auf der Insel wie in der gegenüberliegenden Provinz Wellesley von J. D. Vaughan, der sieben Jahre unter ihnen lebte und ihre Gebräuche, Beschäftigungen, ihre dramatischen und musikalischen Leistungen, ihre Jagden, die Zubereitung der Speisen, die Trachten, die religiösen Ceremonien und Anschauungen, die abergläubischen Vorstellungen, ihre Wohnungen, Waffen, Krankheiten, Spiele aufs Genaueste beschreibt und zum Schluss eine Anzahl Legenden beifügt, und unter dem Titel „Notices of Pinang" eine Reihe von offiziellen Dokumenten, die sich auf die Reisen und Verhandlungen des Kapitäns Light vor dessen Gründung der Kolonie Pinang im Juli 1786 beziehen. Ferner finden wir aus dem „Bencoolen Miscellany" von 1822 das Tagebuch des Kapitäns Salmond über seine im Jahre 1818 ausgeführte Reise von Fort Marlborough nach Palembang auf Sumatra reproducirt. Er ging von Fort Marlborough (bei Bencoolen an der Westküste von Sumatra) den BencoolenFluss hinauf, überstieg das Gebirge und folgte dem Musi und Palembang-Fluss abwärts. Die Reise ist desshalb von besonderem Interesse, weil Salmond, so viel man weiss, der erste Europäer war, der Sumatra von einer Küste zur anderen durchkreuzte. Paul Ambrose Bigandet, Bischof von Kamatha, theilt ein vergleichendes Vokabulär der Sprachen der Schan (Laos), Ka-kying und Pa-laong mit, das er in Bhamo, der grossen Birmanischen Handelsstadt am oberen Irawaddi, sammelte. Logan, der dieses Vokabulär mit einigen Erläuterungen begleitet, macht darauf aufmerksam, dass von den beiden letzteren Sprachen bisher

keine Wörtersammlungen existirten. Die Ka-kying bewohnen die Berge im Norden, Osten und Süden von Bhamo und sind verwandt mit den Karenen; ihre Sprache ist ein Dialekt des Sing-pho. Die Pa-laong leben in den Thälern südöstlich von Bhamo, jenseit der ersten Bergkette, und ihr Dialekt gehört zu der kleinen Reihe der Ost-Himalayischen Sprachen (Annam, Kambodja, Mon, Kasia) Hinter-Indiens.

4. Von Kotschy's Skizze des Bulghar Dagh (s. Geogr. Mitth. 1858, Heft II, SS. 74 und 75) haben wir einen besonderen Abdruck erhalten.

5. Im „Ausland” wird die neueste Geschichte der Beziehungen der Hinter-Indischen Länder, Birma, Laos-Staaten, Siam, Annam und Kambodja, zu den Engländern und Franzosen kurz und übersichtlich erörtert.

6. Im August vorigen Jahres reisten drei Engländer von Sehanghai über Kiahing, Hangtscheu und Schauhing nach Ningpo. Aus ihrem Berichte (in der „,Times"), der manches Interessante über das Leben und Treiben in diesen grossen Chinesischen Städten enthält und einen abermaligen Beweis liefert, wie freundlich die Chinesen im Allgemeinen den Fremden gegenüber sich zeigen, giebt der „New-York Tribune" einen Auszug, ist aber der irrthümlichen Meinung, die Reisenden seien nach dem Hangtschen in der Provinz Hunan, nordnordwestlich von Canton, gelangt.

8. Melville v. Carnbee's Atlas von Niederländisch-Indien schreitet rüstig vorwärts, so dass wir abermals über vier neue Blätter zu berichten haben. Das eine ist eine Karte der Residentschaft Probolinggo im Maassstab von 1:266.000, von M. v. Carnbee im Jahre 1856 gezeichnet. Das dargestellte Gebiet nimmt den schmalen Isthmus im östlichen Java, südlich von der Strasse von Madura, ein und fasst u. A. das durch Junghuhn näher bekannt gewordene Tengger-Gebirge in sich, von dem auch ein Profil beigegeben ist. Ein zweites Blatt, von M. v. Carnbee im Jahre 1855 gezeichnet, enthält die Residentschaft Kediri im mittleren Theile von Java, im Maassstabe von 1:327.000, von welcher auf einem dritten Blatte die Abtheilung Ngrowo nach der Aufnahme von J. D. van Herwerden in den Jahren 1835–1839 eine speziellere Darstellung erfahren hat. Sie ist im Maassstabe von 1:193.000 von M. v. Carnbee im Jahre 1855 ausgeführt. Dieses wie das folgende Blatt ist durch eine höchst sonderbare, naturwidrige Bergzeichnung verunziert. Das vierte Blatt, eine Karte der Insel Banka nach der topographischen Aufnahme des Lieut. L. Ullmann aus den Jahren 1852-1855 und im Maassstab von 1:560.000, ist von weit grösserer Bedeutung, als die vorerwähnten, welche durch die Junghuhn'sche Karte von Java ziemlich überflüssig gemacht worden sind; auch enthält es eine Zusammenstellung von einer grösseren Anzahl Höhen.]

AFRIKA.

Bücher. 1. Rev. Joseph Shooter: The Kafirs of Natal and the Zulu Country. London, E. Stanford, 1857.

Aufsätze. 2. Theodor Kotschy: Allgemeiner Überblick der Nilländer und ihrer Pflanzenbekleidung.

3. V. A. Malte-Brun: Resumé historique du voyage d'exploration à la côte orientale d'Afrique, exécuté pendant les années 1846, 1847, 1848 sous le commandement de M. le Capitaine Guilloin. Mit Karte. (Nouvelles Annales des Voyages, 1857, Dezember.)

4. Valentin Ferdinand's Beschreibung der Westküste Afrika's bis zum Senegal mit Einleitung und Anmerkungen von Dr. Friedrich Kunstmann. (Abhandl. der Histor. Klasse der K. Bayer. Akademie der Wissenschaften. Bd. VIII, Abth. 1.)

Karten. 5. Dr. H. Brugsch: Karte des Alten Ägypten. 1857. Leipzig, J. C. Hinrichs. Mst. 1:1.530.000.

[1. Der Verfasser des Buchs über die Kaffern von Natal und das Sulu-Land lebte in der erstgenannten Kolonie über vier Jahre als Geistlicher und benutzte namentlich einen intelligenten und zuverlässigen eingebornen Diener, um Aufschlüsse über das Leben und Treiben seiner Landsleute zu erhalten, nächstdem aber andere gedruckte und ungedruckte Aufzeichnungen über jene Länder (so die „Travels” des Mr. Isaacs, eines der ersten Kolonisten in Natal, das Manuskript des Reisenden Green u. A.), mündliche Mittheilungen der Missionäre (u. A. des Deutschen Missionärs Dohne). Es ist dem Verfasser auf diese Weise gelungen, eine umfangreiche Schilderung des socialen und öffentlichen Lebens der Kaffern jener Gebiete zu entwerfen; namentlich

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