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II. Ueber Shakespeare's Midsummer-Night's Dream.
Studie

314
III. Shakespeare's Dramatische Werke. Für die deutsche

Bühne bearbeitet von W. Oechelhäuser. Bd. 13
und 14.

317
IV. Deutscher Bühnen- und Familien-Shakespeare von Ed.
und 0. Devrient

321
V. Hamlet. Tragödie nach Shakspeare. Von 0.
Marbach.

322 VI. Shakspeare - Prometheus. Phantastisch - satirisches Zauberspiel von 0. Marbach.

323 VII. Uebersicht .

326 Miscellen. I. Horaz und Shakespeare

336 II. Nachtrag zu „Wunderbare Schicksale des Sommernachts-Traumes

337 Zuwachs der Bibliothek der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft seit März 1873

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Die Bibliographie, an deren Bearbeitung Herr A. Cohn bedauerlicher Weise verhindert worden ist, wird im nächsten Jahrbuche nachgeholt werden.

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Shakespeare und Garrick.

Einleitender Vortrag zur Jahres - Versammlung der

Deutschen Shakespeare-Gesellschaft

von

Gisbert Freiherrn Vincke.

Shakespeare und Garrick zeigen in ihrer Lebensbahn eine seltene Aehnlichkeit: beide waren Dichter, beide Schauspieler, beide Schauspielunternehmer, wenn auch das Gewicht ihrer Leistungen auf den verschiedenen Gebieten verschieden ist, und beide sicherten ihrem Namen dauerndes Gedächtniss bei der Nachwelt. Getreunt durch einen Zeitraum von hundert Jahren, sind sie verbunden durch den Umstand, dass Garrick den eignen Ruhm befestigte, als er den Ruhm Shakespeare's erneuerte.

Shakespeare's Lebenslauf wird durch eine Fülle unverbürgter Erzählungen verschönert - oder veranstaltet, aber gar gering ist die Ausbeute, weun wir nichts als sichere Wahrheit zu hören verlangen. Shakespeare's Vater war ein Grundbesitzer zu Stratford am Avon; der Geburtstag seines Sohnes William blieb unermittelt nur die Tradition verlegt ihn auf heute vor 309 Jahren; sein Tauftag ist der 26. April 1564; er verheirathete sich im 19. Jahre mit Anna Hathaway, welche 8 Jahre älter war. Nicht lange darauf ging er allein nach London und trat hier in Thätigkeit – zuerst als Schauspieler und Dichter, sodann auch als Schauspielunternehmer, in dieser Eigenschaft schon vor Vollendung des 24. Lebensjahres. Von seinen Rollen sind uns zwei bekannt: der Geist im Hamlet und Adam, der Diener Oliver's in „Wie es euch gefällt“. Als Schauspielunternehmer leitete er mit fünfzehn gleichgestellten Theilhabern das Blackfriars - Theater, also benannt, weil es in den Gebäuden eines

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Jahrbuch IX.

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aufgehobenen Klosters der Domiuicaner oder schwarzen Brüder" errichtet war. Den gedeihlichen Erfolg des Unternehmens beweist es, dass die Gesellschaft neben diesem Wintertheater noch ein Sommertheater am jenseitigen Themse - Ufer erbaute, welches der Globus hiess — von einem Hercules mit der Weltkugel belastet, der

, ihm als Abzeichen diente. Shakespeare besuchte indess alljährlich seine Heimath, seine Familie; er kaufte das stattlicliste Haus, welches Stratford aufzuweisen hatte, und erwarb zu diesem weitere Ländereien. Nach Ueberschreitung des 40. Lebensjabres zog er sich ganz dahin zurück, ohne der Poesie untreu zu werden. Sein Jahreseinkommen betrug 400 Pfd. Sterling, nach heutigem Geldwerth etwa 2400 Pfd. In Stratford starb er 52 Jahre alt, am 23. April 1616

heute vor 257 Jahren. Von 3 Kindern überlebten ihn 2 verheirathete Töchter, aber schon im Jahre 1670 erlosch mit einer Enkelin seine directe Nachkommenschaft. Diese skizzenhaften Züge geben Alles, was urkundlich ist, über Shakespeare's äusseres Leben; die umfassendere Kunde über sein inneres Leben bieten uns seine Werke, und so wissen wir denn: er war der grösste dramatische Dichter aller Völker und Zeiten.

Genau hundert Jahre nach dem Tode Shakespeare's, am 20. Februar 1716, wurde David Garrick zu Hereford geboren. Sein Grossvater, ein französischer Protestant, hatte in England Schutz gesucht, nachdem ihn die Aufhebung des Edicts von Nantes aus der Heimath vertrieben; sein Vater war Capitain in der Armee. Den lebhaften Knaben fesselten die Bücher nicht allzusehr, aber schon im Alter von 11 Jahren veranstaltete er eine Theatervorstelluny. Wenn dabei sein Humor, seine natürliche Lebhaftigkeit Beifall erhielt, so beweist das nur wenig, weil Dilettantenleistungen immer ein dankbares Publikum finden. Bald nachher folgte er der Einladung seines Oheims, welcher zu Lissabon ein grosses Weingeschäft betrieb, kehrte aber schon im nächsten Jahre nach England zurück, um die unterbrochenen Studien wieder aufzunehmen. Hier wurde später Samuel Johạson sein Lehrer, Freund und Gefährte, und Beide beschlossen, ihr Heil in London za versuchen. Garrick erbte von dem Oheim 1000 Pfd. Sterling, seine beiden Eltern starben kurz nach einander: er war jetzt völlig sein eigner Herr. Ein Weingeschäft, in Gemeinschaft mit seinem Bruder unternommen, hatte nur kurzen Bestand ihn trieb es unaufhaltsam der Bühne zu. Nach ernster Vorbereitung betrat er dieselbe in Ipswich, 25 Jahre alt, unter dem Namen Lyddal; die Rolle eines Mohren unterstützte das Incognito, für den Fall des Misslingens allein diese Vorsicht

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wurde überflüssig beim lautesten Beifall des Publicums. Sein erstes Auftreten in London erfolgte wenige Monate später am 19. October 1741: er spielte Richard III. vor schwachbesetztem Hause zu Goodman's-Fields. Seine leichte Natürlichkeit machte anfangs die Zuschauer stutzig, bald wurde ihre Verwunderung zur Bewunderung: siebenmal musste die Vorstellung wiederholt werden, dann erst folgten andere Rollen - und die Häuser zu Drurylane, zu Covent

, garden standen leer, weil Alles angezogen ward vom Glanze des neuen Sternes. Das Drurylane-Theater gewann ihn nun mit 500 Pfd. Jahreseinkommen, damals eine unerhörte Gage; Deputirte aus Irland Inden ihn ein, während der Sommermonate in Dublin zu spielen, und der heissblütige irische Enthusiasmus ergriff dort die gesammte Bevölkerung: - der Grundstein zum Ruhme des jungen Künstlers war gelegt. - Im 31. Lebensjahre erwarb Garrick, zusammen mit James Lacy, die Concession des Drurylane - Theaters und bezahlte für seinen Antheil 8000 Pfd. Lacy, ein tüchtiger Geschäftsmann, übernahm die ökonomische, Garrick die artistische Leitung, unter der Devise: „Ordnung und Anstand“. Zwei Jahre später verheirathete er sich mit Eva Maria Weigel, 8 Jahre jünger als er; sie war eine Deutsche, geboren zu Wien, und als Tänzerin berühmt unter dem Namen Violetti; bis an seinen Tod hat er sich niemals anch nur auf 24 Stunden von ihr getrennt. Diese Ehe blieb kinderlos, aber Garriek tröstete sich mit dem Gedanken, dass er den Kummer über kindlichen Ungehorsam nicht ertragen hätte. – Die damaligen Bühneuzustände waren keine anderen als die heutigen: Rollenneid der Schauspieler Ungunst der Autoren, wenn ihre Stücke nicht aufgeführt wurden – und als dritter Factor ein wetterwendisches, leicht zu missleitendes Publikum. Sechzehn Jahre verliefen unter solchen Verhältnissen, da brachte der Winter 1763 eine ungünstige Saison für Drurylane: die unbeständige Laune des grossen Haufens folgte der klangvollen Stimme einer neuen Sängerin, welche für die Oper in Coventgarden gewonnen war, und Garrick unit Shakespeare im Bunde vermochte diesmal nicht, die alte Anziehungskraft zu bewähren. Das verstimmte ihn um so mehr, da anch seine Gesundheit er zählte jetzt 47 Jahre schon zu wanken begann. Die Bäder in Padua liessen eine günstige Wirkung hoffen: so begab er sich denn dorthin zu längerem Aufenthalt, durchreiste Italien und Frankreich und wurde überall von Einheimischen wie von Fremden mit Auszeichnung begrüsst. Erst nach anderthalb Jahren kehrte er in die Heimath zurück. Sein Auftreten, als Benedict in „Viel Lärmen um Nichts“, war ein seltener Triumph: das Publikum empfing den

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langentbehrien Liebling mit Ausbrüchen des Jubels, wie man sie nie gekannt hatte. Und der Künstler war noch vorgeschritten in Freiheit, in Sicherheit zur vollendeten Meisterschais. Aber der Erfolg seiner Badekur erwies sich nicht als nachhaltig: Gicht- und Stein -Beschwerden kehrten in kürzeren Zwischenräumen wieder. Sein Mitunternehmer James Lacy starb 1773, und die ganze Theaterleitung blieb jetzt dem 57jährigen Garrick, eine Last, der er auf die Dauer nicht mehr gewachsen war. So trat denn immer unabweisbarer die schwere Pflicht heran, aus dem Wirkungskreise zu scheiden, an den tausend Fäden ihn fesselten. 1776 veräusserte er seine Hälfte der Theater-Concession um 35,000 Pfd.; noch einmal bewunderte ihn das Publikum in seinen grössten Rollen: der Sechzigjährige erschien noch einmal in alter Kraft, im Feuer der Jugend als Hamlet, Lear, Richard – und schied dann von der Bühne auf immer am 10. Juni 1776. Fünfunddreissig Jahre umfasste seine Thätigkeit als Schauspieler; in 84 Stücken war er aufgetreten, in 97 verschiedenen Rollen. Zugleich hatte er mehr denn 20 eigene dramatische Arbeiten geliefert, von der Posse bis zum Schauspiel, und ziemlich ebensoviele Bearbeitungen fremder Stücke, neben zahllosen Prologen, Epilogen und lyrischen meist satirischen Sachen. Diese schriftstellerischen Leistungen glänzen weniger durch Tiefe als durch schlagfertiges Beherrschen des Gegenstandes für die Wirkung des Augenblicks. Aber nicht lange mehr sollte es ihm vergönnt sein, auf den Lorbeern anszuruhen. Um Weihnachten 1778, als er mit seiner Gattin hei dem Grafen Spencer zum Besuch war, erneuerten sich in heftigster Weise die alten Leiden, welche am 20. Januar den Tod herbeiführten, und am 1. Februar erfolgte die feierliche Bestattung in England's Ruhmeshalle, dem „Poetenwinkels der Westminster-Abtei. Männer vom höchsten Range hielten die Enden des Bahrtuches, unzählig war das Leichengefolge; am grossen Thore der Kirche empfing der Bischof von Rochester, Dechant von Westminster, mit seiner Geistlichkeit im vollen Ornate, den Sarg und segnete ihn, ehe er eingesenkt wurde vor dem ShakespeareMonument. Garrick's Gattin überlebte ihn um 43 Jahre, sie starb 1822 fast hundertjährig. Von dem Künstler und dem Menschen erhalten wir dieses Bild: die Natur hatte ihn nicht verschwenderisch begabt für die Kunst, seine Gestalt blieb etwas unter Mittelgrösse, seiner Stimme fehlte der volle melodische Klang deklaniatorischen Wohllauts, aber mächtig gebot er über den Ausdruck der Leidenschaft in Zorn, Verachtung, Schreck, Verzweiflung, Wahnsinn; und mit gleicher Vollendung stand ihm die höchste Ausgelassenheit zu

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