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Manche Wasserläufe verlieren im Sommer durch die Aufsaugungscapacität ihres sandigen Bettes und die von der Trockenheit der Atmosphäre bedingte bedeutende Vermehrung der Verdunstung so viel Wasser, dass sie allmälig verrinnen und ihr Bett auf grosse Strecken trocken wird, so z. B. der Rio Puerco, Rio Galisteo, Rio Mimbres, Rio de San José, Rio Tesuque, Rio Pojoaque und Rio del Ojo caliente in Neu-Mexico, der Colorado chiquito und Rio San Pedro in Arizona, der Mohave im südlichen Californien. Solche trockne Flussbetten heissen dort Arroyos. In manchen Fällen versinkt das Wasser im lockern Boden und läuft dann unterirdisch in der Bahn des Bettes fort um an anderen Stellen unter günstigeren Verhältnissen wieder an die Oberfläche

zu treten.

Auf solche Weise wird also die durch die Seltenheit des Regens ohnehin beschränkte Agricultur in noch engere Gränzen gedrängt. Ungeheure Strecken bleiben ihr verschlossen, bis einmal aussergewöhnliche geologische Vorgänge, wie z. B. Niveauveränderungen, das Clima zu einem feuchteren umgestalten. Beobachtungen der neuesten Zeit haben ergeben, dass in Colorado, Neu-Mexico und Arizona der jährliche Regenfall in Seehöhen von 4500-5500 Fuss nahe 13 Zoll beträgt, im westlichen Californien kaum 10, im südöstlichen Californien werden 3.8 Zoll selten überschritten, während im Inyo County (im mittleren östlichen Californien) schon manches Jahr kein Tropfen Regen gefallen sein soll. Es wäre von vielem Interesse, für den Westen das Gesetz festzustellen, nach welchem der Regenfall mit der Seehöhe zunimmt.

Ich lasse hier einige auf die Vertheilung des Regens nach der Jahreszeit bezugnehmende Daten folgen:

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Der Umstand, dass im mittleren und nördlichen Californien der Regenfall des Jahres sich auf ein paar Monate (im Winter) zusammendrängt, bedingt dort die Möglichkeit des Getreidebaues. während dieser Periode ohne künstliche Bewässerung, aber in der

heissen regenlosen Zeit verdorrt die Vegetation so rasch als sie geboren, dem fliehenden Grün folgt die ungeschminkte Erde. In Folge dessen macht im Sommer auch der nicht zur Mohavewüste gehörige Theil *) Californiens einen trostlosen Eindruck, den ein Besuch des von Touristen verherrlichten Yosemitethales mit seinen Riesenbäumen und Wasserfällen, oder der künstlich bewässerten, von tropischer Pracht strotzenden Gärten des südlichen Californiens kaum zu verwischen vermag. Wiesen nach unserer Auffassung, mit dickem Rasen und humusreicher Erde sind in Californien, wie in den andern westlichen Staaten und Territorien nur in den höchsten Gebirgen anzutreffen. Welches Mitleid erregen jene Viehheerden, welche auf dem klaffenden Boden sorgfältig nach den Ueberbleibseln des zerbröckelten Grases suchen! Wohl hat man durch den Alfalfaklee (Chileclover, Medicago sativa), dessen tiefschlagende Wurzeln die trockne Jahreszeit überdauern, das Gras zu ersetzen gesucht, indessen bleibt dieser wegen zu holziger Beschaffenheit ein armseliges Substitut.

In den fruchtbaren Thälern des San Joaquin, Sacramento und Tulare betrug der Regenfall

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Bleibt im Februar der Regen einmal aus, wenn die Saat 2-3 Zoll hoch ist, so wird eine Missernte unzweifelhaft, und dieser Fall wiederholt sich ziemlich regelmässig in Zeiträumen von 5-6 Jahren. Dass die Trockenheit des Climas die Beziehungen zwischen Temperatur und Seehöhe in anderer Weise beeinflusst als ein feuchtes, dürfte a priori anzunehmen sein. In den Föhrenwaldungen oberhalb 7000 Fuss steigt im Sommer die Temperatur selten über 24o C., bei 4-6000 werden 35° häufig erreicht, während in den niedrigeren Seehöhen Temperaturen von 40-45°, ja in einigen Fällen schon von 52° in der Mohavewüste beobachtet wurden. Ferner werden durch jenes Clima nicht nur die grossen täglichen Extreme, sondern auch die der Jahreszeiten begünstigt; so sind Winterfröste in jenen zur Sommerszeit so heissen Gegenden keine Seltenheit eine der vielen Analogien mit der Sahara. Im Allgemeinen ist das Clima aber ein gesundes. Fieber sind nur an wenigen Flüssen (am Mimbres, San Pedround Gilafluss) endemisch.

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Gutes, zur Ansiedlung einladendes Agriculturland ist südlich von 38° N. Br. ausser in Colorado nur noch in Arizona und da

*) Mit Ausnahme der bewaldeten Gebirge.

in nicht sehr grosser Ausdehnung anzutreffen. Ich erwähne das Thal des Gila, Rio San Pedro, Colorado chiquito und Chevelons Fork, ferner manche Gebirgsgegenden des San Francisco Forest, der Mogollon Mesa und Sierra Blanca. In Neu-Mexico, Californien, Utah und Nevada ist jede der seltenen zur Besiedlung tauglichen Oasenpunkte bereits in Händen von Emigranten oder Speculanten; denn die dort erzielten Producte werfen in den benachbarten Minendistricten einen hohen Gewinn ab. Im südlichen Californien kostet ein Acre gutes, der Bewässerung zugängliches Land 150-200 Dollars, das kleinste Bächlein ist bereits benutzt ja sogar artesische Brunnen hat man wässerungszwecken erbohrt. In Utah sind wegen der häufigen Austrocknung der Bäche ganze Ortschaften wieder von den Mormonen verlassen worden. Und doch fehlt es nicht an Touristen, die Utah als einen Garten, Californien als ein Paradies schildern !.

zu Be

Das jetzt geringe Contingent der Ansiedler im Gila- und San Pedro-Thal könnte sich beträchtlich vermehren, da ein mässiger Graswuchs vorhanden, der Holzbedarf durch den Fluss begleitende Mesquitbäume und Pappeln hinlänglich gedeckt ist und der Boden die Pflanzennährstoffe in sehr reichlicher Menge enthält, obwohl er ohne Humus ist und feinem losem Sande gleicht. Als Maassstab für die Productionsfähigkeit jenes Alluvialbodens mögen einige Angaben erwähnt werden, die mir ein am San Pedro angesiedelter Pioneer des südlichen Arizona, Leopold de Beau, mittheilte. Derselbe erntete per Acre:

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Da bei solchen Preisen an Absatz der Culturproducte ausserhalb Arizona's nicht zu denken ist, beschränkt sich derselbe auf die beiden grösseren Ortschaften Tucson und Prescott und die wenigen Militairstationen. Wer die Schwierigkeiten ermisst, mit denen der Ansiedler dort zu kämpfen hat, wie Indianerangriffe, Verheerungen durch gefrässige Vögel und Insekten, wird den hohen Marktwerth gerecht beurtheilen. In der Nähe der obenerwähnten Niederlassung könnte der San Pedrofluss zur Bewässerung von 4-5000 Acre Land benutzt werden; in trockenen Jahren verringert sich indess seine Wassermenge so, dass das Flussbett 12 Miles weiter abwärts trocken wird. In Folgendem ist das Resultat der Analyse dreier Bodenarten angegeben, nämlich 1) aus dem Gila-Thal, nahe dem Einfluss des Rio Francisco, 2) aus dem San Pedro-Thal in der Nähe der kleinen Ansiedlung Santa Catarina, 3) aus dem

Chevelons-Thal in der Nähe des Colorado chiquito. Die beiden ersteren müssen ihrem Phosphorsäure- und Kaligehalt nach als reich an Nährbestandtheilen erklärt werden, im Gegensatze zu dem unter 3 angeführten Boden, der nur als mittelmässig bezeichnet werden kann. Letzterer stammte von der Verwitterung triassischen Sandsteins, erstere aus granitischem und basaltischem Material. Von der für die Vegetation behufs Bildung der albuminösen Bestandtheile so wichtigen Schwefelsäure finden sich in den 3 Bodenarten nur äusserst geringe Mengen vor, ein Mangel, der übrigens auch in Europa ziemlich weit verbreitet ist.

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Die wichtigsten Agriculturdistricte Colorado's liegen am obern Rio Grande und dessen Nebenflüssen, ferner am Platteund Arkansasfluss; kleinere sind in den Gebirgen isolirt. Der Preis eines Acre bewässerbaren Landes in jenem Staate beträgt 40-50 Dollars.

Neu-Mexico nimmt, vom Standpunkt der Agricultur aus betrachtet, trotz seiner weiten, öden Strecken unter den Territorien des Westgebiets noch eine der bevorzugteren Stellungen ein und diese ist hauptsächlich durch den segenspendenden Rio Grande bedingt, der mit seinem schlammführenden Hochwasser ganz wie der Nil den Boden alljährlich von Neuem befruchtet und so eine Vegetationspracht erzeugt, welche im scharfen Gegensatze zum dürren Gestrüppe der anstossenden Hügelländer steht. Das es zum grösseren Theile der Schlamm und nicht die im Wasser gelösten Bestandtheile sind, worauf die befruchtenden Eigenschaften beruhen, habe ich durch die Analyse festgestellt. Ein Vergleich

Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erdk. Bd. XII.

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mit dem Nilschlamm ergiebt, dass der Unterschied im Gehalte an den wichtigeren Bestandtheilen nicht bedeutend ist, wie aus folgender Zusammenstellung *) erhellt:

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Organische Substanzen sind nur in geringer Menge vorhanden. Die so wichtige Schwefelsäure wurde im Schlamme allerdings nur in leisen Spuren gefunden, sie fand sich dagegen im Wasser des Flusses im gelösten Zustande vor; die Analyse des vom Schlamme getrennten Wassers ergab nämlich in hunderttausend Theilen folgende Mengen fester Bestandtheile:

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Ferner wurden darin nachgewiesen Spuren von kohlensaurem Natron, Salpetersäure, Phosphorsäure, Kieselsäure, Ammoniak und Eisenoxyd.

Drei Viertel der Bevölkerung Neu-Mexico's wohnt am Rio Grande, der Rest an den kleineren Flüssen und im Hochgebirg. Manche Ortschaften sind durch mehrere Tagereisen in Anspruch nehmende Einöden getrennt, deren wenige Quellen dann zu Haltepunkten und Uebernachtungsstationen werden. Es werden deshalb auch die unscheinbarsten Quellen auf der Karte angegeben.

Die Agriculturarbeiten und Geräthe des Mexicaners stehen auf einem ungemein primitiven Standpunkt. Sein Haupttransportmittel ist der Esel; besitzt er einen Wagen, so hat derselbe selten mehr als 2 Räder, und diese bestehen in den meisten

*) Der Rio Grande-Schlamm wurde bei Fort Craig gesammelt; die Analyse des Nil-Schlammes rührt von Peters her; vergl. Jahresbericht der Agricultur-Chemie 1860 61.

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