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IV.

Das westlich der Rocky Mountains gelegene Gebiet der Vereinigten Staaten in volkswirthschaftlicher Beziehung.

Von Oscar Loew,

früherem Mitglied der Wheeler-Expeditionen in Nord-Amerika.

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Mineral- und heisse Quellen. Mineralschätze.

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Mit dem Namen the West" oder the far West" wurde bis in die neueste Zeit herein und wird theilweise noch jetzt in den östlichen Staaten Nord-Amerika's jenes westlich des MichiganSees und des Mississipi gelegene, sich bis an die Hauptkette der Rocky Mountains in Colorado erstreckende Gebiet bezeichnet, welches Dacota, Minnesota, Wisconsin, Jowa, Nebraska, Missouri, Kansas, das östliche Colorado, Arkansas und „Indian Territory" umfasst. Dieser Auffassung nach unterscheidet man Mittelstaaten, Ost- und Südstaaten, während die westlich der Rocky Mountains gelegenen die eigentlichen Weststaaten noch jetzt den Namen der, Pacifischen" führen.

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Da durch die Hauptkette der Rocky Mountains, welche Colorado und einen Theil Neu-Mexico's durchschneidet, das Gebiet der Vereinigten Staaten in einen östlichen und westlichen Theil getrennt wird, welche manchfache Gegensätze darbieten, so sei hier unter dem westlichen Gebiet jenes westlich der Rocky Mountains gelegene verstanden, welches das westliche Neu-Mexiko und Colorado, Wyoming, Utah, Arizona, Nevada, Californien, Oregon, Montana, Idaho und Washington Territorium umfasst.

Jene Gegensätze treten uns insbesondere in topographischen, geologischen und climatischen Beziehungen entgegen. Wo findet

man

eine Analogie zu jener Menge von Parallelketten des Westens? Wo finden sich im Osten solche Massenausbrüche vulkanischen Materials? Wo die reichen Minen? Wo das grosse System der heissen Quellen? Und in welchem Verhältniss stehen

die culturfähigen Strecken!

Auf dem ungeheuren Gebiete zwischen den Rocky Mountains in Colorado und der Sierra Nevada in Californien stellen sie sich als winzige Oasen dar, die ihre Existenz nur den von den Gebirgen kommenden Bächen verdanken *).

In Folge des auf den Gebirgen vermehrten Regenfalls sind diese in Seehöhen von 5700-11,500 Fuss bewaldet. In einigen Gebirgen, wie in dem grossen Tafelgebirg Central-Arizona's (Mogollon Mesa), entwickeln sich geradezu riesige Urwälder, deren mildes Clima und nordische Vegetation scharf absticht gegen den Character der benachbarten kahlen Tiefländer. Die Waldbestände Neu-Mexico's erreichen einen bedeutenden Umfang auf den Mimbres-, Placer- und Santa Fé Mountains, Mount Taylor und Sierra de Jemez; übertroffen werden dieselben jedoch von denen des westlichen Colorado.

Die Art der Nadelbäume wechselt mit der Seehöhe; die untere Waldesgränze beginnt mit Pinus edulis (Piñon, Pinie), dann folgt die Föhre, Pinus ponderosa, P. contorta, (öfters 130 Fuss hoch und 5-7 Fuss im Durchmesser), begleitet von der Eiche (Querus alba, Qu. undulata), dann die Tanne, Abies Donglasii, A. concolor, begleitet von der Pappel (Populus tremuloides). Die Laubbäume nehmen rasch da von dem Terrain Besitz, wo Windbrüche Verheerungen im Nadelholz angerichtet haben, werden aber später langsam wieder von letzterem verdrängt. Nicht selten indess besonders in den geringeren Seehöhen der Waldzone bleibt die Wiederbewaldung aus, eine in der zunehmenden Trockenheit des Climas begründete Thatsache. Welch unwillkommenen Eindruck machen nicht jene mit den längst gebleichten Stämmen eines niedergeworfenen Waldes bedeckten Strecken durch den Mangel einer jungen Generation!

Mit den Windbrüchen wetteifern Brände, den Waldbestand zu decimiren, schlimmer aber als diese wüthen die Verheerungen des gelddurstigen Menschen. Das Capitel der Waldverwüstung in Amerika, wo eine rationelle Forstwirthschaft zu den unbekannten Dingen gehört, ist ein umfangreiches und trauriges. Alle Mahnungen verhallen umsonst, und wären Gesetze zum Schutze des Waldes erlassen wo findet Amerika zuverlässige Forstleute, die sich mit Lust und Liebe ihrer Pflicht widmen? Jeder

*) Den vielfachen falschen und tendentiösen Darstellungen möchte ich hier eine Stelle aus Major Powells,,Report on the Colorado river of the West", pag. 14, entgegensetzen: ,,one third of the entire area of the United States is so arid, that agriculture is dependent on irrigation and within that same area it is not possible to redeem for agricultural purposes more than 3 percent of all that territory, probably much less".

holt sich in jenen westlichen Territorien seinen Holzbedarf nach Belieben, ein Wiederanpflanzen kommt aber Niemandem in den Täglich werden im Durchschnitt 500 Acres Wald abgetrieben. In Californien hat der Vandalismus solche Fortschritte gemacht, dass, wenn nicht Einhalt geboten wird, in 40 Jahren sämmtliche Waldungen aus dem Staat verschwunden sein werden. In Nevada, einem an und für sich sehr waldarmen Staate, beutet man bei der Hauptstadt Carson das nahe Gebirg so energisch aus, dass es bald den kahlen Anblick der Niederungen darbieten wird. Verderbenbringend wirkt hier die nahe Eisenbahn. Durchzieht einmal das Dampfross Neu-Mexico und Arizona dann şind auch die Tage jener herrlichen Urwälder gezählt! Mit dem Wildstande verfährt man nicht glimpflicher. Büffel schiesst man lediglich des Felles halber oder auch nur um eine Anzahl der Schwänze als Siegestrophäe mit nach Hause zu bringen! Auf dem Aussterbe-, vielmehr Ausrottungsetat stehen: Hirsche, Bergziegen, Bieber, Bergschafe und Panther (Felis concolor). Das Wild der Halbwüsten bilden Hasen, Antilopen und Wölfe, welchen letzteren wegen des Pelzes sehr nachgestellt wird. In den Gebirgen haust der Bär, von dem sich 2 Arten vorfinden, der Braune und der „Grizzly". Fischotter, Dachse und Füchse sind selten, Eichhörnchen sehr gemein. Unter dem Vogelwild sind vor Allem Truthahn, Rebhuhn und Ente, unter den Fischen Forelle und Weissfisch zu erwähnen. Zu den nutzbringenden Insekten gehören die in Neu-Mexico vorkommenden Honigameisen, deren Bauch zu einer erbsengrossen, von Honig strotzenden Kugel aufschwillt, an welcher Kopf und Beinchen als blosse Anhängsel erscheinen *).

Weideland für grosse Rinderheerden liefern die Thäler der Hochgebirge, während die mit magern Graswuchs bedeckten

Ebenen von 4500-6000 Fuss Seehöhe mehr für Schafzucht geeignet sind. In Neu-Mexico hat diese einen nicht unbeträchtlichen Umfang erreicht; denn der Wollexport beträgt jährlich 1-1 Millionen Pfund. Freilich fristen diese Schafe eine klägliche Existenz, indem sie nicht nur das Wasser oft tagelang entbehren müssen, eine in jenem trockenen Clima nicht geringe Anforderung sondern auch sich beim Passiren beim Passiren grasloser Strecken mit dürrem Wüstengestrüppe (Salbei und Atriplex) vor dem Hungertode zu retten haben.

Ein ausgezeichnetes Futter bilden das Grama- und Mesquitegras (Bouteloua und Sesleria), welche in den besser situirten Theilen der Halbwüsten als vereinzelte Büschel auf der Sand

*) Näheres: Petermanns Geogr. Mittheilungen 1874, Heft 9.

fläche erscheinen. Das Gras des Hochgebirges besteht zum grossen Theil aus Arten, die auch in Europa heimisch sind. Die irrationell betriebene Schafszucht hat eine stetige Verminderung des ohnehin geringen Graswuchses im Gefolge, da der Samenentwickelung nicht Rechnung getragen wird und Fortpflanzung durch die Wurzel durch das trockene Clima unmöglich gemacht wird. So sind die Inseln San Miguel und Santa Rosa an der Californischen Küste bereits in Wüsten verwandelt, und der Insel Santa Cruz steht dies in naher Aussicht. Aus den südlichen Theilen der Sierra Nevada ist das Waldgras verschwunden und nun treiben die unersättlichen Wollspeculanten ihre Schafe den Mohavefluss entlang durch die Mohave-Wüste nach Arizona, wenn auch hierbei die Hälfte der Thiere den Strapazen unterliegt; wirft es doch einen beträchtlichen Gewinn ab, neue Weiden mit derselben Vernichtung zu beglücken! Wie oft haben in jener Wüste uns die Pestgerüche der verendeten Schafe mit Ekel vor diesem Treiben erfüllt. Nur auf den Hochgebirgen Centralarizona's zeigte sich im Jahre 1873 uns die jungfräuliche Natur in ihrer Glorie ganzen keine Viehspeculanten waren in jene reizenden Wälder und Thäler vorgedrungen, keine Goldjagd hatte sie entweiht nur die Spur des rothen Mannes verrieth sich dem prüfenden Blick.

Als wildwachsende Nutzpflanzen seien folgende erwähnt: Agave deserti, Mescal. Der Wurzelstock und die unentfalteten Blätter dienen den Indianern des südlichen Arizona zur Nahrung. Der Geschmack wird durch Rösten intensiv süss, was jedenfalls darauf beruht, dass ein noch nicht näher gekanntes Kohlehydrat einfach durch Wärme unter Wasseraufnahme in Traubenzucker übergeht, Mexikaner bereiten daraus ein geistiges Getränke: Pulque oder Maguey.

Pinus edulis, der Piñonbaum, liefert ölreiche Nüsse; Opuntia, Prickly pear (Cactusbirne) eine angenehm säuerlich schmeckende Frucht.

Algarobia glandulosa und Strompocarpa pubescens, die Mesquitbäume", zeichnen sich durch den Zuckerreichthum ihrer Schoten aus, die bei Mensch und Thier beliebt sind. Der Stamm liefert ein Gummi, das mit dem arabischen identisch zu sein scheint und auch von Texas aus unter diesem Namen in den Handel gebracht wird. Das Holz zeichnet sich durch Härte, Zweige und Blätter durch hohen Tanningehalt aus.

Yucca baccata, Amole, Soapweed. Die beim Schütteln mit Wasser stark schäumende zerkleinerte Wurzel dient den Mexicanern als vortheilhaftes Surrogat für Seife beim Waschen der Wolle. Einige chemische Versuche machten mir die Gegenwart von Saponin wahrscheinlich. Die starken Fasern der Blätter

dienen zur Bereitung von Stricken und Geweben. Die Früchte haben einen bananenartigen Geschmack, kommen jedoch wegen der Trockenheit des Climas nicht jedes Jahr zur Entwicklung.

Zu medicinischen Zwecken werden von den Mexicanern benutzt: Eine Euphorbia-Art (yerba de la Golondina), als Mittel gegen Schlangenbiss, die Wurzel einer Juniperusart, welche ein dem Canadabalsam ähnliches Harz liefert, und die Wurzel einer Angelica.

Ferner: Larrea Mexicana, welche wegen ihres widerlichen Geruches Kreosotbusch, Stinkweed, Hediontio genannt wird, dient zu Bädern bei rheumatischen Leiden. An den Zweigen beobachtet man nicht selten rothbraune Exsudate, welche neben einem gummiähnlichen Körper einen rothen Farbstoff enthalten, der dem Cochenilleroth ähnelt. Den Blättern entzieht Alkohol eine grosse Menge übelriechenden Harzes.

Ephedra antisyphilitica dient als Heilmittel bei manchen Geschlechtskrankheiten. Ich fand in den Zweigen ein eigenthümliches Glucosid vor, welches beim Kochen mit verdünnten Säuren unter Entwickelung eines dem rohen Holzessig ähnlichen Geruches einen rothbraunen pulvrigen Körper abscheidet.

Populus tremuloides; der Splint dieser Pappel wird als Absud gegen Fieberanfälle benutzt. Dem darin vorhandenen Salicin werden vielfach antifebrile Eigenschaften zugestanden.

Was die Agricultur betrifft, so weist, wie schon bemerkt, die Trockenheit des Climas dieselbe auf künstliche Bewässerung an. Die Flüsse und Bäche, obwohl im Verhältniss nicht zahlreich zu nennen, könnten zwar immerhin einer nicht unbedeutenden Bevölkerung als Existenzbasis dienen, wäre nicht der Lauf vieler in tiefen Felsenschluchten (Cañons, Klammen) begraben. Der Rio Grande ist im südlichen Colorado und nördlichen Neu-Mexico wiederholt in Felswände eingeschlossen, ebenso der Rio Pecos, Rio de Santa Fé, Rio Brazos, Rio Alamosa, Rio de las Palomas, Rio de las Animas, Rio del Cuchillo negro, Rio Apache, sämmtlich in Neu-Mexico, der Rio San Carlos, Rio Bonito, Rio Francisco, Rio Salinas, Rio Gila (streckenweise), Big Dry Fork, White Mountain creeck in Arizona. Besonders aber ist der grosse Colorado zu erwähnen, welcher nach dem Durchlaufen des 280 englische Meilen langen „Grand Cañon", drei weitere Klammen von je 20-25 englische Meilen Länge bildet, ehe er, in weiten Thälern sich verzweigend, jene werthvolle Oase bildet, welche von den Mohave-, Yuma- und Chemehuevis-Indianern des südöstlichen Californiens zu Agriculturzwecken benutzt wird.

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