Imatges de pÓgina
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Diese reissen das vom Blitz getroffene Haus völlig nieder und der Priester fordert den Hausbesitzer vor sich, um ihm zu erklären, dass wegen irgend einer strafbaren Handlung ihm solches Unglück zugestossen sei. Es müsse der vom Blitzgott in sein Haus geschleuderte Feuerstein herausgenommen und er sammt allen, die noch im Hause waren, von ihrer Schuld rein gewaschen werden. Dieses geschieht nun. Die Agbui-Mädchen entfernen den Feuerstein und besprengen die Stätte, wo das Haus stand, mit geweihtem Wasser, mit welchem die Hausbewohner sich waschen müssen. Für dieses Alles lässt sich der Priester sammt seinen Gehilfinnen gut bezahlen.

Der Orden betrachtet es als eine Ehrensache, die Zahl seiner Mitglieder möglichst zu vermehren. Zu diesem Zweck entführen diese Agbui-Leute heimlicherweise bei Nacht jedes Mädchen, dessen sie habhaft werden können, und machen dann die Angehörigen glauben, dass der Gott selbst dieselben weggeführt habe. Dann und wann lassen sie die Entführten durch ein schweres

Lösegeld auslösen. Da der Orden auch sonst weitgehende Rechte und Freiheiten unter dem Volk geniesst, so ist er sehr gefürchtet. Wehe z. B. dem, der ein Mitglied desselben auch nur aufs geringste beschimpft. Die beleidigte Person rächt die erlittene Ehrenkränkung dadurch, dass sie in den Busch hinausspringt, sich mit Koth ganz überzieht und nicht eher wieder heimgeht, als bis sie von einer Anzahl anderer Mitglieder ihres Ordens geholt, vom Schmutz gereinigt und unter Gesang und Tanz heimgeführt wird *).

Das Ordenzeichen ist ein Eisen, welches die Zickzackform des Blitzes hat und am Arm getragen wird.

Eine dritte Gottheit wird im Regenbogen verehrt. In Wirklichkeit aber gilt die Verehrung nicht dem Regenbogen, sondern einer gewissen Riesenschlange, deren Hautfarben im Regenbogen sich abspiegeln, sobald diese Schlange aus ihrer Höhle tritt und sich sonnt. Der Grund ihrer Verehrung liegt darin, dass einheimische Kaufleute, welche mit Glasperlen handelten, dieselben dadurch sehr theuer verkaufen konnten, das sie das Volk glauben machten, diese Perlen stammen von der Haut einer einzigen ungeheuren grossen Schlange, welche ihre Haut während ihres Verweilens im Freien abgeschuppt habe. Da nun das weibliche Geschlecht, besonders die Mädchen, diese Glasperlen als Schmuck am Leibe trägt und auf diesen Schmuck sehr stolz ist, SO haben zum Dank dafür Einzelne es sind ihrer

nicht Viele

auch den Regenbogen in den Kreis ihrer

*) Dafür muss nemlich der Beleidiger eine grosse Summe Geldes bezahlen.

Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erdk. Bd. XII.

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Götterverehrung gezogen. Es liegt dieser Verehrung der Hintergedanke zu Grunde, die Schlange möchte sich dadurch bewogen sehen, die so sehr beliebten und geschätzten Perlen reichlich zu spenden. Sie gehen dabei von der Voraussetzung aus, dass derjenige Geist, welcher die Kostbarkeiten der Erde im Auftrag des grossen Gottes zu verwalten und an die Menschheit auszutheilen hat, seine Wohnung in dieser Schlange genommen habe.

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Der Verfasser des Artikels: Polytheismus" in Herzogs theol. Real-Encycl. Bd. XII. pag. 39 sagt: „Eine Eigenthümlichkeit der Wilden besteht auch darinnen, dass, da jeder selbst opfert, sie keine Priester (sacerdotes, iɛɛis) haben, jeder hat die Fetische bei sich." Zu diesen Wilden dürfte er aber die Neger der Westküste von Afrika nicht rechnen, da diese 2 Classen von Priestern haben: 1) Opferpriester, 2) Zauberer und Wahrsager. Es ist allerdings richtig, dass der Neger selbst auch opfert, aber nicht seinen Fetischen, wie obengenannter Artikel sagt, sondern seinen Schutzgeistern, denn diese Fetische" "" zu nennen, kann, wie wir oben gesehen haben, nur durch einen begriffswidrigen Gebrauch des Wortes, Fetisch" geschehen. Viele Opfer aber gehen durch die Hand der Priester. Diese Opfer sind entweder casueller Art, oder aber bestimmte, periodisch sich wiederholende. Es sind gewisse Zeiten, an welchen die Priester die vom Volke zusammengebrachten Opfergaben an dem Ufer des Meeres oder am Ufer der Seen und der Flüsse, oder an bestimmten Plätzen in den Plantagen, oder an einsamen Orten, welche für Aufenthaltsörter von Geistern gelten, niederlegen. Es giebt dann wieder Opferpriester, die blos der einen oder der andern der Hauptgottheiten dienen. Ausser dem Opfern haben diese Priester noch die Aufgabe, ihre Götter anzurufen, was aber mehr ein Schreien und Lärmen als ein Gebet ist. Diese Priester eröffnen in der Regel auch wichtige Berathungen der Aeltesten, welche Volksangelegenheiten betreffen, durch ein Opfer. Schreiber dieses wohnte einmal einer solchen Berathung bei, als die Asantés den Stamm, unter welchem er wohnte, bekriegten. Es handelte sich darum, ob man sich ergeben solle oder nicht. Da war es ihm ergreifend zu sehen, wie ein Priester von dem Brantwein, der vor Beginn der Verhandlungen den Aeltesten herumgereicht wurde, auch ihrem Gott eine gewisse Quantität spendete, indem er denselben knieend langsam auf den Boden goss und dabei die Gottheit nicht schreiend und lärmend, sondern inbrünstig anrief. Dieser Priester machte also bei seiner Anrufung der Götter eine rühmliche Ausnahme. --Die Opfer-Priester verdienen ihren Unterhalt durch das Opfern und durch eigene Arbeit auf den Plantagen, die sie bebauen. Der Verdienst, der ihnen durch das Opfern zufällt, ist sehr gering,

die Hauptsache ist den Meisten die Ehre, der Priester einer Gottheit zu sein.

Eine zweite Klasse ist die der Zauberer und der Wahrsager. Diese sind die Aerzte des Volks und seine Rathgeber in Unglücksfällen. Sie geben vor, mit den Verstorbenen verkehren und dieselben citiren zu können. Wird nämlich eine Familie von einem Unglück betroffen, so wird dieses den aus der Familie Gestorbenen zugeschrieben, welche dann vom Priester citirt und um den Beweggrund gefragt werden. Als solcher wird dann in der Regel angegeben, dass die Hinterbliebenen eine ungenügende Todtenfeierlichkeit gehalten haben, wodurch die Abgeschiedenen in der Unterwelt von den Bewohnern derselben nicht aufgenommen worden seien und deswegen noch einsam hin und her wandern müssten. Der Eintritt in den Priesterdienst wird nicht durch die Priesterweihe vermittelt, eine solche kennt der Neger nicht. Priester kann Jeder werden, der sich dazu qualificirt und sich in den Ruf eines Priesters zu setzen weiss. Letzteres pflegt häufig dadurch zu geschehen, dass ein Mann, der die Absicht hat, sich das Ansehen eines Priesters zu verschaffen, sich auf einmal wie ein Besessener geberdet, sich schlägt und beisst, unverständliche Worte spricht und vorgiebt, er sei von einem Gött in Besitz genommen worden. In der Regel gehen sie auch vorher zu einem Priester in die Lehre.

Wir kommen nun zu den anthropologischen Anschauungen der Eweer. Dass in ihm eine Seele wohnt, das weiss er, er hat aber sehr unklare Begriffe von ihr. Obwohl er in seinem Schatten einen Schutzgeist verehrt, so hindert ihn sein inconsequentes Denken doch nicht, auch seine Seele darin versichtbart zu sehen. Etwas rein Unsichtbares und Immaterielles kann der Neger sich nicht denken und in seinem Sinn festhalten, es muss sich irgendwie seinen Sinnen zu fühlen oder zu schauen geben. Dass die Seele nach dem Tode fortlebe, das steht dem Neger fest, er hat ja auch davon durch den Verkehr, den die Priester mit den Verstorbenen zu haben vorgeben, einen sicheren Beweis. Nur ruht sein Glaube an ein Fortleben des Menschen nach dem Tode nicht auf dem Verkehr mit den Verstorbenen als auf seinem letzten Grund, sondern darauf, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit in's Herz gegeben hat. Man merkt es aber seinem Unsterblichkeitsglauben alsbald an, dass er eine Frucht ist, die nicht auf dem Boden der Offenbarung, unter deren Reinigung und Läuterung, gewachsen ist. Das jenseitige Leben ist ihm einfach die Fortsetzung des diesseitigen, woselbst stark wieder stark, schwach wieder schwach, arm wieder arm, reich wieder reich ist, woselbst man treibt und arbeitet, was man hier

getrieben und gearbeitet hat. Wohl wird ferner im Jenseits ein guter und ein böser Ort unterschieden, aber das Gelangen an den einen oder den andern Ort ist nicht durch die religiös-sittliche Beschaffenheit des Individuums bedingt, sondern durch die Art des Todes. Wer eines natürlichen Todes und nicht an einer bösen Krankheit, nicht an den Pocken, nicht am Aussatz, nicht am Biss einer Schlange, nicht im Kriege und nicht im Wochenbett stirbt, der ist von den Göttern für den guten Ort designirt; wer auf andere Weise stirbt, wer im Kriege umkommt, wer gemordet wird etc., der ist ein Blutmensch, ein Verfluchter, der bekommt deswegen kein regelmässiges, kein ehrliches Brgräbniss, der wird nicht in seinem Hause, sondern auf dem vor dem Ort befindlichen Begräbnissplatz, der für die Blutmenschen bestimmt ist, beerdigt. Der Neger kennt keine grössere Schande und kein grösseres Unglück, als nicht in seinem eigenen Hause beerdigt zu werden. Vergegenwärtigen wir uns einen sterbenden Neger! Der Priester findet sich ein, er bereitet und giebt dem Sterbenden Arznei und bringt den Göttern Opfer, damit sie den Scheidenden am Leben lassen möchten. Dabei wird er von seinen Angehörigen immer mit Namen gerufen und gebeten, doch wieder zurückzukehren und sie nicht zu verlassen. Ist er bewusstlos, so ist dies ein Zeichen, dass er bereits von einem Geist besessen und ergriffen ist, um ihn in jene Welt abzurufen. Um diesen Geist auszutreiben, wäscht der Priester ihm das Gesicht mit geweihtem Wasser. Ist der Tod eingetreten, so wird der Leichnam gewaschen, damit er drüben nicht stinke, und dann in eine Strohmatte gewickelt; die Anverwandten bringen Muschelgeld und legen es in die Matte hinein, damit der Verstorbene dem Fährmann, der ihn über einen Fluss zn bringen hat, ehe er in der Unterwelt ankommt, das Fährgeld zahlen kann und es nicht schuldig bleibt, denn das bringt schlimme Folgen für die Hinterbliebenen. Jenseits des Flusses drüben scheiden sich die Wege, der eine Weg führt an den guten, der andere an den bösen Ort. Ausser Geld werden auch verschiedene kleine Geräthschaften dem Verstorbenen mitgegeben und auf sein Grab gelegt: ein kleiner Stuhl, ein neues Tabakspfeifchen nebst Tabak und eine Calabasse zum Trinken. Die Beerdigungszeiten sind Morgens zwischen 5 und 6 Uhr vor Sonnenaufgang und Abends nach Sonnenuntergang. Zwölf Stunden nach dem Tode findet die Beerdigung statt, da die Tropenhitze es nicht anders gestattet. Ist der Verstorbene Gatte gewesen, SO müssen seine Weiber im Hause des Verstorbenen, wo er begraben liegt, verweilen und vier Monate lang den Todten beklagen und beweinen, und zwar jeden Morgen von 4 Uhr an bis zum Sonnenaufgang; mitunter findet die Todtenklage auch in den Abendstunden

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statt, und es ist wirklich rührend, diesen Klagegesang, dieses singende Weinen und Heulen mitanzuhören, zumal wenn es, wie es häufig geschieht, von Herzen kommt. Solche Häuser, in welchen ein Familienglied beerdigt worden ist, werden nach wie vor bewohnt, in einigen Gegenden des Eweerlandes werden sie jedoch verlassen und dem Einsturz preisgegeben. Unbestimmte Zeit nach dem Tode eines Mannes feiern die Hinterbliebenen ein Todtenfest. Diese Feier dauert zwei bis drei Tage lang und wird bei Einbruch der Nacht nicht unterbrochen. Sämmtliche Verwandte finden sich dazu im Hofe des Trauerhauses ein und bilden einen Kreis, in dessen Mitte unter Trommeln und Gesang Tänze aufgeführt werden. Da die Branntwein- und Palmwein-Flasche dabei sehr oft die Runde macht und Flintenschüsse den Lärm noch vermehren, so bekommt diese Trauerfeier einen förmlich infernalischen Charakter. angesehener der Verstorbene war, desto grösser dieses Todtenfest, da ohne dasselbe der abgeschiedene Geist von den Bewohnern der Unterwelt gar nicht aufgenommen werden würde, sondern auf einsamen Pfaden umberirren müsste. Die jenseitige Welt nennt der Eweer Verbleibort" (dsiewe oder yoame, d. h. welche den Menschen fordert). Noch verdient erwähnt zu werden, dass die Alten unter den Eweern gern vom Sterben als vom , Heimgehen zu den Vätern" reden; es erinnert das an das Versammeltwerden zu den Vätern".

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Wir haben den Eweer in seinen Anschauungen begleitet bis zu seinem Eintritt in die jenseitige Welt; wir fragen nun, wie er weiter über das Verbleiben daselbst denkt. Wir begegnen hier dem Glauben an eine Wanderung der Seele und an eine Praeexistenz derselben. Wenn Jemand in die Unterwelt gewandert ist, dann kehrt er wieder auf diese Welt zurück, sei es, dass er in einem Vogel, oder in einem andern Thier, oder als Mensch wiederkommt. Wenn ein Kind eine physische oder psychische Aehnlichkeit mit einem Verstorbenen verräth, so wird angenommen, dass derselbe in diesem Kinde wieder in die Welt gekommen sei. Ein Geist, der seine Reise in diese Welt wieder antritt, bedarf eines Führers, welchen er belohnen muss. Wird ein Kind krank, so geben die Priester in der Regel als Grund davon an, dass sein Führer nicht genügend oder noch gar nicht bezahlt sei, was dann eben nachträglich geschehen muss und durch den Priester besorgt wird.

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