Imatges de pÓgina
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mit der von mir angeführten Provinz Tannigent*) identificiren. Sein Tebuhasant dürfte mein Tauassant in der Provinz Sfalet sein, und sein Mamun kann gesucht werden in dem Ort Beni Mimunmta-Schürfa oder in Beni Mimun-mta-Horror. Der letztere Ort wird wohl eher dem von Leo erwähnten entsprechen, da er von seinem Mamun aussagt: es ist ebenfalls gross und fest, voll von Volk, und jüdischen und maurischen Handelsleuten." Ich glaube deshalb, dass Mimun-mta-Horror das Mamun Leo's ist, weil in Mimun-mta-es-Schürfa Juden nicht zugelassen werden. Interessant ist, dass Leo ausdrücklich auch von einer „Stadt" Segelmesse in einer Landschaft dieses Namens redet; p. 457 (Uebers. von Lorsbach) heisst es: die Stadt Segelmesse selbst wurde, wie etliche unserer Schriftsteller melden, von einem römischen Generale gegründet; dieser, so sagen sie, zog aus Mauritanien zu Felde, eroberte ganz Numidien und kam nach Westen bis Messe: er baute diese Stadt und nannte sie Sigillum Messae, weil sie die letzte im Staate Messa war, gleichsam das Siegel nach der Vollendung seines Sieges, und dieser Name ward nachher in Segelmesse verdrehet. Die Meinung der meisten ist diejenige, welche unser Erdbeschreiber Bekri hat, dass nämlich die Stadt von Alexander dem Grossen für die Kranken und Verstümmelten seines Heeres erbaut worden sei; ich halte sie aber für falsch, denn kein Geschichtschreiber meldet, dass Alexander in diese Gegenden gekommen sei." Leo gibt sodann eine Beschreibung der Stadt im Allgemeinen und fügt noch hinzu: jetzt ist die Stadt ganz verödet, und die Bürger wohnen, wie schon erzählt ist, in den benachbarten Schlössern und Dörfern. Ich habe mich 7 Monate nach einander im Schlosse Mamun aufgehalten.“

Also selbst gesehen hat Leo die Stadt, Segelmesse" nicht mehr, dass aber eine Stadt dieses Namens existirt hat, erhellt auch daraus, dass Ibn Batuta von einer all, medînat Sigilmâsa spricht.

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Für die Untersuchung der Oase und der beiden Namen Sigilmâsa und Tafilet haben für uns natürlich die Aussagen derer am meisten Bedeutung, welche das Land selbst besucht haben. Etwa 100 Jahre später finden wir eine genaue Beschreibung von Marmol, welcher 1535 den Zug Carl V. gegen Tunis mitmachte und, in Gefangenschaft gerathend, nach Marokko kam, das ganze Land bis zur Seggia hamrâ durchzog und auch Tafilet besuchte **).

*) In meinem 1869 erschienenen Tagebuch habe ich bemerkt:,,das g ist wie das französische vor i und e auszusprechen". Die Aussprache entsprach eben nicht ganz dem dj.

**) Marmol, Traduction de Mr. d'Albancourt. Paris 1667.

Marmol, welcher Sugulmesse schreibt, gibt im Ganzen dieselbe Beschreibung wie Leo, so dass man fast versucht wäre zu sagen, er hätte den andalusischen Reisenden einfach copirt. Was aber der Beschreibung von Marmol eine besondere Wichtigkeit verleiht, ist, dass von den Europäern er zuerst unter Sugulmesse im Cap. XXVIII von der Stadt Tafilet redet.

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Es ist eine grosse Stadt Numidiens von den alten Afrikanern in einer Sandebene erbaut. Von Mauern umgeben hat sie an der einen Seite eine Burg. Sie ist von mehr als 2000 Berbern bevölkert, welche man Filaläer nennt, reiche und sehr geschickte Leute, welche die besten Datteln Numidiens, viele Kamele und anderes Vieh besitzen. Hier werden auch jene schönen Rundschilde von Büffelleder oder aus den Häuten ähnlicher in Libyen oder Numidien lebender Thiere gemacht".

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Alle Datteln, welche nach Spanien gehen, kommen aus diesem Ort*), weil der Scherif nicht duldet, dass man sie von einer anderen Seite herbringt. Diese Stadt liegt auf der Grenze der Sahara, und es existirt ein Durchgang, um über den grossen Atlas nach Fes zu gehen; früher war sie sehr von Einfällen der Araber aus der Wüste beunruhigt und einer ihrer Scheichs regierte sie, aber zu unserer Zeit griff der Scherif sie an und eroberte sie mit Artillerie, wie wir Cap. XXXX T. II. erzählt haben." In diesem Capitel nun sagt Marmol, dass die Scherife 1508 die Stadt Tafilet in Numidien belagert hätten.

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Wir ersehen also ganz deutlich, dass Marmol von einer Stadt Tafilet im Oasengebiet von Sigilmâsa berichtet, während die Stadt Sigilmâsa, welche Leo als zerstört angab, keineswegs wieder aufgebaut worden war. Denn Marmol sagt ausdrücklich im III. Buch p. 17 Cap. XXII.: Diese Provinz Sugulmesse bekommt den Namen von der Hauptstadt und wird von Zisfluss bewässert etc., dann: „dieser Staat hatte früher einen besonderen Fürsten. Aber die Almoraviden, dann die Almohaden eroberten ihn; als endlich unter den Meriniden ihr Herr sich empörte und getödtet wurde, wurden die Hauptstadt und alle bedeutenden Ortschaften in der Provinz zerstört, Man erbaute dann nahe bei Sugulmesse Teneguent, sowie Tebuacant und Mamun." Ferner beschreibt Marmol die Ruinen der Stadt Sugulmesse.

Wieder 100 Jahre später haben wir eine andere Reisebeschrei bung, worin Sigilmâsa's Erwähnung geschieht, nämlich die von Abu Salem el Aïaschi, veröffentlicht in französischer Uebersetzung Berbrügger in der „Exploration scientifique de l'Algerie“ (Vol. IX). Abu Salem el Aïaschi unternahm, nachdem er 1649 und 1653

*) sortent par ce port, heisst es in der französichen Uebersetzung.

von

Mekka besucht hatte, 1661 eine dritte Reise von den höchsten Höhen des Atlas, wo er sich an den Quellen der Muluya und des Ger befand, in einer Tribe der Ait Aïasch. Den Ger hinabsteigend, kam er nach Tuat, Urgla, Tugurt, Tripolis etc. und auf seinem Rückweg durchzog er Biscra, l'Aghouat, Ain - Madhi Figig etc.

Folgen wir indess dem Aïaschi auf seiner Wanderung nach Sigilmâsa und wir werden finden, dass er ganz dieselbe Route verfolgte wie ich. Nachdem der Pilger in Tlischat ge

nächtigt, lagerte er am folgenden Tag in Tialali (Tialalin). Am Tage vorher hatte er in sein Tagebuch eingetragen: „Das einzige, was uns Sorge machte, war, dass wir uns verspätet hätten zur Karawane, welche in Sigilmâsa auf uns wartete". Den Tag

in Tialali brachte Aïaschi in einem Ksor Namens Beni Otman zu, und kam, als er diesen Ksor verliess, am selben Abend gegen 5 Uhr nach dem Grabmal des Imam Mula-Abd-Allahben-Taharel-Haçani in Mdaghra. Am folgenden Tage erreichte er

.adi el Ertib وادی الرتب Ertib

Dann heisst es weiter, als er Ertib verliess, wo er in der Sauya Sid-Ahmed-ben-Abd-es-Sadok (entweder ist dies mein Sauya kedîma oder mein Sauya djedida) gelagert hatte:,,wir gingen den ganzen Tag, und kamen gegen Abend (aschîa, d. h. da es im November war etwa um 7 Uhr Abends) nach Sigilmâsa. Ich stieg ab bei der Mesalla-el-Aid, ausserhalb der Kasbah dieser Stadt". Hier nennt also Aïaschi Sigilmâsa bestimmt als Stadt **), und zwar musste es eine grosse sein, da er von einer Mesalla spricht. Denn diese findet sich nur in der Nähe volkreicher Städte. Bei gewissen Festlichkeiten nämlich, z. B. beim Aid-elkebir oder auch beim Aid-es-serhîr am Schlusse des Ramadhân betet das ganze Volk gemeinschaftlich, und keine Moschee der Welt würde gross genug sein, um dann alles Volk einer grösseren Stadt in sich aufnehmen zu können.

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Aïaschi fährt fort: ,Ich fand die Karawane ausserhalb Sigilmâsa lagern in Rhorfa x, woselbst sie seit Langem wartete". Rhorfa zu Deutsch „die Tränkstätte" war augenscheinlich eine in einiger Entfernung von der Stadt gelegene Oertlichkeit, wo sich der Menâch (die Lagerstätte der Karawanen) befand.

Am 10. Rebi-et-tani (11. November) notirt Aïaschi: „Ich verliess Sigilmâsa Samstag am 10. Rebi-et-tani und kam erst aus der Stadt heraus, als die Karawane schon aufgebrochen war. Als

*) Man ersieht, dass die Namen, welche Aïaschi angiebt, ganz dieselben sind wie die von mir notirten.

**) falls Berbrügger richtig übersetzt hat.

ich über den Lagerplatz kam, fand ich Niemand mehr“. Es ist nicht nöthig, jetzt Aïaschi weiter zu folgen, obschon auch seine späteren Stationen, was Namen und Schreibweise anbetrifft, ganz mit den von mir verzeichneten übereinstimmen; überdies werde ich später Gelegenheit haben, darauf zurückzukommen.

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Aus den Reiseberichten Aïaschi's ersehen wir also, dass er im Jahre 1661 einer Stadt" Sigilmâsa Erwähnung thut. Aber Tafilet nennt er auch. So sagt er in seinem in Tuat geführten Tagebuch : „Der Werth des gewöhnlichen Metkal ist unter den Leuten dieses Landes 24 Mosonat. Sie haben aber auch einen anderen Metkal von 40 Mosonat, den sie Scherîfi nennen, nach ihrem Fürsten, den Scherîf, Herrn von Sigilmâsa, von welchem ihr Land abhängig ist, etc. Und dann: Als der Preis des Geldes in Tafilelt gestiegen war, beschlossen die meisten Pilger, in Tuat welches zu nehmen, wo dies Metall sehr billig zu haben ist. Ueberdies hatten nicht alle Pilger ihre Provisionen in Tafilelt, weil sie zu theuer waren, angeschafft, die mussten also hier (in Tuat) ergänzt worden. “ Ferner sagt Aïaschi auf seiner Rückreise, als er in Figig weilte: ,, und nun trennten wir uns von den Leuten von Maraksch*)

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und Tafilelt".

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Wenden wir uns nun einem späteren Reisenden zu, dem gelehrten Imam Mula Ahmed, welcher am 29. Juli 1709 seine Reise von Famagrut aus antrat, und am 17. Oktober 1710 zurückkam. Nachdem Mula Ahmed erzählt, dass er schon einige Jahre vorher vergebens nach Sigilmâsa gekommen sei, da er auf Befehl des Sultan Ismael seine Pilgerreise habe unterlassen müssen, sagt er, als er nun wieder die Oase betrat**): „wir setzten uns Samstags in Bewegung, in der Absicht, nach Sigilmâsa zu gehen und die frommen Leute dieser Stadt zu besuchen", dann weiter: „Sidi Ahmed el Meschtuk, welcher sich in unserer Karawane befand, machte ein Lobgedicht auf Sigilmâsa, Verse, worin er die Leute dieser Stadt feierte und den schönen Empfang, dessen die Karawane sich zu erfreuen hatte."

Während wir nun aus den beiden eben angeführten Stellen mit Bestimmtheit herauslesen, dass von einer Stadt Sigilmâsa die Rede ist, falls Berbrügger „medina" und nicht „bled" im Urtext hatte, kann aus der dann folgenden Stelle mit derselben Bestimmtheit geschlossen werden, dass Mula Ahmed das Wort Sigilmâsa auch auf die Landschaft" anwendet. Gleich darauf sagt er näm

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*) Maraksch (richtiger Marrâksch) ist der marokkanische Name für die Hauptstadt Marokko.

**) ich folge hier wie bei Aïaschi stets der Berbrügger'schen Uebersetzung, cf. Exploration scientifique de l'Algérie, T. I. p. 178 sq.

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lich: Während meiner Pilgerreise im Jahre 1109 (1697 n. Chr.) hatte ich in Sigilmâsa den (dort begrabenen) Muley Ali Scherif besucht mit mehreren meiner Freunde“. Als ich selbst in Tafilet ankam, hielt ich es für eine meiner ersten Pflichten, das Grabmal Muley Ali Scherifs zu besuchen. Dasselbe liegt in offener Landschaft, eine kleine Stunde südöstlich von Abuam in der Provinz Ifli. Unser arabischer Reisender dehnte also auch auf die Provinz den Namen Sigilmâsa aus. Aber an einer anderen Stelle spricht er dies noch viel deutlicher selbst aus. Am 16. Djumad el tani (11. August) notirt er in sein Tagebuch: „ das Land" Sigilmâsa litt damals unter einer entsetzlichen Dürre.

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Wenn wir nun auch aus diesen Citaten ersehen, dass eine Stadt" Sigilmâsa *) existirte zu ihrer Zeit, falls, wie gesagt, Berbrügger richtig übersetzt hat, aber auch bestimmt daraus entnehmen, dass Stadt und Landschaft ohne Wahl und ohne Unterschied in Anwendung kommt, so finden wir bei den beiden Reisenden eine bezeichnende Uebereinstimmung, insofern als sie, so lange sie in Tafilet weilen, nur von Sigilmâsa reden, aber darüber hinaus dies Wort nicht mehr gebrauchen. So finden wir im Tagebuch in Figig am 26. und 27. Djumad et Tani (21. und 22. August) bei Mula Ahmed die Notiz: „ich kaufte hier bessere Gerste als in Tafilet für drei Mosona das Mudd" und etwas weiter: „die Pilger kauften Kleidungsstücke und bezahlten die arabischen Kameeltreiber, welche mit von Tafilet nach Figig gekommen waren". Ferner erzählt er bei seinem Aufenthalt in Ain Madhi: Die in Frage stehende Karawane kam, und mit ihr war der Scheich der Pilger von Fes und der Emir der Filaliin, d. h. der Pilger von Tafilet“. Warum sagt unser Reisender jetzt nicht auch der Pilger von Sigilmâsa?"

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Noch bezeichnender ist es, dass Mula Ahmed, als er nach Sigilmâsa zurückgekehrt war, dieses Namens auch nicht ein einziges Mal mehr Erwähnung thut; das Lager war natürlich da wieder aufgeschlagen, wo es auf der Hinreise gestanden hatte, bei dem Grabmal Sid-Jussuf's. Aber als die Pilger dann die Oase verlassen, sagt Mula Ahmed nichts von Sigilmâsa, sondern wir verabschiedeten uns von unseren Freunden von Tafilelt". Obgleich gewiss in den Bibliotheken Nordafrica's manche handschriftliche Reisebeschreibung versteckt sein mag, welche uns nähere Aufschlüsse der Eingeborenen geben könnte über die Doppelanwendung von Sigilmâsa und Tafilet, so haben wir augen

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*) Immer vorausgesetzt, dass im arabischen Text &

medina,,Stadt"

steht; falls im Urtext bled stände, so müsste man wohl Landschaft übersetzen.

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