Imatges de pÓgina
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die Fahrt mitzumachen. Ich gebe hier in Kürze die Resultate meiner Beobachtungen und Erkundigungen, die in keiner Weise Anspruch auf Vollständigkeit machen können, da ich die angrenzenden Uferländer und Volksstämme nur vom Bord des Schiffes aus kennen lernen und beobachten konnte. Selbst mit dem bei der Station Nasser ansässigen Volksstamme der Niuák konnte ich leider! nur in kurzem Verkehr bleiben, da dass Dampfschiff bereits nach zweitägigem Aufenthalte nach Chartum zurückkehrte. Für ein Zurückbleiben meinerseits und selbstständiges Vorgehen in die unbekannten Gebiete, war ich nicht im Mindesten vorbereitet; hatte ich doch die Entsendung des Schiffes in den Sobat kaum 12 Stunden vor dem Abgange desselben aus Chartum erfahren.

Als Resultat meiner Reise lege ich den Lauf des unteren Sobat bei. Die während der Thalfahrt durchschnittlich von 5 Minuten zu 5 Minuten genommenen Winkel, deren mehr als 275 notirt wurden, ergaben die Richtung des Flusslaufes. Die Thalfahrt dauerte von der Station Nasser bis zur Station Sobat, von der Mündung des Sobat in den weissen Nil, mit Abzug der Aufenthaltszeit während der Fahrt, 25 Stunden. Wenn ich durch sehr genaue Winkelmessungen die Richtung und den Verlauf des Flusses mit allen seinen Krümmungen festlegen konnte, so gebe ich dagegen die Lage der Station Nasser, also die eigentliche Entfernung von der Sobatmündung oder die mathematische Länge des durchlaufenen Flussgebietes, nur mit Reserve. Die Ungunst der Verhältnisse liess es nicht zu, die Geschwindigkeit unseres Dampfers,,Sofia“ zu messen. Die Annahme von 12 Kilom. für die Stunde Fahrzeit, die ich bei der Construction der Karte zu Grunde legte, basirt auf Vergleiche während unserer Fahrt auf dem weissen Nil, wobei die gemessene Geschwindigkeit der Strömung im Sobat in Rechnung kam. Immerhin aber bleibt die Annahme keine mathematisch berechnete, wenn auch rationell überlegte. Laut dieser Annahme ergiebt die Rechnung: 25 Stunden à Stunde 12 Kilom. 300 Kilom., die, den Windungen des Sobat folgend, mit dem Schiffe bis zur Station Nasser zurückgelegt wurden. Diese aber liegt nach den Winkelmessungen der Construction O. 38 z. S. 176 Kilom. in directer Richtung von der Station Sobat entfernt. Es erhellt daraus, dass auf den meisten Karten der untere Sobat-Lauf eine zu weit nördliche Richtung einnimmt, während die auf der französischen Karte von Manuel 1870 mehr südlich gegebene Direction, noch mehr von der Wirklichkeit abweicht.

Die Breite des Sobat, im ganzen von mir gesehenen Theile, erleidet keine sichtbare Verengung. Die gemessene Tiefe variirt bei dem derzeitigen Hochwasser von 5 zu 8 Meter und darüber. Die Geschwindigkeit der in der Zeiteinheit fortbewegten Wassermasse

wurde auf 80 Schritt in der Minute, also auf 4% Kubikmeter die Stunde, berechnet. Das Flussbett ist ein durchweg gleichmässiges, und liegen die Uferränder erhaben genug, um ein Uebertreten des Wassers kaum zu gestatten, wenn auch an einzelnen Stellen niedriger gelegene Grasflächen eine Ueberfluthung beim Hochwasser zulassen. Die zu Gesichte tretenden Erdpartien am Ufer lassen auf guten dem Flusse anliegenden Humus-Boden schliessen. Die Uferpartien des Flusswassers, welches noch immer eine Tiefe von mehreren Metern zeigt, sind beiderseits auf 10-20 Schritt Breite von hochragender Gras- und Schilfvegetation bedeckt, Brutstätte von unzähligen Webervögeln und Rohrsängern. In dem östlichen Theile des Flussbettes finden sich einige inmitten des Flusses aufragende Inseln. Eine schwimmende Grasvegetation beschränkt sich auf einzelne kleinere, kaum einige Quadratfuss messende Inselchen, welche meist auf der einen Seite des Flusses der schnelleren Strömung folgen und der Schifffahrt nicht im Mindesten hinderlich werden. Eine bis 2 Faust grosse kelchförmige Wasserpflanze treibt in einzelnen Exemplaren, aber zu Tausenden sich folgend, stromabwärts.

Aus dieser kurzen Charakteristik geht hervor und erwähne ich nochmals, dass der Dampfschifffahrt keine Hindernisse im Wege stehen, dass im Gegentheil, z. B. im Vergleiche zum blauen Nil, das Flussbett an Tiefe grössere Regelmässigkeiten zeigt, und nicht, wie es im blauen Flusse der Fall, auf Kosten seitlich vorhandener Untiefen, stellenweise die eingezwängten Gewässer doppelte Geschwindigkeit ihrer Fortbewegung annehmen, wodurch an einzelnen Stellen rückkehrende Strömungen, Sandbänke und Unregelmässigkeiten im Flussbette entstehen. Das Wasser im Sobat erscheint dem Auge röthlich gelb, ähnlich wie dasjenige im blauen Nil, nur von weniger intensiver Färbung. Im Glase jedoch gleicht es mehr dem Nilwasser, ist wenig trübe, weisslich klar. Die Angabe also, dass der Sobat röthlich gelbes Lehmwasser führe, wie der blaue Fluss, dessen Wasser selbst im Glase undurchsichtig, schmutzig gelb erscheint, habe ich nicht bestätigt gefunden.

Das an den Sobat grenzende Ländergebiet, so weit ich es von der Schiffsbrücke übersehen konnte, ist im Grossen und Ganzen Steppe, unabsehbare Grasfläche. Diese Einförmigkeit ist jedoch nicht für alle dem Flusse anliegenden Uferpartien Regel, auch reichhaltige Waldungen ziehen sich in den östlichen Gebieten den Flussufern entlang. Im Beginne der Fahrt schon, von der Station Sobat aus, gelangt man bereits nach einer Stunde zu Uferwaldungen, in denen für die von Chartum nach Ladó und umgekehrt fahrenden Dampfschiffe Holz vorräthig gehalten wird. Bald darauf jedoch beginnt eine endlose Savanne, die erst nach mehr als zwölfstündiger Fahrt abermals einer üppigen Baumvegetation Platz macht. An

dieser Stelle finde ich im Tagebuche notirt: wenn auch noch ab und zu weitreichende lichte Stellen am Ufer grasreiche Savanne erkennen lassen, so wechselt diese doch vortheilhaft mit prächtigen Waldungen, die an Undurchdringlichkeit stellenweise an die Ufer des blauen Nil zwischen dem Chor Raad und Dender erinnern. Eine reichhaltige differencirte Stammvegetation, durchschlungen und verwachsen von Rankgewächsen und Schlingpflanzen, bietet herrliche Licht- und Schatteneffecte. Dem Auge wohlthuend tritt das dunkle Schwarzgrün einzelner Baumgruppen vor der lichter gefärbten übrigen Baumvegetation hervor. Hier ist der Lieblingsaufenthalt des weissköpfigen Adlers, Maliaetus vocifer. Man sieht ihn vielfach am Flusse entlang stolz auf den Laubkronen der hohen Bäume sitzen. Sein effectvolles solides Kleid giebt ihm in der grünen Laubumrahmung ein königliches Aussehen. Ich sah an diesem Morgen gewiss über 50 Exemplare."

Von hier bis zur Station Nasser im östlichen Sobat wechselt das Uferpanorama: auf Steppe folgt Buschwald, der andererseits dem Stammholze, welches aus hoch aufgeschossenem Grase hervorragt, den Platz einräumt, während an anderen Stellen Gras, Buschwald, Stammholz, Ranken und Schlingpflanzen sich zu undurchdringlichem Urwalde verfilzen.

In Betreff der dieses Sobat-Gebiet bewohnenden Völkerschaften und Volksstämme habe ich mich bemüht, die genauesten Erkundigungen einzuziehen. Auf der Rückfahrt von der Station Nasser zur Station Sobat befand sich der schon seit dem Bestehen der Niederlassung dort befindliche Verwalter an Bord unseres Schiffes. Er kannte die am Flusse wohnenden Häuptlinge der verschiedenen Stämme. Auf seinen Aussagen beruhen hauptsächlich meine wenigen Notizen; nach seiner Angabe zog ich während der Fahrt die Grenzen zwischen den einzelnen mir genannten Stämmen.

Die Station Sobat verlassend durchfährt man eine Tagereise weit Schilluk-Gebiet, welches mit dem Tukuldorfe des Häuptlings Aluál endet. In diesem Gebiete fliesst das Chor Făllus, welches sich eine halbe Stunde von der Sobat-Mündung in das südliche Ufer des Letzteren ergiesst und an der Mündung gegen 20 Schritte Breite zeigte. Auf die Schilluk folgt das Gebiet der Djangeh mit dem Häuptlinge Kuhr. Wir saben ihre Ortschaften theils am Ufer, theils etwas entfernt in der baumlosen Steppe liegen. Dieselben sind anscheinend in einzelne Gruppen, Tribus, getheilt, die ihre eigenen Stammesnamen führen und denen besondere Häuptlinge vorstehen. In dieser Beziehung wurden mir im Gebiete der Djangeh von Westen nach Osten gerechnet, die Angóg, dann die Agát und schliesslich die Gehl genannt, Ortschaften und Stämme beziehen.

Namen, die sich zugleich auf
Auf die Djangeh folgen östlich

die Fălláng, deren Häuptling Amol ich in der zweiten Nacht beim Passiren unseres Schiffes an seinem Dorfe an Bord kommen liess. Im östlichen Gebiete der Fälláng wohnt auf einer Insel ein zweiter Häuptling dieses Stammes: Adják, der uns in seinem ausgehöhlten Baumstamme zur Station Nasser folgte, wo er den Tag über bei mir blieb. Auf die Fălláng folgen schliesslich die Niuắk, von denen ein Tukuldorf mit dem Häuptlinge Déng auf einer Insel bei der Station Nasser liegt, während weiter östlich noch viele andere Ortschaften der Niuắk am Sobat liegend von mir gesehen wurden. Alle diese Behausungen der einzelnen Stämme sollen während des Charif (Regenzeit) in geringerer Zahl am Flusse vorhanden sein. Die Insassen sollen zu dieser Zeit im Binnenlande der Viehzucht obliegen. Die beständig am Sobat lebenden Neger gehen mehr dem Fischfange nach. Vieh ist in ihrem Besitze, doch in geringerem Maasse; immerhin erhielt ich von dem Niuắk eine schöne Kuh der Denka-Race zum Geschenk. Den nöthigen Durrah-Bedarf sieht man allerorts hoch über die Grasvegetation emporragen, entweder in der Nähe der Behausungen, oder es liegen diese versteckt in den Getreideanpflanzungen. Vorstehende Notizen beziehen sich auf das südliche Sobat-Ufer, denn ich habe auffallender Weise nur sehr vereinzelte Tukuldörfer am nördlichen Ufer wahrnehmen können, was darauf zurückzuführen ist, dass theilweise die nördlich vom Sobat lebenden Völkerschaften weit vom Flusse ab ihren Lebensunterhalt im Binnenlande suchen, wie z. B. die Nuehr der Viehzucht ausschliesslich obliegen. An diesem nördlichen Ufer gewahrt man im Beginn der Fahrt an der Mündung stromaufwärts noch Schillukdörfer, später aber keine weiteren Behausungen. Eine weithin sich erstreckende Niederung soll unbewohnt sein, der nördlich und zu Ost der Denkastamm folgt. Östlich und weit hinauf gen Norden haben die Nuehr ein umfassendes Gebiet inne, sie sind somit die Grenznachbarn der Djangeh, Fălláng und der Niuắk. In dem ganzen erwähnten Gebiete sollen 5 Sprachen gesprochen werden, und verstehen und reden die einzelnen Stämme häufig mehrere Idiome, ja, es wurde mir versichert, dass einzelne Niuǎk selbst alle Sprachen verständen. Ohne hier auf eigene nähere Beobachtungen, die sich hauptsächlich auf die Niuak beziehen, eingehen zu können, gebe ich zum Schluss mit aller Reserve noch die wenigen Notizen, die auf Erkundigungen über weiter östlich und südlich liegende Ländergebiete beruhen. Wer Gelegenheit gehabt hat, über geographische Facta bei den Eingeborenen und selbst bei dem besseren Araber sich Auskunft holen zu wollen, wird auch die Erfahrung gemacht haben, wie sehr häufig die Aussagen sich widersprechen, und wie phantasiereich und übertrieben ihre Angaben sind,

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Wilh. Junker: Fahrt auf dem Sobat.

so dass es eine schwierige Aufgabe wird, Wahres vom Falschen zu unterscheiden.

Vom Verwalter der Station Nasser erfuhr ich, dass kaum 4 Stunden oberhalb der Station sich der Sobat in vier Arme theile. Natürlich war es nein dringendster Wunsch, wenigstens diesen Punkt zu erreichen. Es lag in unserem Programme, womöglich gutes Schiffsbauholz nach Chartum mitzubringen. Zu dem Zwecke wurden am folgenden Morgen nach unserer Ankunft in Nasser Anstalten zur Weiterfahrt getroffen, leider! jedoch schon nach einer Stunde Fahrt am Ufer einige Bäume gefällt, und hielt es der Capitän für gerathener, zurückzukehren. Ich meinerseits durfte dem Verhältnisse gemäss nicht bestimmend eingreifen. Nach Aussage des Verwalters, der selbst die südöstlichen Ländergebiete besucht haben will, soll der Fluss zur Zeit des Charíf noch drei Tage weit mit dem Dampfer zu befahren sein. Ich hatte zu der projectirten Tour bis zur Flusstheilung, behufs leichteren Verkehrs mit den Eingeborenen, drei Niuắk-Leute an Bord nehmen lassen. Sie kannten die östlich liegenden Gebiete, und wenn auch meist ihre Antworten verwirrt waren, so kamen sie doch darin überein, dass sich der Sobat weiterhin in vier Flüsse auflöse, und zwar nannten sie von Norden nach Süden: Addúra, Nikuár, Gélo, Abuål. Die einzelnen Flüsse sollen noch weithin von den Niuắk bewohnt werden. Längs der Addúra soll man auf den ausgehöhlten Baumstämmen der Eingeborenen noch 40-50 Tage (!?) fahren können; dort im Lande sollen Kameele sein und Zeug gewebt werden (einen Fetzen Lendenschurz zeigten sie mir). Von einem Verwandten des Stationshalters erfuhr ich noch Folgendes: Der Fluss Dschibbě, von Andern Gibbě ausgesprochen (wohl Qibba der Marno'schen Dschuba der übrigen Karten -) kommt aus dem Süden und soll nicht weit von Ladó vorüberfliessen. An ihm wohnt das Volk der Dschibbě. Von Nasser aus gerechnet folgt auf die Niuak nach Südost der Volksstamm der Bóndjăk am Flusse gleichen Namens, welche die Sprache der Niuắk reden. Südlich folgen dann die erwähnten Dschibbě mit besonderer Sprache. Diese scheinen in dem ganzen Gebiete eine der grösseren Völkerschaften zu bilden. Ich hörte viel vou ihrem grossen Häuptlinge und von dem Reichthum an Elfenbein in ihrem Lande reden. Die Frauen sollen die Lippen durchbohren und Elfenbeinbolzen hindurchstecken. Dem Rindvieh werden künstlich die Hörner gebogen und mit Elfenbein verziert. Die Männer tragen Bärte. In ihrem Lande finden sich Berge. Waffe tragen sie nur Lanzen, nicht Bogen und Pfeile. Noch weiter ab sollen die Kúnkung wohnen mit wieder besonderer Sprache. Die Nikuår am Flusse gleichen Namens (wohl der Nikana der Karten) haben gleichfalls reiche Viehherden. Ein Nachbarstamm,

Als

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