Imatges de pÓgina
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hielten nur wenig das Wasser ab, so dass wir bald bis auf die Haut durchnässt waren. Dazu kam, dass die starke Steigung uns keinen Ruhepunkt bot, also weiter und weiter bergauf, bis wir endlich um 24 Uhr den Kamm in 3025 Fuss Höhe erreichten. Einige unserer Indianer, die voraus gezogen waren, hatten zwei Palmen gefällt, und deren Blätter zu 2 und 3 mit dem Stengel in die Erde gesteckt; natürlich bogen sich ihre Spitzen nach vorn und bildeten so eine Art Schilddach, unter dem eine Person aufrechtstehend ziemlich geschützt war. Nach kurzer Ruhe brachen wir wieder auf und nun ging es sehr steil hinunter, wobei die grösste Vorsicht beobachtet werden musste; denn da es unmöglich war, festen Fuss zu fassen, so hiess es, sich von Baum zu Baum zu schwingen. Den einen Baum loslassend machten wir einige schnelle Schritte, um ein Einsinken auf dem weichen Boden zu vermeiden, und fielen dann mehr oder weniger gegen einen anderen Baum, an dem wir uns mit beiden Händen stützten. Endlich um 3% Uhr waren wir unten auf einer Höhe von 1475 Fuss, hatten also fast die gleiche Strecke bergab in 11⁄2 Stunden gemacht, die bergauf 6 Stunden in Anspruch genommen hatte.

Am Icharco angekommen, mussten wir auf dessen rechtes Ufer übergehen, was ziemlich schwierig war, auf die Schultern zweier Indianer gestützt aber ohne Unfall bewerkstelligt wurde. Am anderen Ufer gingen wir ein kleines Stück bergauf und liessen hier unsere Carpa aufschlagen, und jetzt erst konnten wir daran denken, unsere nassen Kleidungsstücke, welche wir den ganzen Tag über auf dem Körper gehabt hatten, zu wechseln.

Der Icharco ist ein Fluss mit ziemlich vielem Wasser und starkem Gefäll und ergiesst sich ungefähr 31⁄2 Leguas unterhalb der Stelle, wo wir uns befanden, in den Chimore. Wir hatten unser Lager an einer sehr hübschen Playa in 1500 Fuss Höhe aufgeschlagen und beschlossen denn auch den nächsten Tag hier zu ruhen, um wenigstens unser Zeug zu trocknen, denn unmöglich konnten wir weiter gehen, ohne uns der Gefahr auszusetzten ernstlich zu erkranken. Da wir befürchteten, dass unsere Reise sich ziemlich in die Länge ziehen werde, mussten wir mit den Provisionen sparsam umgehen; wir liessen daher eine Palme fällen und machten uns eine Suppe von Fisch, Reis und Palmenkohl, eine allerdings etwas merkwürdige Zusammenstellung, die aber doch geniessbar war. Glücklicherweise brach der nächste Morgen klar an, doch zogen wir es vor, anstatt weiterzureisen, unsere sämmtlichen Kleidungsstücke, sowie das völlig aufgeweichte Sattelzeug und die Stiefel zu trocknen, was auch mit Hülfe der Sonne vollkommen gelang. Einige der Indianer gingen den Fluss hinauf, kamen jedoch ohne Fische zurück, da das Wasser zu trübe und kein Fisch zu

erkennen war. Besser gelang es dem Caziken, der sich allein aufgemacht hatte und wenigstens mit einem grossen, fetten Waldhuhn zurückkehrte, welches er redlich mit uns theilte; so hatten wir denn wenigstens einmal frisches Fleisch; hierzu passte der Palmenkohl auch unstreitig besser als zu gekochten und gebratenen Fischen. Leider fing Nachmittags der Regen wieder an; auch in der Nacht regnete es abwechselnd, und war auch der Morgen besser, so hatten wir am folgenden Tage wieder viel von der Nässe zu leiden.

Um 81⁄2 Uhr brachen wir auf und sofort ging es waldeinwärts. Wir mussten jedoch heute den ganzen Tag den Fluss bis zu dessen Cabezera*) folgen; im Fluss selbst konnten wir nicht marschiren, und da die Falda an vielen Stellen nur kahle Felswände bildete, so mussten wir alle Terrainvortheile benutzen und dabei die Richtung möglichst einhalten. Die Steigung war sehr steil und hatten wir oft das Bett der Gebirgsbäche zu benutzen, was freilich eine ziemlich beschwerliche, dennoch aber immerhin noch leichtere Arbeit als im Walde war, da wir wenigstens immer Steine unter den Füssen hatten. So ging es bergauf, bergab, als plötzlich vier oder fünf in wildem Chaos übereinander gestürzte Baumriesen unsern Weg versperrten. Da nach der Aussage der Indianer ein Umgehen dieses Hindernisses unmöglich war, so begann die durchaus nicht ungefährliche Kletterei über die Stämme; von Ast zu Ast hiess es da sich durchwinden und stets festen Fuss fassen, da zwischen den Lücken der Zweige unter den Füssen eine tiefe Schlucht sichtbar wurde. Auch dieses Hinderniss wurde glücklich überwunden, freilich arg zerbissen von den grossen Ameisen, welche im Laubwerk über mich hergefallen waren, und nun ging der Marsch weiter, und bald darauf betraten wir den Gebirgskamm in 2500 Fuss Höhe. Diesem folgend stiegen wir langsam noch weitere 200 Fuss, dann aber einen jähen Absturz bergab, bis wir endlich wieder im Flussbett standen, welches wir nun zu benutzen suchten. Das Weiterkommen wurde uns jedoch durch die enormen Felsblöcke sehr erschwert, bis wir plötzlich an einer Tiefe der von vollständig steilen Felswänden eingeschlossenen Ufer standen. Hart an der Felswand konnte man allerdings gehen, doch freilich bis zur Brust im Wasser, und da ich dieses Bad scheute, so benutzte ich wiederum die Schultern zweier Indianer, um mich hindurchtragen zu lassen, ein allerdings nicht ganz bequemer Ritt, da wegen der Felsblöcke bald der eine meiner Träger hoch, bald der andere niedrig ging. Und kaum dem nassen Elemente entronnen, begann von Neuem die

*) Cabezera, Kopfstück, auch für die Quelle eines Flusses gebräuchlich.

Kletterei bergauf und bergab und dem entsprechend der wiederholte Uebergang von dem einen Flussufer auf das andere. Wiederum mussten wir einen Bergrücken von 400 Fuss Höhe überklettern und schliesslich über einen überaus steilen Abfall zum Fluss hinabsteigen, dessen Lauf wir nun wiederum bis zu einer kleinen Playa folgten, wo der Fluss sich in zwei Arme theilte. Wir hatten an diesem Tage überhaupt nur etwa 4 Legua zurückgelegt und lagerten jetzt in 1850' Höhe.

Auf dieser Playa richteten wir uns nun häuslich für das Nachtlager ein; in unserer unmittelbaren Nähe lagerten die Indianer, die, weil keine Palmen in der Nähe wuchsen, sich keine Carpa aufrichten konnten, an zwei Feuern. Gegen 10 Uhr wurden wir durch einen starken Regen, wie ich ihn selbst in den Tropen noch nicht erlebt hatte, geweckt; dabei war die Gegend tageshell von den unaufhörlichen Blitzen erleuchtet, so dass man den Fluss weithin stromauf und abwärts überblicken konnte. Die Indianer hatten sich alle in unsere Carpa gedrängt, als plötzlich einer derselben uns zurief: Señor, rio viene". Was dies bei diesen Gebirgsströmen sagen will, wussten wir; rasch sprangen wir auf von unserm Lager; jeder ergriff das, was ihm gerade zunächst lag und flüchtete damit bergan in den Wald. Nochmals kehrten die Indianer zurück und waren so glücklich, mein Feldbett heraufzubringen. Auch der Cazike stürzte sich nochmals in den Fluss um meine Uhr zu retten, die ich in der Carpa aufgehängt und vergessen hatte, und es gelang ihm, dieselbe in demselben Augenblicke zu ergreifen, als die Carpa von den Fluthen weggerissen wurde. Alles dieses hatte keine 10 Minuten gedauert; der Fluss war über 12 Fuss gestiegen, und jetzt nicht mehr wie zwei Fuss von mir entfernt; da sein Bett jedoch jetzt ungleich breiter war, so fürchteten wir kein ferneres Steigen, nur ein etwaiger Derumbo unter uns hätte uns verderblich werden können. Da sass ich nun im furchtbarsten Regen, nur halbbekleidet und zitternd vor Nässe und Kälte, da mein Gummi-Poncho durchzunässen begann. Unendlich lang wurde diese Nacht; das Gewitter hörte auf, auch der Regen liess etwas nach, aber wir befanden uns in einer egyptischen Finsterniss, aus der uns endlich das anbrechende Tageslicht erlöste. Jetzt erst konnten wir unsern Schaden überblicken; das Wasser hatte so manches Stück unsers Gepäcks weggespült und auch meine Jagdflinte, verschiedenes Schuhzeug und Kochgeräth. Auch war mein Notizbuch, in welchem die Aufzeichnungen von meiner letzten Reise enthalten waren, verschwunden; ich hatte dasselbe in meinen Hut unter mein Bettgestell gelegt und es war beim Zusammenraffen wahrscheinlich herausgefallen. Glücklicherweise hatte ich Dr. Kiepert's Rath befolgt, sich nicht auf sein

Notizbuch zu verlassen, und hatte daher jeden Abend meine Notizen in ein anderes grösseres Buch copirt und sonstige Bemerkungen aus dem Gedächtniss hinzugefügt; wirklich möchte ich jedem Reisenden auf's Wärmste anempfehlen, ein Gleiches zu thun. Zunächst mussten aber unsere Sachen getrocknet werden, denn wir hatten wirklich kein trockenes Stück, und so zündeten denn die Indianer mehrere Feuer an, die jedoch überdacht werden mussten, da ununterbrochen ein feiner Regen anhielt. Dieses Geschäft des Trocknens währte den ganzen Tag. Auch gingen unsere Provisionen in bedenklicher Weise auf die Neige, und da an Jagd und Fischfang nicht zu denken war, die Indianer es aber vorgezogen, ihren gerösteten, vollständig durchnässten Mais sofort zu verzehren, als ihn dem Verderben preisgegeben, so nahmen wir wieder unsere Zuflucht zum Palmkohl. Auch brachten die Indianer ein mir neues Nahrungsmittel, nämlich das Herz und Mark eines grossen Farrnkrautes, das ca. 20-30 Fuss hoch wächst und vollständig einer Palme ähnlich sieht. Dieses Mark wurde entweder geröstet und schmeckte sehr gut, ähnlich einer Nuss, oder geschält und mit Salz durchknetet als Brod geröstet, schmeckte aber in letzterem Falle ziemlich fade. Ausserdem brachte ein Indianer einen mir unbekannten wilden Honig; derselbe war flüssig wie Wasser und schmeckte, als ob er mit Essig vermischt wäre; das Zellengebäude war ganz unregelmässig und stammte von einer gewöhnlichen schwarzen Fliege ohne Stachel. Nach der Aussage des Caziken giebt es hier mehr als sechs verschiedene Arten von Honigbienen.

Da der Aufenthalt auf dem sumpfigen Waldboden und bei dem anhaltenden Regen keineswegs angenehm war, so beschlossen wir am folgenden Morgen, am 17., auf gut Glück aufzubrechen; Don Juan war mit drei Indianern vorangegangen und um 10 Uhr folgte ich mit den übrigen Leuten. Gleich Anfangs ging es wieder bergauf, denn wir mussten jetzt den Icharco verlassen und an den Ibirizo zu kommen suchen. Wieder etwas abwärts gehend passirten wir einen der Flüsse, die uns vor zwei Tagen solches Ungemach bereitet hatten, durchschritten dann, wieder ansteigend, zwei kleine Bäche. Doch, wie sahen diese Flussläufe, welche gestern noch grosse Bäume und Felsblöcke mit sich fortgerissen hatten, heute aus! trocknen Fusses konnten wir mit unsern Schuhen in ihrem Bette gehen. Endlich, nachdem wir eine Höhe von 2525 Fuss erreicht hatten, wurde der Weg bequemer, da wir jetzt dem Kamm folgen konnten, und hatten jetzt wieder den Icharco zur Rechten unter uns. Bald ging es wieder bergab, zwischen zwei kleinen Flüssen, die schon in den Ibirizo flossen, und da die Bajada steil war, so benutzten wir erst den einen dieser Flüsse, und darauf den anderen zum Weitermarsch, bis wir eine kleine

war.

Ebene erreichten, und diese durchschneidend auf das Ufer des Ibirizo stiessen (Höhe 2200 Fuss). Dieser Fluss, ein Nebenfluss des San Antonio, also somit des Chapare, hatte viel Wasser und war zudem so breit, dass ein Durchwaten desselben nicht möglich Die Indianer construirten deshalb ein Floss, indem sie einige Palmenstämme von ca. 9 Fuss Länge durch zwei hindurchgetriebene Querhölzer verbanden, darüber der Quere nach zwei dicke Taquaras und endlich der Länge nach eine Taquara, alles gut zusammengebunden, legten. Unser Gepäck wurde aufgeladen, und von einem schwimmenden Indianer bugsirt setzten wir auf dem Flosse über den Fluss. Am linken Ufer fanden wir eine grosse, in der Mitte hohe und nach den Ufern abgedachte Playa, auf deren höchstem Punkte ich das Zelt aufschlagen liess. Hätte das furchtbare Unwetter uns nicht gezwungen, am Eñe einen Ruhetag zu machen und hätte es uns hier, wo uns jeder Rückzug abgeschnitten gewesen wäre, überrascht, so würde die Fluth uns sämmtlich fortgeschwemmt haben. Am Morgen brachen wir frühzeitig auf, doch erwartete langweiliger Tag; wir hatten eine Ebene von ca. 11⁄2 Legua zu durchschneiden, auf welcher die Taquara in einer Ueppigkeit wuchs, wie ich solche noch nicht gesehen hatte. Schösslinge, die noch kein Blatt entwickelt hatten und nach Aussage des Caziken nicht über 6 Monat alt waren, hatten sich hier in einer Länge von über 40 Fuss entwickelt; wegen ihrer geringen Stärke (4 bis 5 Zoll) bogen sich die langen Schösslinge oft bis zur Erde nieder und mussten, um nur freie Bahn zu machen, Schritt für Schritt mit der Machete durchhauen werden. Ueber zwei kleine Flüsse, die wir passirten, lag die Taquara so dicht, dass wir darüber hinweggingen, ohne den Boden zu sehen. So ging es bis 4 Uhr Nach41⁄2 mittags, wo wir dann endlich den Hokcora erreichten, einen Nebenfluss des Ibirizo. Hier wurde wieder das Lager aufgeschlagen, auf 2200 Fuss Höhe.

uns ein

Am nächsten Morgen ging es weiter bei dem schönsten Wetter. Wir hatten den Fluss zu überschreiten und darauf wieder eine ziemliche Steigung zu machen; doch belebte uns das Wetter und es war ein Vergnügen, die Indianer im Sonnenschein den Berg hinaufklettern zu sehen. Wir folgten dann dem Bett eines kleinen Flusses bis beinahe zu seiner Quelle, die ich auf 2950 Fuss Höhe fand. Der Abstieg war etwas schwieriger, obgleich wir wieder einen kleinen Fluss benutzen konnten, da der Boden auf der ganzen Strecke aus weichem Thonschiefer bestand. Bald darauf erreichten wir den Bandiota, der sich hier in zwei Arme theilt; über den ersten liess ich mich durch zwei Indianer tragen, während ich den anderen Arm durchschwamm. Jetzt hatten wir nur noch Legua bis zu unserm Ziele und erreichten gegen 2 Uhr die Cocapflanzung meines

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