Imatges de pÓgina
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mehreren grofsen Khuâr durchzogen. Diese, wie der Khôr-el-Ġa alauch Bahr-el-Ġa'al genannt, ein Khôr-Sumgerah und der Khôr-e'-Delêb , letzterer gegen 12 Stunden südlich vom Ġebel-Ghûle, münden in den weifsen Flufs. Sie werden wieder durch unzählige kleine Bäche gespeist.

Ein grofser Gegensatz findet zwischen dem blauen und weifsen Flusse hinsichtlich der beiderseitigen Uferbildung statt. Der Bahr-elazraq fliefst zwischen dem Gebel-Qubbah, G.-Fazanqarô, Bamesâ und dem Dorfe Abu-Ġelôleh oberhalb Rosêres, in einem ziemlich schmalen, an felsigen Parthien reichen Bette. Unterhalb Rosêres erweitert sich dasselbe und bis gegen Sennâr hin tritt das erhöhte Ufer, einen Rücken, Dahr bildend, mit freien, meist steilen Abfällen, seltener mit sanfter Abdachung, auf der rechten Seite ziemlich weit zurück, nähert sich aber zwischen Sennâr und Kharțûm wieder mehr dem Strome. Die linke Uferhöhe tritt mit ihrer Böschung zwischen Fezoghlu und Sennâr meist hart an das Wasser. Während der trockenen Zeit fliefst nun der Baḥr-el-azraq ziemlich langsam in seinem sandigen, an Untiefen und flachen Inseln reichen, oft kaum 200 Schritte breiten Bette. Dann ist er an der sogenannten siebenten Katarakte, der von Granitfelsen starrenden Verengerung zwischen Hêwân und Abu-Ġelôleh, für Barken nicht mehr passirbar und kann sowohl hier, wie bei Famakâ und Gherî in Fezoghlu, durch watet werden. In der Regenzeit dagegen können Barken, selbst von einigem Tiefgange, die Stromengen ohne grofse Gefahr passiren.

Der weisse Flufs strömt in seinem zum Theil schlammigen, überall ganz niedrigen, nur in gröfserer Entfernung von steilen Böschungen begrenzten Bette ruhig und träge dahin. Oefters dehnt er sich zu seeartigen Erweiterungen aus oder er theilt sich in viele engere und breitere Kanäle, deren Wirrnifs zuweilen so grofs, dafs der Schiffer kaum weifs, ob er sich im eigentlichen Nilbette oder in einem seitlichen Rinnsale befindet. In der Regenzeit gewaltig anschwellend, überfluthet er weithin die Niederungen, welche mit undurchdringlichen Dickichten von Schilf, Binsen, Cypergräsern, 'Ambâg-Holz, Akazien u. dergl. bewachsen sind. Keine Katarakte (einige felsige Untiefen bei OmmDermân, an der Mündung, ausgenommen) hemmt, nördlich vom 5° Br., die Schifffahrt; es konnte ein eisernes Dampfboot schon einigemale selbst bis Gondôkoro hinaufgehen.

Von Ende Oktober bis Ende März wehen in Sennår sehr konstant nördliche Winde. Es ist dies die trockene Jahreszeit ElHeta im Gegensatz zur feuchten El-Kharîf, welche zwischen

Anfang Mai und Ende Oktober fällt. In den ersten Tagen des Mai stellen sich Südwinde ein, wehen später ziemlich regelmässig und arten

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häufig zu furchtbaren Stürmen aus. Dann bemerkt man in den ersten Maitagen Abends in O., SO., seltener in SW. und W., Wetterleuchten; hin und wieder entladet sich Nachts ein Donnerwetter mit strömendem Regen. Gegen Ende des Monat Mai mehren sich diese Erscheinungen, die Unwetter werden heftiger. Aber es gewittert fast immer nur Nachts. Unter 75 Tagen, während deren wir in Sennâr gereist, zählten wir beinahe 50 Gewittertage; darunter kaum 10, an denen es bei Tage geregnet, unter letzteren nur vier, an welchen der am Vormittag und Nachmittag stattfindende Regen von Gewitter, von Donner und Blitz, begleitet gewesen. Diese Zeit fällt zwischen 1. Mai und 12. Juli. In der zweiten Hälfte Juli fanden, während unserer Krankheit, zu Rosères und weiter stromab, fast allnächtlich die heftigsten Gewitter statt. Vom 2.-21. August gab es in Kharțûm nicht häufige, aber ungemein starke, nächtliche Gewitter. Gewöhnlich dauern diese Erscheinungen nur eine halbe bis wenige Stunden; selten ereignet es sich, das ein Gewitter die ganze Nacht hindurch anhält. Der Elephantenjäger Teodoro Evangelisti erzählt uns, er habe einmal in einer Abunêgimah genannten, eine Tagereise weit von Kârkus am blauen Flusse nach Innen zu gelegenen Landschaft, fünf Nächte lang hintereinander furchtbare Gewitter erlebt, welche jedesmal von Sonnenuntergang bis gegen vier Uhr Morgens gedauert. Selten einmal kommt es vor, dafs es Tag und Nacht hindurch regnet. Auch selbst dann pflegen sich gewöhnlich mehrere Gewitter nach einander zu entladen. Aehnliches erlebten wir am 7. Mai 1860 zu Zerîbah unfern Woled-Medîneh; hier gab es von 12 Uhr Mittags bis Sonnenuntergang kurz hinter einander drei starke Gewitter; Nachts deren eines, welches etwa zwei und eine halbe Stunde lang währte. Jedem Gewitter pflegt ein heftiger Sturm vorherzugehen. Wir fühlten immer, bevor die Erscheinung stattfand, eine grofse Beklemmung; die Athmung schien in der unerträglich schwülen Luft gleichsam zu stocken, der Puls hatte einen beschleunigten Gang, die Schläfen pulsirten. Kalter Schweifs perlte von der Stirn, die Kleider waren feucht von übermässiger Transspiration. Stöhnend warfen wir uns auf dem 'Anqareb, der rohen Bettstelle des Nubiers, umher. In der engen, dumpfigen Hütte des sennârischen Dorfbewohners wurde der Aufenthalt um diese Zeit vollkommen unerträglich. Das glockenähnliche Gezirpe der Heimchen (Gryllus), das drönende Gequake der Frösche im Flusse und in den Regenteichen verstummte allmälig; seufzend drang von Zeit zu Zeit ein Windstofs durch die dürren Speichen und Röhre der Hüttenwände. Dann tobte die Windesbraut stärker und stärker; bald fegte sie mit Heulen und Brausen über die Waldesniederung. Der von Strapatzen und mühseliger Arbeit übermäfsig er

schöpfte Körper erbebte unter diesen furchtbaren Windstöfsen. Dann kurze Ruhe, dann Gewitter. Aber welches Gewitter! Diese hellen, blendend hellen Blitze, diese Donnerschläge wie von hunderten schwerer Geschütze, und ein Regen, welcher nach der Dauer nur weniger Stunden weite Landstrecken in Sümpfe zu verwandeln vermochte. Erst nachdem das Gewitter ausgetobt, überkamen uns wohlthätige Ruhe, erquickender Schlaf.

Der Himmel erschien von Anfang Mai bis Anfang August gewöhnlich den Tag über zum grofsen Theil mit Haufwolken bedeckt. Gegen Abend verdichtete sich das Gewölk noch mehr. Selten jedoch hatten wir den ganzen Tag hindurch gleichförmig bewölkten Himmel. Die Sonne wurde zwar in ihrer Wirkung durch die Cumuli gemässigt; brach sie aber zeitweise durch Wolken, so pflegte sie um so unerträglicher zu sein. Durchglüht nun, in den Monaten September bis November, die infernalische Sonne den mit weiten Sümpfen bedeckten, fetten Lehmboden, verdunstet eine Menge von mit organischen Stoffen geschwängerten Wassers; klafft dann die Erde in halbfufsbrei-. ten Rissen auf, so verwandelt sich die Ġezîreh in einen Heerd todtbringender Fieber. Zwar ist hier keine Jahreszeit, in welchem „ElWardah", das Fieber, nicht Einheimische wie Fremde heimsuchte, aber die Zeit während und kurz nach Aufhören der Regen, also zwischen September und November, soll doch, nach Allen, die weitaus gefährlichste sein. Die zwischen November und April fallende, trockene Zeit ist verhältnifsmäfsig die gesundeste. Im April und Mai, wenn bei drückend schwüler Luft die ersten Südwinde wehen, tritt eine Verschlimmerung der Krankheitsdisposition ein, wogegen während der Regenmonate Juni bis September wiederum ein Nachlafs erfolgt.

Die fieberhaften Krankheiten, deren nördliche Grenzen in OstSudân schon früher 1) angegeben worden, treten hier unter zweierlei Hauptformen auf. Nämlich 1) als einfache, intermittirende Fieber gewöhnlich ein- und dreitägige F. — mit regelmässigem Typus. Diese haben einen oftmals sehr langwierigen Verlauf, untergraben die Kräfte, ziehen allgemeine und partielle Wassersuchten, Leber- und Milzanschwellungen, und in Folge deren, nicht selten langes Siechthum oder gar den Tod nach sich. Diese Intermittenten arten häufig dergestellt aus, dafs nach längerer oder kürzerer Dauer die Anfälle immer häufiger und heftiger werden, dafs die Kranken auch in den Zwischenpausen zwischen den früher typischen Anfällen stärker fiebern, bis endlich eine lethale Febris continua, von schweren Gehirnerscheinungen

1) S. meine Schilderung der westlichen Bejûdah - Steppe im XII. Bde. 1862. S. 187 dieser Zeitschrift.

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begleitet, das Leben des Kranken endet. Diese Form nähert sich sehr einer zweiten Hauptform, dem perniciösen Fieber. Von diesem werden Kranke, mit und ohne Vorboten, befallen; die Anfälle sind von Anfang an ungemein heftig, lassen eine sehr unreine Apyrexie und enden nach zwei- bis dreimaliger Wiederkehr in Tod. Gar nicht selten aber erliegen Leute einer sie plötzlich ergreifenden, von den schlimmsten Gehirnzufällen begleiteten, fieberhaften Krankheit, nach einer Dauer von nur 6-12 Stunden! Bei dieser perniciösen Form scheint häufig eine schwere Insolation Sonnenstich im Spiele zu sein; wenigstens kenne ich zahlreiche Fälle, in denen sich dergleichen Ursachen deutlich nachweisen liefsen. Ueberhaupt bin ich der Ueberzeugung, dafs in diesen Gegenden die Einwirkung der Sonnenstrahlen weit häufiger ein fiebererzeugender Faktor sei, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Selbst bei plötzlichen Todesfällen unter Eingeborenen hört man nicht selten: El-Wardah 'aliśân-e'-Śems das Fieber wegen der Sonne (oder das durch die Sonne erzeugte Fieber) —“ als lethale Ursache nennen. Den Fiebern erliegen meist die nicht acclimatisirten Fremden und spotteten die perniciösen Formen bisher noch jeder Behandlung. Aber auch Eingeborene werden von diesen mörderischen Krankheiten heimgesucht. Als besonders schlimme „Heerde" derselben bezeichnete man uns die Orte: Sendi, Khartûm, Kamlîn, Abu-Ḥarâs, Sennâr, Rosêres und Famakâ. Jedenfalls möchten wohl die meisten sennârischen Orte längs des blauen Flusses mehr oder weniger Fieberheerde sein. Dyssenterien erscheinen im Sudân ebenfalls nicht selten. Gewöhnlich hält man die hiesige Form für weniger gefährlich, als die in Unter- Aegypten herrschende. Indessen möchte ich dies nach den vielen, mir neuerlich wieder zu Ohren gekommenen, denn doch sehr bösartigen Fällen, stark bezweifeln. Die Krankheit zeigt in Aegypten und Sudân, soviel ich selbst beobachtet, einen übereinstimmenden Typus. Eingeweidewürmer sind sehr häufig. Man findet Echinococcus, Taenia, Leberegel und Rundwürmer in grofser Menge. Die Unsitte der Sudânesen, rohe, schlecht gereinigte Viehdärme und rohes Fleisch zu geniefsen, aus schmutzigen Geschirren zu essen, ununterbrochen in naher Berührung mit Hausthieren und deren Exkrementen ') zu bleiben, dies und noch manches Andere, anderweitig zu Erörternde, mag zur Erzeugung von parasitischen Würmern beitragen.

In Kordufần und am Bahr-el-abjad ist der Ferendit (Filaria me

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1) Rindsdünger z. B. ist ein in Nord-Ost-Afrika als Material zur Feuerung, beim Häuserbau u. s. w. sehr beliebter Stoff.

dinensis Gm.) sehr verbreitet; seltener erscheint er dagegen in Nubien, wo er, nach Dr. Peney's Versicherung, nur eingeschleppt vorkommt.

Eine merwürdige Erscheinung bildet das Nasenbluten, welches Fremde und Einheimische, besonders während der Regenzeit, befällt. Es zeigt sich ohne nachweisbare Ursache, ist von unbestimmter Dauer, währt oft mehrere Wochen lang, befällt den Leidenden täglich, wird häufig von bohrenden Schmerzen in der Stirngegend begleitet und nimmt zuweilen einen lethalen Ausgang. Man könnte hierbei an Anwesenheit von Zungenwürmern (Penstastomen) glauben.

Skorbutische Affektionen von meist sehr langwieriger Dauer und Syphilis, besonders syphilitische Hautleiden, sind in Sennâr allgemein. Die ägyptischen Truppen und Elephantenjäger verschleppen die Lues weit nach Süden, wo aber auch gewisse Formen derselben einheimisch.

2. Geognostische Notizen.

Die sennârische Ebene besteht aus einem an Geschieben reichen, oft faustgrofse Konglomerate enthaltenden, eisenreichen Schwemmlande mit unterliegenden Thonstraten. Die Berge bestehen, vom G.-Mojeh bis zum G.-Ghûle, nachweislich aus röthlichem, grobkörnigen, dem des assuâner Sellâl ähnlichen Granit, in dessen Hauptmasse Quarz, Feldspath und Glimmer ziemlich gleichmäfsig vertheilt sind und in welchem, nach mitgebrachten Proben zu urtheilen, keine besonders interessanten Beimischungen enthalten sind. Zuweilen findet man in diesem Granit auch gröfsere Gänge eines halb durchscheinenden, fast glasartig hellen Quarzes und feinkörnige Parthien mit viel Feldspath, wenig Quarz und wenig Glimmer. Südlich von Hêwân steht Chloritschiefer zu Tage und bildet das Hauptgestein im Tumât-Thale sowohl, wie aufwärts am Bahr-el-azraq. Der Gebel-Fezoghlu wird, seiner Hauptmasse nach, von Gneis gebildet, der sehr feldspathhaltig und sehr granitähnlich ist.

Das Schwemmland der zwischen den Bergen gelegenen Ebene führt von den abyssinischen Alpen bis an den Bahr-el-abjad Gold. GoldWäschereien betreibt man an vielen Stellen, z. B. an den Dulûl- Khêlî, Bûq, Ġumġum, Quqeli, Abu'l-Daqû', am Ġ.-Dûl u. s. w. Der Goldstaub, Tibr wird, sobald er durch die Wäsche gefördert, zu Fadâçî, Beni-Sonqôlo, in den Berțât-Bergen, am Ġ.-Tâbî und Ġ.Ghûle in Ringe umgeschmolzen und in dieser Form nach Kharțûm gebracht. Selten gelangt Goldstaub aus dem Oberland, in Federn von Geiern, Trappen, Straussen u. dergl. verwahrt, dorthin, wogegen Dahab-Nebowi, d. h. Gold aus den Bergen der Nôbah im Süden von Kordufân, meist als „Tibr" in den Handel kommt.

تبر

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