Imatges de pÓgina
PDF
EPUB

Miscellen.

Newfoundland.

Newfoundland ist derjenige Theil Amerika's, welcher Europa am Nächsten gelegen ist, indem die Entfernung von der Hauptstadt St. Johns bis Valentia in Irland nur 1656 Miles beträgt, dieselbe demnach für die Legung des untermeerischen Telegraphen zur Verbindung beider Erdtheile vorzugsweise ins Auge gefafst wurde. Ueber die natürliche Beschaffenheit dieser Insel hat Moses H. Perley, Präsident der Natural-History - Society von New Brunswick im The Canadian Naturalist and Geologist", Vol. VII, No. 5, Oct. 1862 eine Arbeit veröffentlicht, welche wir hier auszugsweise wiedergeben wollen.

[ocr errors]

Die Insel Newfoundland liegt an der Nordseite der Einfahrt in den Golf von St. Lawrence, welcher sie von Canada scheidet. Ihre Südwestspitze, Cape Ray, nähert sich Cape Breton; gegen Norden und Nordosten liegen die Küsten von Labrador, jenseit der Straits of Belleisle; die Ostküste bespült der nordatlantische Ocean.

Die Gestalt ist ungefähr dreiseitig, jedoch ohne Regelmäfsigkeit, da zahlreiche Baien, Häfen und andere Einschnitte vorhanden sind. In geraden Linien mag der Umfang nicht viel weniger, als 1000 Miles betragen. Die gröfste Breite, zwischen Cape Ray und Cape Bonavista, beträgt etwa 300 Miles, die gröfste Länge von Cape Race nach Quirpen am nordöstlichen Ende, ungefähr 419 Miles auf einer durch die Mitte der Insel gehenden krummen Linie. Den Flächengehalt schätzt man auf 36000 Quadratmiles.

Vom

Von der See aus hat Newfoundland ein wildes und rauhes Ansehen. Innern ist sehr wenig bekannt, da es nur erst theilweise durchforscht ist. Solche Partien, welche von urtheilsfähigen Beobachtern gesehen sind, werden als reich mit Wasserflächen bedeckt geschildert. Seen, Sümpfe, Felsen und Gestrüpp bilden die wesentlichsten Theile der Gegend.

Der vorherrschende Typus ist der eines rauhen, meist kahlen Landes. Hügel und Thäler wechseln mit einander; erstere aber erheben sich selten zu Felsen, letztere breiten sich selten zu Ebenen aus. Das Ansehen der Hügel ist sehr verschieden. Bald bilden sie lange, abgeflachte Reihen; gelegentlich werden sie gerundet und stehen vereinzelt, scharfe Piks mit steilen Abhängen. Die Thäler erscheinen zuweilen als tiefe Gebirgschlünde und wilde Schluchten, an andern Orten als Einsenkungen mit flachgeneigten Seiten, während in der Sohle stets ein Wasserlauf vorhanden ist.

Die Seeklippen von Newfoundland

zumal an der Küste zwischen St. John's und Cape Race, von da westwärts zwischen Cape Race und Cape Ray, sowie von hier nördlich längs der Westküste und Bonne Bay sind fast überall steil und haben tiefes Wasser an ihrem Fusse.

Lose Blöcke jeder Grösse sind über das ganze Land verstreut. mehren die allgemeine Rauhheit des Ansehens.

Sie ver

Drei verschiedene Arten von Pflanzenwuchs bilden drei verschiedene Districte, welchen die Einwohner die Bezeichnung Wälder, Marschen und Wüsten (Woods, Marshes, Barrens) geben.

Die Wälder finden sich im Allgemeinen an den Seiten der Hügel oder an den Abhängen der Thäler, wo immer für das Uebermafs des Wassers natürlicher Abflufs vorhanden ist. Daher trifft man die Forsten, wenn sie so genannt werden können, am häufigten und die Bäume am gröfsten in der Nähe der Seeküste, der Seen und Flüsse, wenn Boden und andere Umstände günstig sind.

Newfoundland ist häufig als ein dicht bewaldetes Land beschrieben worden, ist ein solches in der That aber nicht. Die Bäume bestehen zumeist aus Schwarztannen (Spruce, Abies nigra), Weisstannen (White fir, Abies alba), gelben Birken (Betula excelsa), weifsen Birken (Betula populifolia) und Lärche (Hackmatack, Larix americana). Was man aber in Newfoundland für grofse Bäume ansieht und für grofse Bauhölzer ausgiebt, würde in New Brunswick von den Zimmerleuten verachtet werden. An der Ostküste giebt es nur wenig Holz von irgend welchem Werthe, nur als Brennholz und Material für Herstellung von Fischerböten brauchbar. Im nördlichen Theile der Insel auf der Kalkformation sollen früher ausgedehnte Forsten gestanden haben; doch haben grofse Brände die schönsten Bäume zerstört, worauf ein Nachwuchs geringerer und kleinerer Arten folgte.

Der grössere Theil der Wälder ist von kleinem Wuchse, meist Tannen von 20-30 Fufs Höhe und nicht mehr als 3-4 Zoll Durchmesser. Sie stehen im Allgemeinen so dicht bei einander, dafs ihre Zweige von oben bis unten sich in einander verschlingen. Die ungeheure Menge abgestorbener Bäume, verfaulter Stümpfe und Aeste, in neuerer Zeit umgefallener Stämme, zusammen mit dem jungen Aufschusse und verworrenem Gestrüppe bilden häufig ein fast undurchdringliches Dickicht. Die Bäume sind oft mit grauen und weifsen Flechten und Moosen überkleidet, während grüne, weiche Moose den Boden bedecken und die verwachsenen Wurzeln der noch stehenden Stämme, die zackigen Stümpfe der gefallenen Bäume, die scharfen Kanten und meist schlüpfrigen Flächen der Steinblöcken mit den Löchern und Gruben dazwischen verhüllen. Jeder Schritt in diesen Wäldern ist mit äusserster Vorsicht zu thun, fordert stete Wachsamkeit, um das Fallen zu vermeiden; ja, man hat Mühe, nur Platz zum Stehen zu finden. Um vorwärts zu kommen, mufs man klettern, kriechen, springen u. s. w. Jeden Augenblick ist man genöthigt, die Richtung des Weges zu ändern, um solche Stellen aufzufinden, durch welche man sich mit Gewalt ein langsames Fortkommen erringt. Während der Hitze des Sommers, was wenigstens in Newfoundland Sommer heifst, schliefst der gedrängte Stand der niedrigen, verkümmerten Stämme jeden frischen Luftzug aus, während dieselben doch an ihrer Spitze nicht hinlänglich dicht belaubt sind, um die heissen Strahlen der Sonne abzuhalten. Diese erhitzte Atmosphäre wird überdies noch unleidlicher durch den starken Geruch nach Terpenthin, welcher aus allen Poren der Nadelhölzer hervordringt.

Umschlossen von diesen Wäldern liegen, sich ausbreitend über die Thäler und niedrigen Landstrecken, grofse, offene Gefilde, welche mit dem Namen "marshes" bezeichnet werden.

Dieselben sind indessen, wohl zu verstehen, nicht immer nur tief gelegenes oder nur ganz flaches Land, sie erheben sich vielmehr häufig beträchtlich über den Meeresspiegel und zeigen eine wellenförmig gebrochene Oberfläche.

Sie werden von einer mehrere Fufs starken Moosdecke bekleidet. Diese ist Zeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. XIV. 29

grün, weich, schwammig, von Gräsern und Sumpfpflanzen durchwachsen. Die Oberfläche ist uneben, abwechselnd löcherig und hügelig, indem diese Erhebungen häufig mit kurzem, trocknem, krausem Moose bewachsen sind. Die verschiedenen Farben der Moose geben diesen Marschen ein eigenthümlich reiches Ansehen, zumal aus einiger Entfernung, besonders wenn an den Seiten der Erhebungen noch Baumgruppen verstreut stehen. Ein des Landes Unkundiger könnte danach leicht glauben, dasselbe sei für den Anbau ganz besonders geeignet, was aber in der That durchaus nicht der Fall ist.

Lang anhaltende Trockenheit oder harter Frost ausgenommen, sind diese Marschen stets feucht und zwar in so hohem Grade, dafs sie nicht im Stande sind, das Gewicht eines darüber schreiten wollenden Menschen zu tragen. Ein Gang von drei bis vier Miles Länge über eine solche Newfoundlandmarsch, bei man mit jedem Schritte bis an die Knöchel oder wohl gar knietief in das Moos einsinkt, ist ein höchst ermüdendes Unternehmen und ganz besonders mühselig für den, welcher aufserdem eine Last auf den Schultern zu tragen hat.

WO

Die Moosdecke wirkt wie ein grofser Schwamm. Beim Schmelzen des Schnees im Frühjahre sättigt sie sich vollständig mit Wasser, welches sie lange zurückhält, und welches sich bei jedem Regenfalle wieder ergänzt.

Ueberall in Newfoundland sieht man zahlreiche Wasserlachen, und man kann kaum nach irgend einer Seite hin eine einzige Meile gehen, ohne auf Wasserflächen zu stofsen, welche sich zuweilen sogar seeartig erweitern. In den niedriger gelegenen Theilen des Landes trifft man auch überall kleine, träge Brüche und andere Wasserläufe.

Die feuchte Beschaffenheit der Marschen rührt allein von der wasserhaltenden Kraft der Moose her, indem der Untergrund eigentlich hinlängliche Neigung besitzt, so dafs das Wasser abfliefsen könnte. Entfernt man diese moosige Oberschale, so finden sich darunter entweder trockene, runde Geschiebe oder kahles Gestein.

Die,,barrens" sind ausgedehnte Districte auf den Höhen der Hügel und anderer hochgelegenen Strecken. Sie sind zum Theil mit dünnem, struppigem Pflanzenwuchse, meist beerentragenden Pflanzen und zwerghaften Gebüschen besetzt. Häufig trifft man kahle Stellen mit vielem Gerölle oder zerbröckelten Felsmassen völlig ohne einen pflanzenbringenden Boden. Nur mit Hülfe dieser ,,barrens" ist es möglich, gröfsere Strecken des Innern zu durchwandern und zu erforschen. Wenngleich häufig gebrochen, rauh und steilkluftig, bieten sie doch einen angenehmen Weg, nachdem man durch die schweren Marschen oder durch die dicht verwachsenen, langweiligen Wälder hat ziehen müssen.

Zuweilen findet man an den tiefern Stellen der „barrens", oder da, wo sonst die Verwitterung des Gesteins etwas Pflanzenboden hat entstehen lassen, einige verkrüppelte Lärchenbäume. Diese verbutteten Bäume heifsen in Newfoundland zusammenhockende Büsche (tucking bushes); sie wachsen nur etwa brusthoch mit senkrecht vom Stamme abstehenden Zweigen, alle dicht verworren, mit flachen Spitzen von gleicher Höhe, als wenn sie abgehauen wären. Diese Büsche sind so steif, dafs man an manchen Orten fast auf ihnen hinschreiten kann, und dafs es eine ungemeine Mühe macht, sich durch sie hindurchzudrängen.

Die drei genannten Arten von Ländereien erscheinen nirgends jede für sich

in gröfserer Ausbreitung, sondern wechseln mit einander stets im Laufe einer Tagereise ab.

Den hervorstechendsten Zug der Bodenbildung Newfoundlands giebt die aufserordentliche, kaum glaubliche Fülle von Seen jeder Gröfse, welche aber alle ohne Unterschied „ponds" genannt werden. Sie finden sich sogar an höher gelegenen Stellen, selbst in den Einsenkungen auf dem Rücken der Bergzüge und auf den Spitzen der höchsten Hügel. Ihre Gröfse wechselt von Lachen von 50 Yards im Durchmesser bis zu Seen von 30 Miles Länge und 4-5 Miles Breite. Die Zahl derer, welche mehr als ein Paar Miles Ausdehnung besitzen, mufs mehrere Hunderte betragen; die kleineren sind wirklich nicht zu zählen. Man schätzt den von Wasser bedeckten Theil Newfoundlands auf voll ein Drittel der Insel, und dürfte dies wohl eher noch zu wenig sein.

Schiff bare Flüsse zählt man hingegen in bei weitem geringerer Menge, wohl in Folge der gebrochenen Beschaffenheit der Oberfläche mit steilen Hügeln und tiefen Schluchten, während es an kleinen, brausenden Bächen eine Ueberfülle giebt. Jeder See oder jede kleine Reihe von Sümpfen steht durch ein eigenes Thal in Verbindung mit der See. Diese Thäler hinunter senden sie ihren Ueberfluss an Wasser, aber nur in der Weise, dafs sie Brüche bilden. Die allgemeine Schmalheit dieser Brüche und die grofse Anzahl der Wasseransammlungen erklären sich aus der Kleinheit der einzelnen Abflufssysteme und der mächtigen Moosdecke. Von jedem grofsen Zuwachse an Feuchtigkeit verschluckt letztere den Haupttheil, während das Uebrige in die Lachen, Sümpfe, Seen u. s. w. fällt und dieselben bis zum Rande füllt, welche dann erst sich allmälig in die Brüche entleeren. Grofse, periodische Fluthen, welche die Betten der Bäche und Flüsse weiter austiefen können, treten nicht ein, da eine Unzahl einzelner kleiner Abläufe in die See ausmünden. Diese Abläufe besitzen nicht die Kraft, die Dämme, durch welche sie getrennt sind, zu durchbrechen und ihre Wasser zu vereinigen. Wenn die,, ponds" bei trocknem Wetter abnehmen, erhalten sie aus den Marschen, wie aus Vorrathsbehältern, neuen Zuwachs, und so können einzelne, trotz ihrer ganz beträchtlichen Tiefe, selbst in der dürrsten Zeit voll Wasser bleiben. Nur bei den gröfsten und anhaltendsten Dürren beginnen selbst die Marschen trocken zu werden, und sinkt dann der Spiegel der ,,ponds" unter seinen gewöhnlichen Stand.

Da der Unterschied in der geographischen Breite des nördlichen und des südlichen Endes der Insel fast fünf Grad beträgt, so zeigt der Winter eine sehr ungleiche Strenge und Dauer. Das Klima von Conception Bay an der Südküste und von der Hauptstadt St. John's, östlich davon, mag ungefähr das mittlere für

die ganze Insel darstellen. Die Witterung ist daselbst, obwohl streng, doch

weniger als im Unteren Canada, und während des Winters erhält die Atmosphäre durch den ausserordentlichen Glanz der Nordlichter und durch das helle Licht des Mondes und der Sterne eine seltene und eigenthümliche Schönheit. Die Ostküste ist bei Weitem feuchter als die Westküste, eine Folge der dichten Nebel, welche von der Grand Bank herübertreiben; sie ist auch heftigen Windstöfsen und Stürmen mehr ausgesetzt. An der Westküste von Cape Ray nordwärts und im Innern ist die Atmosphäre gewöhnlich klar, und das Klima ist nahezu dasselbe, wie in dem Districte von Gaspé in Untercanada.

Nach den Untersuchungen Juke's, welcher zuerst das Land in dieser Beziehung erforschte, zerfällt die Insel geologisch in zwei Abtheilungen, getrennt durch eine Linie von Cape Ray an der südwestlichen Ecke der Insel nach Quirpon, nahezu durch die Mitte derselben. Südwestlich dieser Linie läfst die Natur des Bodens wenig Hoffnung für Auffindung mineralischer Schätze, wogegen nördlich und östlich davon das Land aus Gesteinen jüngeren Alters mit einer ausgedehnten Kohlenformation und verschiedenen Anzeichen anderer Mineralien besteht.

Die geschichteten Felsarten Newfoundlands bestehen aus den rothen Schichten der Kohlenformation, magnesiahaltigem Kalke, Schiefern, Gneifs und Glimmerschiefer. Von massigen Gesteinen finden sich: Trappe, Grünsteine, Serpentine, Hypersthenite, Porphyre, Syenite und Somnite. Das Streichen der Schichten wechselt für die ganze Insel selten von N. N. O. nach S. S. W. Daher ist diese Richtung auch für alle hervortretende Eigenthümlichkeiten des Landes mafsgebend. Ihr folgen nicht nur die Hügelketten, sondern auch die hauptsächlichsten Seen; alle tiefen Baien und die zahlreichen Thäler verlaufen in dieser Richtung.

Die Kohlenformation scheint von gleichem Alter zu sein mit denen im westlichem Europa, Nova Scotia, Cape Breton und New Brunswick. An der Westküste Newfoundlands erscheint die Kohlenformation der letztgenannten Länder wieder.

Die Provinz Avalon ist von Newfoundland fast völlig durch die Baien von Placentia und Trinity getrennt, so dafs nur eine drei bis vier Miles breite Landenge übrig ist. Zwei Haupthügelketten bilden regelmäfsige Wasserscheiden.

Die mineralischen Reichthümer Newfoundlands bestehen in Steinkohlen unter einer Fläche von ungefähr 20 bis 30 Miles Länge, bei 10 Miles Breite. Bei Cadroy hat man reiche Gypslager gefunden, am Flusse Humber ausgezeichneten, weifsen Marmor, in verschiedenen Districten Kupfererze, bei La Manche in Placentia Bay eine grofse Bleierzlagerstätte.

Eine Hauptnahrungsquelle für die Einwohner bilden die Fischereien, welche ihnen ein bedeutendes Handelsmittel gewähren.

S-g.

Brief des K. Preufs. Geschäftsträgers für die Plata-Staaten, Herrn v. Gülich, an die Redaction.

Montevideo, den 13. Januar 1863.

Ganz abgesehen von dem grofsen wissenschaftlichen und historischen Interesse, welches das ehemalige Jesuitenreich, die sogenannten heute zu Brasilien, Paraguay und Argentina gehörenden Missionen, besitzt, bietet dasselbe auch ein hohes praktisches Interesse. Bei einer fortschreitenden Kultur Südamerika's werden sie eine ganz vorwiegende Bedeutung unter allen Landstrichen dieses Erdtheiles gewinnen. Wenn irgend ein Landstrich berufen ist, ein Zielpunkt nordeuropäischer Einwanderung zu werden, so sind es die Missionen, einst so bevöl

« AnteriorContinua »