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halten, die aus der alten Heidenzeit stammend, auch bei den Bertät stattfinden sollen. So wird im Dorfe Fezoghlu, wie am Qaçän, Farong u. s. w., zu Ende der Regenzeit, bei der Durrah-Reife, eine Bettstelle unter einen schattigen Baum getragen und der Mak nimmt darauf Platz. Nun bindet man einen Hund an das Bein der Bettstelle und jeder Dorfbewohner versetzt dem armen Thiere einen Ruthenstreich. Weshalb dies geschehe, wusste uns Niemand zu sagen. Die Durrah-Reife wird hier, wie in ganz Inner- Afrika, wie z. B. auch bei den Bäri- und Njäm-Njäm-Stämmen, mit Lustbarkeiten, Schmausen, Zechen und Tanzen begangen. Den grausamen Gebrauch, alte und sehr gebrechliche Leute lebendig zu begraben, haben die Türken unter den Gebelawin erst mit Mühe zu unterdrücken vermocht; ebenso endlich die Hinrichtung eines nicht mehr beliebten Mak.

Die Entfernung zwischen Famakà und Beni-Sonqólo, oder Beni-Sanqül – Ö------- –, dem Sitze eines bisher unabhängigen, den Bertät stammverwandten Negerhäuptlinges, beträgt drei starke Tagemärsche. Während der trocknen Jahreszeit, wo überall mehr Verkehr, wo die Abu-Róf ihre Heerden das Tumät-Thal hinauftreiben und die Furcht vor den Täbi-Schwarzen nicht so lebhaft, wie im Kharif, gehen farbige Krämer zum öfteren von Famaká nach BeniSonqólo. Sie verlassen Famaká mit Pferden, Eseln und Lastochsen – selten mit Kameelen – Abends und sind den nächsten Morgen am Aqaró, gehen von hier Abends wieder ab und befinden sich den Morgen darauf am Qaçän; von hier wieder Abends abreisend, befinden sie sich am dritten Tage früh zu Beni-Sonqólo. Die Strecke zwischen Famakà und Qaçän wird aber selbst zu dieser Jahreszeit, der Löwen und feindlicher Schwarzer wegen, für sehr gefährlich gehalten. Von Beni-Sonqölo gelangt man in drei vollen Tagen nach Fadäci – -- Xs – gegenwärtig einem Hauptorte der Gälä, die es den früheren Bewohnern (Bertät?) entrissen haben sollen. Es ist ein grosses, reiches Toqül-Dorf, am linken Ufer des Jebüs gelegen, Hauptmarkt für Pferde, Kaffee und Sklaven. Goldmarkt dagegen ist mehr noch zu Beni-Sonqölo").

') Ueber andere, diese Länder betreffende geographische Notizen ist mein grösseres Buch: Reise des Freiherrn Adalbert von Barnim durch Nordost-Afrika in den Jahren 1859 und 1860. Beschrieben von seinem Begleiter Dr. Robert Hartmann. Mit Abbildungen und Karten. 4to. Berlin 1863, einzusehen.

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VIII. leg

i tur id Reise der Königl. Preussischen Gesandtschaft nach doar in Persien 1860 und 1861.

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Geschildert nach dem Reisewerk des Dr. H. Brugsch')
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vom Stabsarzt Dr. W. Roth. Met die Wind

los Es liegt uns hier der erste Band eines Werkes vor, das einen bekannten Namen als seinen Verfasser auf seinem Titel trägt. Der Verfasser, bekannt durch seine Schriften über das alte Aegypten, ist zugleich ein genauer Kenner orientalischen und mohammedanischen Lebens — in Sprache, wie Sitten und Religion. Es muss von diesem Gesichtspuncte aus sehr befriedigen, wenn eine solche Persönlichkeit zur Begleitung einer officiellen Gesandtschaft an der Schahynschah ausersehen wurde. Die durch Gesandtschaften gewonnenen Reiseresultate haben in der Regel den Vorzug, dass sie Vieles enthalten, was dem reisenden Privatmanne unter allen Umständen verborgen bleibt, - es öffnen sich ihnen Pforten, hinter die ein sonstiger schlichter Reisender vergeblich einen verstohlenen Blick zu werfen suchen würde. Aber gerade deswegen, wegen der zuvorkommenden Aufnahme, sind nicht alle Angaben, die durch Gesandtschaften gewonnen werden, als klare objective Darstellungen anzusehen; nur zu häufig werden solche Beschreibungen Land und Leute in zu rosigem Lichte erscheinen lassen, wie dies gerade das Gegentheil mit den Berichten Privatreisender in

1) Reise der Königl. Preufs. Gesandtschaft nach Persien 1860 und 61, geschildert von Dr. H. Brugsch etc. 1. Bd. Leipzig (Hinrichs'sche Buchhandl.) 1862. gr. 8. ungünstigen Verhältnissen – man denke u. a. an Bogumil Goltz's „Kleinstädter in Aegypten“ – der Fall ist. Kommt indessen zu einer Gesandtschaft ein Mann, dem Sitten und Gebräuche, wenn auch nicht des speciellen Landes, so doch besonders die in der gleichen Religion wurzelnden bekannt und geläufig sind, so wird es demselben gerade auf dem Wege einer Gesandtschaft am besten möglich sein, Land und Leute kennen zu lernen und zu beurtheilen, die geistige, wie materielle Bedeutung der Bewohner, die Lebensfähigkeit der Nation in das richtige Licht zu stellen. Wir glauben, dass Brugsch in dem vorliegenden Buche diese Aufgaben über Persien gelöst, diese Fragen beantwortet hat, wenigstens ist es ihm gelungen ein klares Bild des Landes und seiner Bewohner, seiner einstigen Grösse und seines jetzigen Verfalls zu geben. Gerade hierin, dass wir dies aus dem vorliegenden Werke klar ersehen, finden wir ein Hauptmoment für eine sehr günstige Beurtheilung des Werkes, das fern von diplomatischer Beschönigung den Mängeln des dortigen Regiments einen beredten Ausdruck verleiht. – Wenn wir in dem Folgenden genauer auf den Inhalt des vorliegenden Werkes eingegangen sind, so glaubten wir dazu uns gewissermassen dadurch verpflichtet, dass diese Gesandtschaft, wir können wohl sagen, die erste preussische Gesandtschaft gewesen ist, über deren Erlebnisse uns Resultate in wissenschaftlicher Beziehung in einem Werke Rechnung gelegt ist. Uns sind keine grösseren Werke als Resultate preussischer Gesandtschaften in ferne Länder bekannt; die existirenden Werke, die auf ähnliche Art entstanden sind, wie die Reisen der Prinzen Adalbert und Waldemar, des Prof. Lepsius, sind als Prachtausgaben immer nur einem sehr beschränkten Leserkreise zugänglich geblieben. Vielleicht möchten wir noch dahin die Erdumsegelung des Königl. Seehandlungsschiffs Louise, Anfang der 30ger Jahre von Dr. Meyen vom specifisch botanischen Standpunct beschrieben, rechnen – aber ein Werk, einem grossen Kreise so zugänglich, wie die Reise der Novara, haben preussische Gesandtschaften noch nicht geliefert. Es mag uns daher von diesem patriotischen Gesichtspuncte zu Gute gehalten werden, wenn wir genauer als es in dieser Zeitschrift sonst zu geschehen pflegt, dem Inhalt des vorliegenden Werkes gefolgt sind.

Der erste uns vorliegende Band des Werkes reicht von der Heimath bis Hamadan – mit anderen Worten – er umfasst die Hinreise nach Persien und zwar nach Teheran und den ersten Theil der Reise in die iranischen Provinzen von Teheran nach Hamadan. Gewidmet ist derselbe den Manen des in der Karavanserei von Khaneh-Zenjam am 5. November 1860 verstorbenen Chefs der Gesandtschaft, dem Baron von Minutoli.

Die Vorrede giebt uns einen Ueberblick über die Zusammensetzung der Mission; der Zweck wird einfach ein politischer genannt. Die Mission bestand aus dem Baron von Minutoli als Chef, dem Verfasser als Secretair, dem Hauptmann von Grolmann, der der Mission in Persien nachkam, als Militär- Attaché und dem Dragoman Dr. Pietraszewsky, dazu ein deutscher Koch und ein deutscher Diener, Am 9. Februar 1860 versammelten sich die Mitglieder der Expedition in Triest und erreichten am 16. auf dem Lloyddampfer Calcutta Constantinopel. Der Aufenthalt hier währte bis zum 1. März. Brugsch giebt ausserordentlich anziehende Schilderungen über Stadt und Leute; in Betreff der Stadt giebt er der Aeusserung eines Reisenden vollkommen recht, der zur Erhaltung des unendlich poetischen Eindrucks der Stadt Constantinopel in Betreff ihrer Lage gerathen hat, dass man ohne auszusteigen gleich wieder abreisen solle. Die vielen in Constantinopel zusammentreffenden Nationen lässt er in geistvoller Weise Revue passiren. Nachdem er der vielen Europäer erwähnt hat, in deren Gefolge auch in Constantinopel die Crinoline unvermeidlich ist, fährt er fort: „Wunderbur im Gegensatz dazu ist die asiatische Welt, in Physiognomie und Tracht, welche hier schon in Pera mit der europäischen Bevölkerung in Berührung kommt und meist der dienenden Klasse angehört. Sie ist am lächerlichsten da, wo sie in meist unschöner Nachäffung alles europäischen Wesens auftritt, bis zum türkischen Soldaten und Kavassen hin, der mit gravitätischer Miene die Strassen Peras entlang schleicht. In jenem fein gekleideten Citoyen, der ernst und langsam einherschreitet, das pechschwarze, starke Haar mit dem feinen Fess bedeckt, mit der langen, hakenförmig gebogenen Nase und den schwarzen, stechenden Augen mit starken Augenbraunen darüber erkennst du auf der Stelle den reichen Armenier. Sieh nur, wie er eine Kugel seiner Bernsteinschnur nach der andern bedächtig durch die Finger gleiten lässt, um Gelegenheit zu haben, die Brillanten seiner Ringe den Leuten zu zeigen. Der ruhelose Landsmann des ewigen Juden lässt sich nicht ableugnen aus jenem schönen, aber verschmitzten Gesicht mit bekanntem Racentypus. Er geht in türkischer oder europäischer Tracht, je nachdem seine besonderen Interessen es erheischen. Werft einen Blick auf die Lammmaske mit der spitzen, schwarzen Pelzmütze. Schwört ers auch ab, er ist und bleibt der geschmeidige Perser. – An der Farbe erkennt man den Mohren, das hat man in Constantinopel in Hülle und Fülle zu beobachten. In allen Abstufungen der Hautfarbe tritt die Negerbevölkerung als eine bedeutende Beigabe des afrikanischen Continentes auf.“ „Einen traurigen Eindruck hinterliess der Anblick der zahlreichen

ausgewanderten Nogai-Tartaren, welche bekanntlich die russische Nogai-Steppe in grossen Massen verlassen haben und nach Constantinopel gewandert waren, um ein neues Vaterland von den rechtgläubigen Muslimin zu empfangen. Die Versprechungen waren glänzender als die Erfolge, wenigstens langerten sie obdach-, brod- und arbeitslos in den Strassen Constantinopels herum und bettelten mit wahrer Wuth jeden anständig gekleideten Spaziergänger an. In ihrem Kopfe, den eine mit Pelzwerk verbrämte Lederkappe bedeckt, zeigen sie viel Mongolisches. Die kleine Stumpfnase und die schräg stehenden Augen sind unverkennbare Merkmale.

„Diese Nogai -Tartaren zerfallen in 5 Horden, wovon 3 Anhänger der mohammedanischen Religion sunnitischer Secte sind. Die andern verehren Götzenbilder und wenden sich in ihrem Gebet an die aufgehende und die untergehende Sonne, wie die Geber oder Feueranbeter in Persien und Indien. Sie sind absolute Nomaden, bei denen jeder Versuch der Colonisation bis jetzt missglückt ist.“

Bei Gelegenheit eines Besuches im Divan bei dem General Muchlis Pascha – früher Kuczkowski – erwähnt Br. als Curiosum der grofsen Schwierigkeiten, die durch das Ablegen der Fussbekleidungen für das Wiederfinden derselben entstehen. Ein weiser Perser argumentirte diese Sitte so:

„Ihr Frengi mögt in Eurem Vaterlande in Frengistan gesittete und gebildete Menschen aufzuweisen haben. Hier zu uns kommen nur selten wohl erzogene Männer her. Diese machen Alles verkehrt und sind unreine Söhne ihres Landes. Oder geziemt es sich, beim Eintritt in ein Zimmer das abzulegen, womit nichts verunreinigt wird und das nicht abzulegen, womit man den Schmutz in dein reines Zimmer trägt? Entblössen sie nicht ihr Haupt vor allen Leuten und treten sie nicht mit den Schuhen auf den reinen Ort des Teppichs, auf dem Du issest und trinkst und schläfst und sitzt? Maschallah, wo sitzt da Verstand, wo sitzt da Gesittung! Bei Deinem Haupte, übel würde es ihnen in Frengistan ergehen, wollten die schlecht erzogenen Leute den reinen Teppich in den Zimmern mit ihren schmutzigen Füssen betreten! Warum schickt man aber die Unreinen gerade zu uns? Doch nur um Anstand und Sitte zu erlernen!“ - Der Obelik auf dem Platze des Atmeidan wurde von Br. bei seiner speciellen Kentniss egyptischen Alterthums näher besichtigt. Die hieroglyphische Inschrift auf diesem Obelisk besagt: dass der grosse und siegreiche König von Ober- und Unteregypten Tothmosis III, diese Säule zu Ehren seines himmlischen Vaters Ammon - Rha von Theben habe ausführen und aufstellen lassen, zum Dank für die Siege, welche ihm der Gott zu Wasser und zu Lande verliehen im Süden bis zum

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