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VII.

Skizze der Landschaft Sennâr.

Von Dr. Robert Hartmann.

(Schlufs von S. 40.)

Der zweite Haupttypus der sennârischen Bevölkerung begreift hellfarbene Menschen in sich. Hellfarben sind diese jedoch immer nur im Gegensatz zu ihren sehr dunklen Nachbarn; ein bald etwas ins Röthliche spielendes, bald chokoladenbraun überflogenes Bronzebraun charakterisirt ihr Hautkolorit. Zu ihnen gehören alle jene Nomadenstämme, welche die weiten Steppengebiete von Ost- und West-Sennâr, diejenigen des unteren Bahr-el-abjad, von Kordufân und Ost-Dâr-Fûr durchschwärmen. Die Nomaden sind den früher von mir geschilderten Bejûdah-Beduinen verwandt, mit ihnen von einerlei Nationalität. Schon damals habe ich die Gründe erörtert, weshalb diese innerafrikanischen Hirtenvölker, die man so ohne Weiteres gewöhnlich für Einwanderer aus Ḥigâz erklärt, als Ureingeborne des oberen Nilgebietes betrachtet werden müssen, als alte, äthiopische Ureinwohner, denen die Natur in den grenzenlosen Khalen Hoch-Nubiens und Sennârs weidereiche, zur Ernährung zahlreicher Heerden taugliche Länder gleichsam zugewiesen. Einige dieser Stämme, wie die Śukurîeh, kennzeichnen sich, auch jetzt noch, schon durch ihr Idiom als echte Afrikaner; sie sprechen einen Dialekt des Begawi, jener Ursprache, die auch von 'Abâbdeh, Besarîn und Taqah-Stämmen geredet wird. Neben dem Begawi verstehen diese Tribus aber auch meist arabisch. Einige andere, ganz demselben Typus angehörende Völker, wie z. B. die AbuRôf, Baqara, Magânîn u. s. w. sprechen jetzt nur ein mit vielen eingebornen Wörtern gemischtes Arabisch. Ihre frühere Ursprache ist im Laufe der Jahrhunderte dem siegenden Einflusse des Arabischen gewiZeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. XIV. 10

chen, vor dem ja auch nach und nach das Berberi der Nubier, das Funqi, selbst Beġawi u. s. w. zurücktreten und gänzlich zu verschwinden drohen. Welchem Stamme die frühere Sprache der zuletztgenannten Nomaden-Tribus angehört, läfst sich nicht mehr mit Sicherheit entscheiden; muthmasslich haben auch sie das Beġawi gesprochen, welches in seinen Wurzeln verwandtschaftliche Beziehungen zum Koptischen (Altegyptischen), dem Berberi und Funqi besitzt. Diese Nomaden haben sämmtlich viel äufsere Aehnlichkeit mit den rothen und braunen Menschen, welche die alten Egypter auf Tempel- und Gräberwänden dargestellt. Ein Theil von ihnen bat, wohl schon seit den ältesten Zeiten, die Ufer des oberen Niles, des unteren blauen Flusses und unteren Atbarah bebaut und aus solchen sefshaften, braunen Aethiopen mag das meroitische Reich hervorgegangen sein, auf welches das altchristliche Aloah gefolgt und dessen Fortsetzungen vielleicht der Priesterstaat E'- Dâmer, sowie die zahlreichen Priester- (Fuqarâ-) Gemeinden Nieder-Sennârs bilden. Alle diese letzteren, ackerbauenden, ziemlich hellfarbenen Sudânesen sind am wenigsten rein von Vermischung geblieben; mit Berâbra, mit Fung und anderen Schwarzen häufige Ehen eingehend, haben sie in manchen Dörfern um Sendi, Ḥalfâi, am unteren blauen Nil und am unteren Atbarah, zum Theil auch am weifsen Flusse nördlich vom Ġebel-Njemațî, ihren ursprünglichen Typus soweit verloren, dass dieser kaum mehr erkennbar, sodass nur aus genauer Vergleichung mit reineren äthiopischen Ureingebornen in ihrer Nachbarschaft geschlossen werden kann, welchem Typus sie denn ursprünglich wohl angehört. In Nieder-Sennârs Uferbevölkerung wird, je weiter man sich von Norden her der Stadt Sennâr nähert, das FunqiElement überwiegend.

- البجا

Alle die hellfarbenen Aethiopen Nord-Ost-Afrika's zerfallen in viele einzelne Stämme. Wir nehmen jedoch die Uferbewohner Sennâr's als nicht mehr reines, gemischtes Volk aus und beschäftigen uns zunächst nur mit den reineren, überwiegend nomadischen Tribus. Unter diesen fallen uns zunächst, von Norden her, diejenigen Nationen auf, welche den Kern des schon von Maqrîzî beschriebenen Landes El-Bega bewohnen. Ob der Name Bega im hieroglyphischen Buka der Völkerlisten zu Karnaq und Qurneh (Birch) enthalten, bleibt dahingestellt; mit Sicherheit finden wir jenen auf einer Inschrift zu Aksum in Tigreh, wo der altäthiopische König Aizanas - La-San - benannt wird: „Herrscher von Aksum u. s. w., von Bega und von Kas. Auch preist eine Inschrift von Adulis den König Ptolemaeus Evergetes als Besieger von Bega Βεγα - Ob ferner die zur Zeit der Römerherrschaft in die von Nubaden oder Berâbra bewohnten Distrikte südlich von Syene eingefallenen Blemyer zum Bega-Volke gehört, wie

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Lepsius u. A. vermuthen, dürfte mit Sicherheit schwierig zu entscheiden sein, ist jedoch nach Manchem sehr wahrscheinlich.

بشرين

بشارین

Das Hauptvolk des Maqrîzî'schen Bega ') sind die heutigen Besarîn - oder Besârîn Sie wohnen zerstreut in der östlichen Wüste, südlich von Qorosqo, dichter schon in den schwachbewachsenen Wüstenthälern zwischen dem Brunnen Murhât-e'- Morrah und dem rothen Meere. Am zahlreichsten finden sie sich in den Steppen zwischen Berber und Çawâkim, sowie im Lande Taqah oder Qas. Die Taqah-Stämme, wie z. B. die Ḥalenqah und Hadendawah, von den Besarîn trennen zu wollen, ist unstatthaft, denn wenn auch mit letzteren zur Zeit nicht, durch Unterordnung unter einem gemeinsamen Grofs-Śêkh, politisch, so sind sie ihnen denn doch nationell verbunden. Sie reden mit ihnen einen Dialekt derselben Sprache, ja sie sind, wie sie selbst aussagen, mit den Besarîn früher sogar auch politisch vereinigt gewesen.

Die Besarîn nennen die von ihnen bewohnte Landschaft, der Notiz eines ihrer Rechtskundigen - Fuqahâ

--

zufolge, Edabah

مضاب اطا بجوى

فقها

of, ihre Sprache: Midâb-etâ - Begawî oder Miḍâb-to-Begawîeh, wo to Artikel. Mit dem Ge'ez soll diese Sprache nur geringe oder gar keine Verwandtschaft haben. Mit dem Funqi, Berberi und Altägyptischen ist sie dagegen verwandt. Folgende Stämme gehören, den uns gewordenen Nachrichten zufolge, ihnen an: Heljâb Mançurâb, Amrâb

هلیاب

ارياب - Arjab

حضرب

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-

اب حمداب

أمراب - Amrab

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-, Ḥamdâb
Ḥalenqahääl, Hadendawah

(Sing. Handawah)

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Hadarb

- اصرار .

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Mit-Qinâb, Siqilâb

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wahrscheinlich auch die Mêrêfâb von Berber. Das vorstehende Verzeichnifs, welches uns von einem alten Kenner des Landes Taqah und der Besarîn, von Dr. Peney, mitgetheilt worden, ist freilich nicht vollständig; es fehlen demselben noch einige untergeordnete Stämme. Trémaux 2) erwähnt folgende BesarînTribus: Aliab, Dam - Hatab, Hamed - Orab, Hammaraar, Cintérab, Belgab, Hamed-Ab, Botrane, Nafâab, Hannah, Hadendah, Halenka und, nach den Berichten auch noch Anderer: die Erab, Segolab, die Macaberab bei Berber und die Hadarb am rothen Meere, welche letztere wiederum in mehrere Zweigstämme zerfallen.

1) Noch heut soll sich, nach Heuglin, ein Stamm: Begah nennen. Petermann's Mittheil. 1862. X. S. 385.

2) P. Trémaux: Voyage en Ethiopie au Soudan Oriental et dans la Nigritie. IIme Edit. I. p. 169.

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