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stande vielen Abbruch. Die dem Gebel-Ghüle am meisten benachbarten Denqa bringen Kälber auf den Markt von Hellet-Idris und tauschen dagegen, natürlich mit Verlust, gute Milchkühe ein. Die Industrie dieser Schwarzen beschränkt sich auf das Schmieden von Lanzenspitzen und wenigen eisernen Zierrathen, auf Flechten grober Matten, Anfertigen von Thonpfeifenköpfen, Krügen, Kürbisschalen, das Drehen grober Baststricke und das Gerben einiger Häute zu Schlafdecken, Lederstricken u. s. w. Die Elephanten, Giraffen und Antilopen werden mit Wurflanzen getödtet, Flusspferde harpunirt, Fische theils harpunirt, theils geangelt. Die eigentlichen Denqa sind jedoch nicht so geübte Jäger und Fischer, wie die Kitch. Sie huldigen der Vielweiberei und erkaufen ihre Weiber für Rinder. Scheidung ist leicht; die Geschiedene muss von ihrem Manne lebenslang erhalten werden. Ihre religiösen Ansichten sind noch wenig bekannt. Jedoch weiss man, dass sie an „Dei-Déth“, den Schöpfer aller Dinge, an ein Prinzip des Guten und an böse Geister glauben. Da von dem regelmässigen und reichlichen Eintritt ihrer Sommerregen die Ergiebigkeit ihrer Felder und die Fruchtbarkeit ihrer Viehweiden abhängt, so stehen Kogüren oder Leute – Männer und Weiber – welche den Regen vorherverkünden, in grossem Ansehen. Missglückt deren Kunst aber, dann ist es freilich nicht selten um dieselben geschehen. Die Denqa haben eine Art republikanischer Staatsverfassung. Die Dörfer bilden unabhängige Gemeinden, welche sich nur zum Zweck gemeinsamer Kriegszüge und gemeinsamer Vertheidigung verbünden und den Befehlen eines Oberen unterwerfen. Die gewöhnlichen Dorfhäuptlinge – angesehene, wohlhabende und kriegskündige Männer – haben nicht viel Macht. Der dem G-Ghüle am meisten benachbarte, recht volkreiche Denqa-Stamm heisst dort „Awläd-Ibrahim, d. h. Söhne Ibrahim's.“ Kaufmann nennt die: Abyalang zwischen den Bergen Njemati und Defafän, die Agir und Abuyo zwischen G.-Defafän und Khörel-Gaal und die Donghiol zwischen diesem und dem Söbät. Nach Don G. Beltrame's mündlicher Mittheilung sind die Stämme der „Beherr, Njál und Jöm“ Nachbarn der Bertät. Wie neuere Nachrichten darthun, hat Faqih Mohammed-Khèr, Kommandirender des neuerworbenen Gebietes „Där-el-Baqära“, in Verbindung mit Abu- Röf-Beduinen, i. J. 1862 die zwischen dem G.-Njemati und Sóbät wohnhaften Denqa auseinandergesprengt, ihrer viele niedergemetzelt, und einen grossen Theil der Ueberlebenden in die Sklaverei geschleppt! Aehnlich diesen Denqa verhalten sich die anderen, oben genannten, ihrem Sprachgebiet zugehörigen Stämme, welche uns selbst nicht bekannt geworden sind, übrigens auch Sennär nicht mehr angehören. (Fortsetzung folgt.)

II.

Brief des Herrn Carl von der Decken an Herrn Dr. H. Barth und Auszüge aus den Briefen seines Begleiters Herrn Dr. Kersten.

Mein verehrtester Herr!

Sie haben ziemlich lange keine Nachricht von mir erhalten, aber was nutzt es zu schreiben, wenn man nichts Gewisses mittheilen kann. Ich bin jetzt wenigstens im Stande, Ihnen mit ziemlicher Bestimmtheit melden zu können, dass ich am Freitag den 2. October von hier abmarschiren werde.

Die Caravane besteht aus 4 Europäern, mich eingerechnet, 8 schwarzen Dienern und 100 Trägern, ausserdem 3 Eseln nebst 3 Hunden. Ich nehme meinen Weg zuerst an der Küste hinunter nach dem Städtchen Wanga, da ich von dort aus mit Sicherheit jeden zweiten Tag Wasser finde, während ich von hier wenigstens 4 Tage ohne dies mich behelfen müsste. Von Wanga aus") schlage ich meine alte Strasse ein, d. h. am Umba-Fluss hinauf, Usambara südlich liegen lassend, nach Pare und dem See Jipe zu. Ich halte es für besser, noch einmal denselben Weg zu machen, um Observationen und Messungen von der vorigen Reise, die nicht ganz genau stimmen, zu revidiren, da es mir höchst unangenehm wäre, wenn sich in die zu entwerfende Karte Fehler einschlichen, die spätere Reisende berichtigen müssten. Vom See Jipe aus hoffe ich, das Ugono-Gebirge, von dem die ganze Umgegend mit Eisen versorgt werden soll, besuchen zu können. Dann gehe ich weiter nach Arusha, und habe ich mit dem von mir engagirten Führer Sadi ausgemacht, mich nach folgenden Orten zu bringen, von denen Sie einige auf der von Rebmann und Erhard entworfenen Karte in Petermann's Mittheilungen (Jahrgang 1856, Taf. I.) finden werden: Dogo, Meru, Mageioni, Kisongo, Ngaruka, Ngoroddo Malembo, Saleki, Sero, Ngorojni Ukonono; von dort nördlich nach dem See Lewasha oder Neiwasha und dann entweder über Kiküyu und Ukambäni zurück oder, was wohl wahrscheinlicher ist, mehr südlich über Mosiro an dem See und Berg Usigniru vorbei nach Gelai, Matambatu, Doinio (Doëngo) erok (schwarzer Berg), Sigrari nach Mageioni zurück. Sollten dann noch Waaren genug da sein, so wäre ein zweiter Versuch, den Kilimandjaro von der Westseite zu besteigen, wünschenswerth; wo nicht, würde ich vielleicht versuchen, nach dem Rufu oder Pangäni zu gehen und an diesem entlang zurück zu kommen. Sehr schlimm ist, dass bei den Wamassai Eisen und Messingdrath, zwei im Gewicht so schwere Waaren, die Hauptartikel bilden und trotzdem, dass ich an 1500 Pfd., d. h. Alles, was ich hier aufzutreiben im Stande war, mitnehme, wird die Länge meiner Reise dadurch bedingt, wie lange der Vorrath ausreicht, um für mich und meine Leute Lebensmittel zu kaufen. Hundert und zehn hungrige Magen fordern täglich eine gute Quantität Speise, und leider hat man nicht alle Tage Gelegenheit, grössere Stücke Wild als Elephanten, Rhinocerosse und Büffel zu erlegen. Der Rest meiner Waaren besteht aus nahe an 4000 Yards weisser und bunter baumwollener Tücher, 500 Pfund Glasperlen und andern Kleinigkeiten, als Messern, Spiegeln, Nadeln, Armbändern, 200 Mundharmonika's etc. etc. So unangenehm es mir ist, so werde ich diesmal doch wohl gezwungen werden, als Kaufmann zu reisen, d. h. dann und wann etwas Elfenbein zu kaufen. Der Argwohn der Wamassai würde zu gross sein und würden sie es nicht verstehen können, wenn ich blos unter dem Vorgeben käme, sie und ihr Land zu besuchen, ja ich würde vielleicht gar nicht im Stande sein, in ihr Land einzudringen, und so wähle ich von zwei Uebeln das mir am Geringsten scheinende. Um übrigens mit Handelspropositionen nicht gar zu sehr gequält zu werden, habe ich erklärt, dass ich keine Zähne unter 180 Pfund kaufen würde; diese sind sehr selten, und dies giebt mir die beste Gelegenheit, nicht gar zu oft meine Fähigkeit als guter Händler auf die Probe zu stellen. Die Zeit hier in Mombas ist sehr schnell, dabei aber nicht nutzlos vergangen. Es sind tägliche Barometer- und Thermometer-Observationen und mehrmalige magnetische gemacht. Etwa 40 verschiedene Vögel (dupl. ercl.) und eine hübsche Anzahl Insecten, kleiner Säugethiere und Amphibien vermehren die Sammlungen um ein Beträchtliches, und ich für meine Person habe angefangen, so gut es eben geht, mich mit dem Studium des Kimassai zu beschäftigen. Erhard's und Krapfs Vocabularien scheinen mir freilich sehr mangelhaft und stimmen in den meisten Fällen nicht mit einander überein, doch halte ich mich mehr an die Aussprache meines Führers, der lange Zeit unter den Wamassai gewohnt hat und selbst dort verheirathet ist. Dr. Kersten geht es vortrefflich; ich wollte, ich könnte von mir dasselbe sagen, er hat noch nicht einmal ein Unwohlsein gehabt. Was sein Wissen und sein Wesen betrifft, so komme ich immer mehr dahinter, dass Sie den rechten Mann getroffen haben, den ich brauchen kann. Mit Androik (dem Jäger) bin ich leider nicht recht zufrieden; er leidet, wie schon früher in Europa, an Augenkrankheit und, was noch schlimmer ist, an einem hier wieder ausgebrochenen chronischen Uebel.

*) Vergl. die Karte Taf. I. zu Band IX. dieser Zeitschrift.

Vor ein paar Tagen erhielt ich einen Brief von Livingstone aus Johanna, der einen der Comoro-Inseln vom 1. August, worin er mir anzeigt, dass seine nächsten Bemühungen auf das nördliche Ende des Nyassa-Seees und die Landschaft im Nordwesten davon gerichtet sein würden. Sein Dampfboot war ganz in Bereitschaft, den Schire (bis zu den Stromschnellen) hinaufzugehn, aber er sei so lange aufgehalten worden durch den diesjährigen niedrigen Stand des Flusses, so dass er mit seiner Gesellschaft erst einige Monate in Johanna und dann wahrscheinlich am Rovümä zubringen würde").

Von Wanga aus schreibe ich Ihnen noch ein paar Worte, ob bis dahin Alles gut gegangen ist.

Mombäs, den 20. September 1862.

Ihr aufrichtig ergebener

C. v. d. Decken.

Nachschrift von Wanga den 8. October.

„Nach fünftägigem Marsch hier angekommen. Zehn Leute durch Desertion oder wegen Unbrauchbarkeit verloren. Die Wege schauderhaft. Morgen gehe ich weiter nach dem Innern. Meinen Jäger Androik wegen Krankheit nach Zanzibar zurückgeschickt. Alles höchst unerfreulich, aber nicht zu ändern. Die Reise fängt schlecht, recht schlecht an, hoffentlich ist das Ende desto besser.“

Auszüge aus den Briefen des Dr. Kersten, der nach einer glücklichen

Seereise um das Kap in 87 Tagen von Hamburg aus, am 5. Juli v. J.

wohlbehalten bei dem Reisenden in Zanzibar eingetroffen ist und ihm von grosser Hülfe zu sein verspricht.

„Was auf der Reise meine Aufmerksamkeit erregte“, schreibt Herr Dr. Kersten an Herrn Prof. Ermann hierselbst, „will ich hier zusammenstellen, um Ihnen ein leichtes Bild der Reise zu geben. Das Leuchten der See fand fast nur ausserhalb der Tropen Statt, im vom Schiffe bewegten Wasser. Es rührte ausschliesslich von Thieren her; von mikroscopischer bis zu Tellergrösse. Die grossen Klumpen schnappten nach den kleinen. Hier kam ein Blitz und dort verlöschte eine Kugel – ein sehr reges Leben und Sterben war da unten. Die begränzte Wahrheit des Spruches von den Mondphasen lernte ich bald kennen; denn in den Tropen erscheint der zunehmende Mond beim Aufgange so: S, beim Untergange: So , der abnehmende aber in beiden Fällen umgekehrt, während südlicher der zunehmende Mond nach rechts offen ist und der abnehmende nach links. Ich wunderte mich sehr, dass man dies nirgends erwähnt findet. Die Jagd zur See ergab bei Madeira eine unschmackhafte Seeschildkröte, deren Fang sehr amüsant war, und später Albatrosse und Kaptauben, die wir angelten und leider wieder fliegen liessen, aus Gefälligkeit gegen den Aberglauben des Kapitän's. In Leunis' Naturgeschichte steht nämlich: „ das übelriechende Fleisch der Albatrosse wird höchstens von Matrosen gegessen“, ein Theorem, das die Seeleute sichtlich empörte und uns sehr ergötzte. Um nun den Leuten Gerechtigkeit zu verschaffen, wollte ich mit dem Obersteuermann einen Albatross auf eine gewisse Weise schmackhaft kochen und behaglich verzehren und dann dem Herrn Leunis das Resultat zur gefälligen Benutzung mittheilen. Leider wurde also nichts daraus. – Fliegfische und kleine Dintenfische wurden bisweilen an Bord geworfen. Wenn der Rudermann „Springers“ (Delphine) anmeldete, war alle Mal ein kleines Fest der Abwechselung. Wir schleuderten vom Burgspriet aus Harpunen darnach, bekamen aber nie einen. Hai- und Wallfische sahen wir auch. Zu den Abwechselungen muss ich auch, nach Windstille unter der Linie, den ersten Regen zählen. Wir zogen uns aus und wälzten uns im Regenwasser, das ziemlich hoch auf Deck stand. Eine herrliche Erquickung. Abends studirte ich gewöhnlich den Sternenhimmel. Der südliche Himmel ist doch bei Weitem nicht so schön, als der nördliche. Besonders nahm ich an dem Aufheben Anstoss, das man vom südlichen Kreuz macht; denn dies ist doch ziemlich unscheinbar, besonders gegen Skorpion, Orion u. s. w. Dante singt vom Kreuze: O ödes Land, du kalter Nord, du schaust den Glanz des schönen Lichtes nimmer! Es ist eine eigenthümlich krankhafte Stimmung des Menschen, das, was er nicht hat, schön zu finden. Dante findet Italien öd und rauh, weil er dort das Kreuz nicht sehn kann; er schwärmt vom Glanz des schönen Lichtes, welches er selbst doch wohl kaum gesehen hat. An der Küste von Madagaskar, Kap Felice, machten wir Land; es war das wieder das erste Feste, was wir seit England sahen. Schon 12 Stunden vorher rochen wir das Land. – Dann sahen wir noch Grosscomoro mit seinen Vulcanen, am 2. Juli, und endlich am 4. Juli

') Wie ein in der Sitzung der Londoner Geographischen Gesellschaft vom 12. Januar d. J. vom Präsidenten mitgetheilter Brief Livingstone's zeigt, hat er im verflossenen Oktober, also bald nach Absendung jenes Briefes an den Herrn v. d. Decken, wirklich eine Fahrt auf dem Rovümaflusse ausgeführt. H. B.

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