Imatges de pÓgina
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Kolorit offenbart, einseitig auf das Erotische gerichtet und von einer leichten und spielenden Natur. Bei Keats ist sie umfangreich, gediegen und schwer, durchaus nicht vorwiegend erotisch, sondern allseitig und in dieser ihrer Allseitigkeit ein bewunderungswürdiges Extrem des englischen Naturalismus. Derselbe führte bei Wordsworth zu einem schon geschilderten Extrem, bei Keats ist er zu einem andern und poetisch viel wertvolleren gelangt. Unter allen Dichtergeistern Englands war Keats am meisten Artist" (S. 151f.).

So stellt

Dieser Sensualismus (sensuousness) als das eigentümliche Gepräge der Keatsschen Dichtung kann keinem ernsthaften Kritiker entgehen; alle haben ihn mehr oder weniger betont, mehr oder minder glücklich formuliert, mehr oder weniger eingehend betrachtet. auch James Russell Lowell den Unterschied Keats' von seinen Zeitgenossen dar als begründet auf den artistischen Sensualismus: Three men, almost contemporaneous with each other Wordsworth, Keats and Byron were the great means of bringing back English poetry from the sandy deserts of rhetoric, and recovering for her her triple inheritance of simplicity, sensuousness, and passion. Of these, Wordsworth was the only conscious reformer, and his hostility to the existing formalism injured his earlier poems by tinging them with something of iconoclastic extravagance. He was the deepest thinker, Keats the most essentially a poet, and Byron the most keenly intellectual of the three. Keats had the broadest mind, or at least his mind was open on more sides, and he was able to understand Wordsworth and judge Byron, equally conscious, through his artistic sense, of the greatnesses of the one and the many littlenesses of the other, while Wordsworth was isolated in a feeling of his prophetic character, and Byron had only an uneasy and jealous instinct of contemporary merit. The poems of Wordsworth,

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as he was the most individual, accordingly reflect the moods of his own nature, those of Keats, from sensitiveness of organisation, the moods of his own taste and feeling; and those of Byron, who was impressible chiefly through the understanding, the intellectual and moral wants of the time in which he lived. Wordsworth has influenced most the ideas of succeeding poets; Keats, their forms; and Byron, interesting to men of imagination less for his writings than for what his writings indicate, reappears no more in poetry, but presents an ideal to youth made restless with vague desires not yet regulated by experience nor supplied with motives by the duties of life. Keats certainly had more of the penetrative and sympathetic imagination which belongs to the poet, of that imagination which identifies itself with the momentary object of its contemplation, than any man of these later days" (p. 278-279). Diese Unmittelbarkeit der Empfindung im Gegensatz zu seinen romantischen Brüdern in Apoll schildert auch Sidney Colvin: „His character as a poet of nature begins, indeed, distinctly to declare itself in this first volume. He differs by it alike from Wordsworth and from Shelley. The instinct of Wordsworth was to interpret all the operations of nature by those of his own strenuous soul; and the imaginative impressions he had received in youth from the scenery of his home, deepened and enriched by continual after-meditation, and mingling with all the currents of his adult thought and feeling, constituted for him throughout his life the most vital part alike of patriotism, of philosophy, and of religion. For Shelley on his part natural beauty was in a twofold sense symbolical. In the visible glories of the world his philosophy saw the veil of the unseen, while his philanthropy found in them types and auguries of a better life on earth; and all that imagery of nature's more remote and skyey phenomena, of which no other poet has had an equal

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mastery, and which comes borne to us along the music of the verse

With many a mingled close

Of wild Aeolian sound and mountain odour keen

was inseparable in his soul from visions of a radiant future and a renovated alas! not a human humanity. In Keats the sentiment of nature was simpler than in either of these two other masters; more direct, and so to speak more disinterested. It was his instinct to love and interpret nature more for her own sake, and less for the sake of sympathy which the human mind can read into her with its own workings and aspirations."

Das starke Hervortreten einer persönlichen Note in der Keatsschen Dichtung und ihre durchaus sinnfällige, ja sinnliche Natur ist also oft anerkannt worden und die Liste ähnlicher Kritiken ließe sich leicht ins Ungemessene fortsetzen, ohne daß wir dem Problem selber dadurch erheblich näher kämen. Der Keatssche Sensualismus wird meist als Tatsache hingenommen, in entwicklungsgeschichtlichen und literarhistorischen Zusammenhang gebracht, seine Äußerungen im Werke des Dichters je nachdem als Vorzüge oder als Fehler betrachtet; aber eine psychologische Analyse dieses Sensualismus wird höchstens gelegentlich angedeutet. Gerade dies ist aber die Aufgabe, die ich mir gestellt habe: zu untersuchen, inwiefern wir berechtigt sind, bei Keats von Sensualismus zu sprechen, inwiefern sich der Sensualismus bei Keats von dem Sensualismus anderer Dichter unterscheidet oder ihm ähnlich ist, ob in seinem Sensualismus Keime liegen, die über ihre Grundlage hinausweisen und ob, wenn dies der Fall sein sollte, auch auf der Grundlage des Keatsschen Sensualismus sich eine Dichtung mit stark intellektuellem Einschlag entwickeln kann. Biographische Tatsachen und kritische Ermittlungen werde ich nur wenig heranziehen; auch

in Keats' Verhältnis zu andern Dichtern mehr die ursprüngliche Verwandtschaft als den literarischen Einfluß berücksichtigen: in den Mittelpunkt gedenke ich die psychologische Analyse von Keats' anerkannten Meisterwerken zu stellen, mit gelegentlichen Hinweisen auf seine dichterische Entwicklung; Parallel- und Kontraststellen aus andern Dichtern mögen zur Erläuterung des Darzustellenden dienen. Die erste Frage, zu der uns die Behauptung eines universellen Sensualismus bei Keats hinführt, wird sich daher folgendermaßen formulieren lassen: Welchen Raum nimmt die einfache sinnliche Empfindung bei Keats ein? Demgemäß heiße der erste Abschnitt:

Die sinnliche Empfindung bei Keats.

Daß die sinnliche Empfindung überhaupt die Grundlage alles geistigen Geschehens ist, darf man wohl als eine jetzt unbezweifelte psychologische Tatsache aussprechen. Unsere gesamte Erfahrung, innere sowohl als äußere, ist ein Gemisch aus den verschiedenartigsten Bestandteilen, deren Verbindung teils regellos und zufällig, teils kausal bedingt ist. In der Erfahrung selbst ist uns nun keiner dieser Bestandteile jemals ganz rein. für sich gegeben selbst ein einfacher Ton ist nicht möglich ohne die variabeln Begleiterscheinungen seiner Stärke, der Richtung, aus der er kommt, usw. Gerade weil aber Stärke und Richtung variabel sind, erkennen wir, daß eine bestimmte Tonhöhe zwar nicht auftreten kann, ohne irgend einen Stärkegrad zu haben und aus irgend einer Richtung zu kommen, daß diese Elemente jedoch nicht dem Ton an sich zukommen, sondern daß man von ihnen abstrahieren kann. Als denkbar einfachstes Element der Erfahrung bleibt dann der Ton in seiner bestimmten Höhe zurück, ebenso wie wir bei

Farbenerscheinungen z. B. von ihrer räumlichen Lage, der Dauer ihrer Wahrnehmbarkeit usw. abstrahieren können. Eine solche unmittelbare Erfahrung wie z. B. ein Ton, eine Farbe enthält aber schon an sich zwei Faktoren: der objektive Erfahrungsinhalt ist die sinnliche Empfindung, das sozusagen rein Tatsächliche, die reine Anschauung, und die subjektive Begleiterscheinung einer solchen Empfindung das Gefühl derselben. So können wir uns denken, daß eine rot gefärbte Fläche bei zwei Menschen, deren Augen gleich gebaut sind, zwar die gleiche Empfindung, wohl aber verschiedene Gefühle hervorrufen kann. Solche Gefühle treten aber nicht nur bei Licht-, Schall-, Geschmacks-, Geruch-, Wärme-, Kälteempfindungen auf, auch der Zustand der Aufmerksamkeit, der körperlichen Tätigkeit, der Anspannung usw. sind von eigenartigen Gefühlen begleitet. Die sinnliche Empfindung ist also; wenigstens theoretisch, von dem Gefühl zu trennen, und theoretisch wenigstens kommt ihr die Priorität im Seelenleben zu. Zuerst gilt es also, in Keats' Werken nach den Stellen zu suchen, in denen eine einfache sinnliche Empfindung ausgedrückt ist, d. h. Stellen, in denen das Objekt mit seinen leicht wahrnehmbaren sinnfälligen Eindrücken im Mittelpunkt steht. Solche Stellen, affektlose Beschreibungen, finden sich in dem Fragment: Calidore (Bd. I S. 16 ff. 1) 42—55:

The little chapel with the cross above
Upholding wreaths of ivy; the white dove,
That on the window spreads his feathers light,
And seems from purple clouds to wing its flight.
Green tufted islands casting their soft shades
Across the lake; sequester'd leafy glades,
That through the dimness of their twilight show
Large dock leaves, spiral foxgloves, or the glow

The Complete Works of John Keats, ed. by Forman. 5 vols.

Nach dieser Ausgabe werde ich zitieren.

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